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Snowboard:Pyeongchang ist gebucht

Routinier Patrick Bussler aus Aschheim schafft auf Anhieb die Olympia-Norm. Zum Auftakt der Weltcup-Saison fährt der 33-Jährige in Cortina auf die Plätze zehn und 15.

"Ich muss gleich los", sagt Patrick Bussler im Zielraum von Cortina d'Ampezzo, gerade ist der Parallel-Riesenslalom der alpinen Snowboarder im italienischen Nobelskiort zu Ende gegangen. Und der Aschheimer hat sein erstes großes Ziel für diesen Winter bereits unter Dach und Fach. Der 15. Platz im zweiten Weltcup-Rennen der Saison hat gereicht, um das Ticket für die Olympischen Spiele in Pyeongchang zu buchen. Zum Saisonauftakt in Carezza bei Bozen in Südtirol war ihm schon ein zehnter Rang gelungen, zweimal unter den besten 15, also in der K.-o.-Runde, oder ein Platz unter den ersten Acht reicht, um die nationalen Kriterien für die Winterspiele zu erfüllen. Bussler ist der erste aus dem Männerteam, dem das gelungen ist.

"Ich habe nur an diesen 15. Platz gedacht, sagt Bussler nun, man merkt ihm die Erleichterung an. Dass es für mehr nicht gereicht hat, ist erst mal nicht weiter schlimm: "Der Hang war sehr flach", erklärt er, "ich habe es nicht gut genug geschafft, den Schwung ins Flache mitzunehmen." Auch das Board sei nicht optimal gelaufen, "wir hatten ein paar Probleme mit dem kalten Schnee." Egal, nun kann der Aschheimer ohne jeden Druck in die anstehenden Rennen gehen.

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Ideallage: Patrick Bussler hat mit den Plätzen zehn und 15 gleich in den ersten Weltcup-Rennen <NM1>in Carezza und Cortina d'Ampezzo<NM>die Norm für die Olympischen Spiele erfüllt.

(Foto: imago)

Einen Titel hat er zudem bereits gewonnen in dieser noch jungen Saison: Der 33-Jährige wurde im österreichischen Hochfügen deutscher Meister. Freilich weiß der Routinier die Bedeutung solcher nationalen Titelkämpfe einzuschätzen, letztlich zählt der Weltcup. Und natürlich Großereignisse: Mangels Europameisterschaften sind das für die alpinen Race-Snowboarder Weltmeisterschaften und, über allem schwebend, Olympische Spiele. Pyeongchang wäre die ideale Möglichkeit für den besten deutschen alpinen Boarder, seine lange Karriere zu krönen.

Für Bussler sind es die vierten Olympischen Spiele. In Sotschi war er Vierter

Es wird nach Lage der Dinge seine letzte sein. Bussler hat sich für ein duales Studium zum Wirtschaftsinformatiker beworben, er sagt: "Wenn das klappt, höre ich mit dem Snowboarden auf." Zwar hat der Aschheimer bereits ein Fernstudium als Medienfachwirt abgeschlossen, seine Zukunft sieht er aber im Bereich Informatik. Ein paar sportliche Ziele gilt es noch abzuarbeiten, das erste ist mit der Olympia-Qualifikation erfolgreich abgehakt.

Es könnte aber noch besser werden, denn schon die Vorbereitung lief richtig gut, erzählt der Routinier, seit August konnte er störungsfrei trainieren. Was insofern von großer Bedeutung war, weil Bussler vor der Saison die Platte auf dem Board gewechselt hat und auch einen neuen Schuh fährt. Beides Änderungen, die in diesem sensiblen Bereich des Materials eine essenzielle Rolle spielen.

"Ich fahre jetzt ein anderes System", erklärt Bussler. Vereinfacht gesagt, ist die neue Platte starrer auf dem Brett verschraubt. Auch der neue Schuh ist härter als der alte, angesichts der vielen Schneetage hatte Bussler aber die nötige Zeit, sich an das neue Material zu gewöhnen: "Ich konnte mich gut einfahren", sagt er, was sich auch physisch bemerkbar macht. Konditionell fühle er sich fit wie lange nicht, "auch für Kraft und Ausdauer war die intensive Vorbereitung sehr sinnvoll".

Patrick Bussler.

(Foto: Günter Schiffmann/imago)

Die ersten drei Saisonrennen haben nun gezeigt, dass man mit dem Aschheimer rechnen darf. Bussler sagt: "Ich denke, ich bin auf einem ganz guten Weg." Zudem hat der Senior der Mannschaft die Angriffe der jüngeren Konkurrenten aus dem eigenen Lager einmal mehr erfolgreich abgewehrt. Stefan Baumeister war zweitbester deutscher Starter, die Qualifikationsnorm aber hat er bislang nicht erfüllt. Für Bussler hat daher auch der deutsche Titel einen gewissen Wert: "Ich habe mich als Ältester im Team wieder bewiesen", auch wenn er gar nicht genau weiß, die wievielte Meisterschaft es war: "Ich glaube, die siebte."

Im Bokwang Phoenix Park in Pyeongchang wird der Aschheimer seine vierten olympischen Wettkämpfe erleben, Ziele will er noch keine nennen: "Natürlich wünsche ich mir eine Medaille, aber das ist jetzt noch weit weg." Erst gilt es an diesem Samstag den Parallel-Slalom in Cortina d'Ampezzo zu bestreiten, was Bussler schon deutlich entspannter angeht. Das Ticket nach Südkorea wollte er unbedingt vor Weihnachten buchen, nun "kann ich mich voll auf die Rennen konzentrieren". Der Saisonstart mit drei Rennen innerhalb von drei Tagen sei zudem "sehr anstrengend", danach können die Athleten ein paar Tage durchatmen und in Ruhe Weihnachten feiern.

Der nächste Weltcup im österreichischen Lackenhof ist auf den 5. Januar terminiert, überstrahlt wird dies alles natürlich vom 22. Februar: dem Tag der Wettbewerbe in Südkorea. Vor vier Jahren in Sotschi schrammte Bussler als Vierter denkbar knapp an einer Medaille vorbei, jetzt freut er sich auf Südkorea: "Dort ist die Strecke ziemlich steil."