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Schießsport:Letzte Chance für Olympia

Olympia fest im Visier: Der Lengdorfer Luftgewehrschütze Maximilian Dallinger.

(Foto: Claus Schunk)

Nach einem ungewöhnlichen Jahr kämpfen Sportler immer noch um ihr Ticket nach Tokio. Auch zwei Schützen aus der Region wollen nach Japan - sofern die Sommerspiele denn stattfinden.

Von Fabian Dilger, München

Es ist eine Qualifikation auf der letzten Rille: Schon zweimal ist die Schießsport-Europameisterschaft verschoben worden, erzählt Michael Heise. Zuerst von Dezember auf Januar, dann von Januar auf Ende Mai oder Anfang Juni. Weiter nach hinten geht aber eigentlich nicht mehr: Die EM im kroatischen Osijek ist für Michael Heise und Maximilian Dallinger schließlich die Gelegenheit, sich noch einen Startplatz für die Olympischen Spiele in Tokio zu sichern. Heise will für die HSG München zu den Spielen, seine Disziplin ist die Zehn-Meter-Distanz mit der Luftpistole. Dallingers Heimatverein ist die SG Isental Lengdorf im Landkreis Freising, in der Luftgewehr-Bundesliga schießt er für die Sportschützen Niederlauterbach.

Am 23. Juli soll Olympia in Japans Hauptstadt starten. Wenn die Sommerspiele denn stattfinden. Denn das ist noch immer keineswegs hundertprozentig abgesichert, in Umfragen spricht sich zum Beispiel rund die Hälfte der Japaner dagegen aus - und die Skepsis steigt. Derzeitiger Stand ist aber: Olympia findet statt, in einer Blase unter strengen Auflagen und mit täglichen Tests.

Für Michael Heise und Maximilian Dallinger wären es jeweils die ersten Olympischen Spiele

"Bei mir ist das stressfrei", sagt Dallinger zur gegenwärtigen Unsicherheit, "wenn es funktioniert, dann freu ich mich." Die Olympia-Verschiebung von 2020 auf 2021 war für den 24-Jährigen prinzipiell sogar von Vorteil. "Letztes Jahr war meine persönliche Form nicht dementsprechend, daher ist mir das Jahr eigentlich sehr zugutegekommen", sagt er. Für Dallinger und Heise ist die Ungewissheit, ob - und wenn ja: wie - die Spiele stattfinden, derzeit kein großer Faktor: Sie müssen so trainieren und sich vorbereiten, als würde Olympia stattfinden. Und für beide wären es die ersten Spiele. "Trainingstechnisch stehen wir alle voll im Saft. Planungstechnisch gehen wir davon aus, dass Olympia stattfindet", sagt der 29-jährige Heise. Beide Schützen können ihren Alltag derzeit komplett auf das Training ausrichten: Heise studiert gerade in der Sportfördergruppe der Bundeswehr, Dallinger ist dank der Spitzensportförderung bei der Landespolizei Bayern freigestellt für den Sport, seinen nächsten Dienst in der Polizeiinspektion hat er erst wieder im Oktober.

Vormittag Training, Mittagspause, Nachmittag Training, dann ein Sportblock: Ein ganz normaler Tag im Leben des Luftpistolenschützen Michael Heise.

(Foto: Claus Schunk)

Für Heise sieht ein normaler Tag in der Olympia-Schießanlage in Garching-Hochbrück so aus: Vormittagsschießeinheit, Mittagspause, Nachmittagsschießeinheit, hinterher noch ein Sport-Block. Als Spitzensportler dürfen die Schützen in Garching trainieren, natürlich mit Hygienekonzept. Neben dem alltäglichen Training finden dort regelmäßig Lehrgänge mit der deutschen Nationalmannschaft statt. Was trotzdem fehlt: Der Vergleich mit der internationalen Konkurrenz. "Das ist halt schade, man kommt gar nicht in den Wettkampfmodus", sagt Heise. Seit dem ersten Lockdown hat er keinen internationalen Wettkampf mehr bestritten.

Seit dem ersten Lockdown gab es keinen Wettkampf mehr - und nun geht es gleich zur Europameisterschaft

Die Europameisterschaft vom 23. Mai bis 6. Juni ist der Wiedereinstieg ins sportliche Geschäft. Und dabei müssen Dallinger und Heise gleich liefern. Sie sind nicht die einzigen Deutschen, die in ihren Disziplinen schießen. Aber in beiden Disziplinen gibt es für den Deutschen Schützen-Bund nur noch jeweils einen Tokio-Startplatz. Das heißt: Derjenige Deutsche, der gut genug abschneidet, bekommt ihn . Welche Platzierung am Ende reicht, ist schwer zu sagen. "Wir wissen nicht, welche Sportler bei den anderen Nationen dabei sind", sagt Dallinger. Sind viele Schützen dabei, die ihr Olympia-Ticket schon sicher haben, oder kommt eine Mannschaft, die ebenso Tokio-Startplätze anvisiert? "Das ist so ein bisschen ein Pokerspiel. Ich denke mal, es wird eine gute Mischung sein. Weil viele heiß auf Wettkämpfe sind", sagt Heise. Aber nach ihren Schätzungen sollte man mindestens ins Finale der letzten Acht kommen.

Klappt es mit der Reise nach Tokio, dann müssten Dallinger und Heise auf alle Fälle auf deutsche Anfeuerungen verzichten. Ausländer dürfen für Olympia nicht in Japan einreisen, das wurde schon im März entschieden. Für Heise keine große Belastung: "Ich kann es mit WM und EM vergleichen: Die meisten Zuschauer sieht man bei der Eröffnungsfeier. Direkt am Schießstand ist man ja eher weit weg von den Zuschauern. Ich sehe das Thema neutral." Eine andere Stimmung als üblich erwartet Dallinger in jedem Fall: "Mannschaften durchmischen oder in einem anderen Haus vorbeischauen, das wird es eher nicht geben." Um die eigene Gesundheit sorgen sich die beiden eher nicht. Heise sagt: "Ich vertraue auf das Management, dass es so organisiert wird, dass keine große Gruppe zusammenkommt."

© SZ/toe
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