Schießen Zukunft im Visier

Hier sollen spätere Olympiateilnehmer trainieren: 1,3 Millionen Euro hat sich der Bund seinen neuen Schießstand kosten lassen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Während der Bund München in eine neue Anlage investiert, zieht sich die HSG aus der Bundesliga zurück.

Es war immer feucht, im Winter wurde der Abzugsfinger schnell klamm, die Heizung fiel ständig aus. "Die Mischung war einfach furchtbar", erinnert sich Simon Muschiol, Sportleiter der Schützengesellschaft Der Bund München, an die marode Bausubstanz des alten Schießstandes in Allach. Mehr als 20 Jahre musste der dreimalige deutsche Mannschaftsmeister im Luftgewehr mit dieser provisorischen Lösung leben. Kaum zu glauben, wenn man bedenkt, dass der Verein Heimat von Schützen wie Olympiasiegerin Barbara Engleder und Armbrust-Weltmeister Norbert Ettner ist.

Große Enttäuschung: Der neue Schießstand der HSG genügt nicht den Anforderungen des Verbands

1,3 Millionen Euro hat der Bund in den Neubau einer Schießhalle und die Modernisierung der Kleinkaliberanlage gesteckt, entstanden ist ein Schießstand mit 20 hochmodernen Luftdruck- und 16 Armbrustständen - auch dank viel Eigenregie. Während in Allach in die Zukunft investiert wird, verabschiedet sich einer der wohlhabendsten deutschen Schützenvereine aus dem Spitzensport: Bereits zu Beginn der vergangenen Erstligasaison kündigte die Münchner Hauptschützengesellschaft (HSG) an, sowohl das Luftgewehr- als auch das Luftpistolen-Team zurückzuziehen. Der Verein hatte viel Geld investiert, um die Bundesliga in den eigenen Hallen veranstalten zu können. Umso größer war die Enttäuschung, dass nun auch dieser neue Stand nicht mehr den Anforderungen des Deutschen Schützenbundes genüge, wie die HSG in einer offiziellen Stellungnahme zum Bundesliga-Abschied mitteilt.

"Als großer Verein mit vielen finanziellen Ressourcen und Mitgliedern hat man Verantwortung gegenüber dem Sport, nicht nur der Tradition", findet dagegen der Sportleiter vom Bund München, Simon Muschiol, vor allem deshalb versuche man in Allach wieder beides zusammenzuführen, denn "das eine geht nicht ohne das andere". Gerade sportlich lief es für seinen Verein in der vergangenen Bundesligasaison nicht rund. Selbst Olympiasiegerin Barbara Engleder konnte nur Schadensbegrenzung betreiben, lediglich mit zwei Siegpunkten Vorsprung retteten die Schützen aus Allach am Ende den Klassenerhalt. Sogar Absteiger Waldkraiburg erzielte im direkten Vergleich mehr Einzelpunkte. Ein Ergebnis, mit dem man zuvor nicht gerechnet hatte, denn der Bund verfehlte bisher nur dreimal in der 20-jährigen Ligageschichte das Finale der besten acht Mannschaften Deutschlands und hat in Engleder zudem eine erfahrene Olympiasiegerin als Punktegarant.

Da schnitt die HSG im Duell der Münchner Schützengiganten wesentlich besser ab, denn das Team rund um Olympiateilnehmerin Selina Gschwandtner zog souverän in ihre bislang letzte Finalrunde ein. "Abschreiben darf man die HSG nie", erklärt Muschiol, man werde die Münchner Derbys in der Bundesliga aber künftig vermissen, gehörten sie doch immer zu den Höhepunkten des Schützenjahres.

Klar ist, dass der Bund in der vergangenen Saison mit einem blauen Auge davon gekommen ist. Schützenmeister Manfred Moser blickt dennoch positiv in die Zukunft: "Wir wollen wieder zur Anlaufstelle Nummer eins für Schützen in und um München werden und dem olympischen Sport bei uns ein Zuhause geben." Zu lesen auf der Bund-Homepage, wo unter einem Bild des neuen Schießstands "Willkommen in der Zukunft" steht. Eine Zukunft, in der die neue Trainingsstätte zugleich zum Signal in Richtung Bundesliga wird.

Denn nicht nur diese ist neu, gleich vier Schützen werden den Bund verstärken, die allesamt vom Absteiger Waldkraiburg nach München wechseln. "Uns geht es bei der Auswahl unserer Schützen nicht ausschließlich um die Leistung, sondern auch um die menschliche Komponente", erklärt Bundesliga-Trainer Norbert Ettner, "man muss als Team gut harmonieren, um Höchstleistungen zu vollbringen." Mehr Konkurrenz im eigenen Team, die Mischung aus Erfahrung und Unbekümmertheit sowie gemeinsame Bundesliga-Trainings in der neuen Halle sollen in der kommenden Saison den Bund wieder dorthin bringen, wo er nach seinem Verständnis hingehört: in die Finalrunde der besten Vereine Deutschlands.