Schießen Zittern im Arm

"Der Bund" geht als Favorit ins Münchner Luftgewehr-Stadtderby gegen die HSG

Von Julian Ignatowitsch

Das Münchner Derby in der Luftgewehr-Bundesliga hat den Arm so manches Schützen schon zittern lassen. "In der Vergangenheit waren das oft sehr nervöse Wettkämpfe, mit nicht immer den besten Schussergebnissen", sagt Simon Muschiol, Teammanager von "der Bund" München, über die direkten Duelle mit dem Stadtrivalen HSG, denn: "Es geht noch um etwas mehr als sonst." Besonders schlimm war es vor zwei Jahren, als alle drei topgesetzten Schützen seines Teams schwächelten, erinnert sich Muschiol, darunter die junge Ungarin Kata Veres.

Sie ist auch am Samstag im Team, wenn es in Petersaurach erneut zum Aufeinandertreffen der Traditionsteams kommt. Höchstwahrscheinlich steht Veres diesmal aber nicht am Schießstand. Stattdessen soll der amerikanische Zugang Matthew Emmons seinen Einstand für den Münchner Bund geben. Weil bei jedem Wettkampf pro Team nur ein Ausländer auf den fünf Startplätzen eingesetzt werden darf, kann entweder Emmons oder Veres schießen - nicht beide. Und auch wenn die Ungarin in dieser Saison bislang gute Leistungen zeigt, der US-Amerikaner hat in seiner sportlichen Karriere eben doch schon mehr erlebt und somit das Erfahrungsplus auf seiner Seite. Emmons ist dreifacher Medaillengewinner bei Olympischen Spielen, 2004 in Athen holte er mit dem Kleinkaliber-Gewehr sogar Gold. Da überrascht es nicht, dass er angesichts des Lokalderbys relativ gelassen bleibt: "Ich weiß natürlich, dass es um die Ehre geht, wer das beste Team in München ist", sagt er. "Aber nervös bin ich nicht. Höchstens freudig aufgeregt, dass ich wieder in der Bundesliga ran darf." Mit Plattling war Emmons 2007 schon Meister, zuletzt schoss er für Coburg. Jetzt steht er gemeinsam mit seiner Ehefrau Katerina, die ebenfalls Goldmedaillengewinnerin und sportlich fast noch erfolgreicher ist, im Aufgebot des Bund.

Matthew Emmons gewann in London im Dreistellungswettkampf mit dem Kleinkalibergewehr olympisches Bronze, jetzt soll er für den Bund debütieren.

(Foto: Imago)

Schützin Barbara Engleder, die mit beiden befreundet ist, hat den Kontakt zum Verein hergestellt. Da Katerina am Wochenende auf einem internationalen Turnier schießt, reist Matthew alleine von Pilsen nach Petersaurach. Wenn die Münchner die ersten Vier und damit die Endrunde erreichen, sollen beide gemeinsam zum Finale nach Rottenburg kommen.

"Das ist das Minimalziel", sagt Muschiol, der um die Favoritenrolle seines Teams weiß. "So klar wie diesmal war die Rollenverteilung selten", sagt er, "aber wir werden die HSG nicht unterschätzen." Engleder, Emmons, Silvia Rachl, Michaela Walo - der Bund geht in Bestbesetzung ins Derby. In den vergangenen zwei Jahren hatte die HSG dem Bund mit zwei Meistertiteln in Serie gewissermaßen schon den Rang abgelaufen. Aber vor dieser Saison brach die Mannschaft des Konkurrenten nach den Querelen um Altmeisterin Sonja Pfeilschifter auseinander und ist jetzt zu dünn besetzt. Die HSG war schon froh, dass aufgrund der Aufstockung der Liga kein Team absteigt. Dementsprechend schlecht verlief der Start für die Münchner, immerhin das jüngste Schießen wurde gewonnen.

Der Bund will die Gelegenheit nutzen, um sich wieder als Nummer eins in der Landeshauptstadt zu etablieren. Doch die Tabelle in der Bundesliga stellt sich nach drei absolvierten Schießen immer noch sehr eng dar. Der Bund ist nur Fünfter, immerhin punktgleich mit dem Zweiten. Sogar die HSG hat noch Chancen auf den Einzug in die Endrunde. "Wir brauchen jetzt zwei Siege", sagt Muschiol. "Die Anspannung im Stadtduell ist für alle noch etwas größer, aber wir haben den stärkeren Kader und viele erfahrene Schützen." Dass der Arm von Matthew Emmons wackelt, kann sich Muschiol beim besten Willen nicht vorstellen.