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Rollstuhl-Basketball:Larifari statt klarer Ansagen

"Es ging eher darum, ob wir sogar noch länger aussetzen": Münchens langjähriger Spieler Gabriel Robl

(Foto: Claus Schunk)

Die München Iguanas pausieren im November - und schimpfen auf den Verband.

Von Thomas Jensen

Zwei Spieltage hätten die Rollstuhlbasketballer der RBB München Iguanas in dieser Bundesligasaison schon haben sollen. Beide Spiele fielen aus, und nachdem der Amateursport für den November verboten wurde, haben die Iguanas ihre Partien für den gesamten Monat abgesagt - aus Eigenschutz, obwohl ihre Liga als Profiliga gilt. Die Entscheidung, nicht zu spielen, sei trotzdem alternativlos gewesen, wie der neue Trainer Sebastian Magenheim ausführt: "Wir sehen uns zwar auf jeden Fall als Leistungssportler, aber nicht als Profisportler. Wir können nicht Homeoffice vom Arbeitgeber beantragen und dann am Wochenende quer durch die Republik fahren."

Trotz des sportlichen Ehrgeizes sei dieser Entschluss leichtgefallen, betont Gabriel Robl, langjähriger Spieler der Leguane. Nach der Bekanntgabe des neuerlichen Lockdowns hat die Mannschaft noch eine Videokonferenz abgehalten, erzählt der 25-Jährige: "Ob wir im November spielen, wurde eigentlich gar nicht groß besprochen. Es ging eher darum, ob wir sogar noch länger aussetzen."

Auch die Baskets Hamburg und der BBC Münsterland nehmen im November nicht am Spielbetrieb teil. Die übrigen sieben Vereine der Bundesliga haben sich jedoch anders entschlossen. Robl äußert dafür Verständnis: "Es ist schon so, dass manche Vereine, wie etwa die Thuringia Bulls, näher am Profisport dran sind." Die Iguanas dagegen sind ein Klub, der komplett auf ehrenamtlicher Basis funktioniert. Trainer Sebastian Magenheim sagt: "Die anderen Teams sind finanziell anders aufgestellt, haben eben auch laufende Kosten und Verpflichtungen. Aber es kommt einem ein bisschen so vor, als ob sich manche am Fußball orientieren und da muss man schon schmunzeln."

Ziemlich ernst wendet sich Magenheim in eine andere Richtung: "Wir sind ein bisschen enttäuscht vom Verband, weil es in dieser ganzen Zeit immer nur Empfehlungen gab, aber nie klare Richtlinien." Gemeint ist der Deutsche Rollstuhl-Sportverband, der für den Spielbetrieb seines Fachbereichs Rollstuhlbasketball zuständig ist. Ganz ähnlicher Ansicht wie die Münchner ist ihr Ligakonkurrent Münsterland. Auf der Facebook-Seite des Aufsteigers aus Warendorf steht: "Wir hätten uns erhofft, dass uns der Verband diesen schweren Schritt abnimmt und mehr Klarheit schafft. Aber dem ist leider nicht so. Zumindest noch nicht. Darum mussten wir jetzt eigenhändig entscheiden."

Ligaweit fanden bisher nur vier der zehn geplanten Spiele statt. Sieben weitere kämen im November hinzu - wenn nicht noch mehr Spiele ausfallen als jene der drei genannten Teams. Einige Spiele sind schon terminiert, die meisten nicht. Den November über will die Liga damit noch warten, sagt Hans-Jürgen Bäumer, der Vorsitzende der Verbandskommission für den Spielbetrieb. Anschließend hätte man einen besseren Überblick. Dass aktuell drei der zehn Erstligisten nicht spielen, findet Bäumer nicht dramatisch - und weist die Kritik zurück: "Uns war klar, dass es dazu kommen kann, und wir haben den Vereinen immer gesagt, dass es in Ordnung ist, wenn jemand für sich die Notbremse zieht. Außerdem war die Entscheidung, den Spielbetrieb durchzuziehen, eine Mehrheitsentscheidung der Vereine, die im Wissen um die möglichen Konsequenzen getroffen wurde." Auch die vielen Verschiebungen sieht Bäumer entspannt, einen Terminstress fürchtet er noch nicht: "Wir haben bis Ende März die Möglichkeit, Spiele nachzuholen. Das geht diese Saison auch besser, da die europäischen Wettbewerbe vermutlich wegfallen. Außerdem ist das Saisonende zum 31. Mai nicht in Stein gemeißelt, das könnte man auch noch nach hinten verschieben."

Am 21. März 2021 würde die Hauptrunde enden, anschließend stünden die Playoffs um die Meisterschaft an. Sollte sich die reguläre Saison länger ziehen, müsste das Playoff-Programm angepasst werden. Absteiger wird es in dieser ungewöhnlichen Spielzeit ohnehin nicht geben, das war schon im Voraus klar. Es sei eine "komische" Saison, sagt Gabriel Robl: "In der Vorbereitung war es schon ein Hin und Her. Zwar ist man im Training voll dabei, aber irgendwie fehlt der Spannungsaufbau, auch weil es keine Testspiele gab. Mit der Pause jetzt ist das alles so larifari." Zumindest die Trainingspause ist inzwischen vorbei. Am Dienstag haben die Iguanas die Erlaubnis der Stadt bekommen, wieder in der Halle zu trainieren.

© SZ vom 12.11.2020

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