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Reitsport:Vier Sterne für München

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"Wir haben wirklich viel Spaß zusammen": Matthias Bouten über den 13-jährigen Meggle's Boston.

(Foto: Sven Simon/imago images)

Die Munich Indoors haben sich ein Upgrade verpasst. Das Pferdesportfest lockt damit mehr internationale Starter in die Olympiahalle als in den Vorjahren.

Der Sand liegt schon bereit. Ebenmäßig erstreckt er sich über den Boden der Olympiahalle, nur hier und da stören Reifenspuren. Über den Sitzplätzen weisen Banner großformatig auf Sponsoren hin, ein leerer Pferdehänger wird auch schon durch den Eingangsbereich gezogen. Ansonsten lässt sich kaum erahnen, dass in wenigen Stunden Pferdegeruch, Schnauben und Hufgeklapper die Olympiahalle durchdringen werden. Dann nämlich beginnt das freie Training der Munich Indoors, bevor die Veranstaltung an diesem Donnerstag mit einer Springprüfung startet.

Das Eröffnungsspringen - in dem nicht nur die abgeworfenen Stangen, sondern auch der Stil zählt - ist eine der wenigen nationalen Prüfungen auf den Munich Indoors. Die meisten finden mit internationaler Beteiligung statt. Veranstalter Volker Wulff freut sich auf die Weitgereisten. "In diesem Jahr starten besonders viele internationale Topreiter bei den Munich Indoors. Das zeigt, dass unser Konzept aufgeht." Denn es hat sich einiges getan, die Munich Indoors haben sich ein Upgrade verpasst. Vier Sterne trägt die Großveranstaltung nun, im vergangenen Jahr waren es noch drei. Das hat auch das Teilnehmerfeld aufgewertet, beschreibt die Anzahl der Sterne doch nicht nur die Anforderungen, denen sich Pferd und Reiter stellen müssen, sondern auch die Höhe des Preisgelds. Knapp 400 000 Euro schütten die Veranstalter in diesem Jahr aus. Ein fünfter Stern sei langfristig das Ziel, sagt Wulff. "Dafür müssten wir aber noch ein paar weitere Sponsoren heranziehen."

So fest die Munich Indoors auch in der deutschen Turnierlandschaft verankert sind: Ein fünfter Stern könnte dem Turnier noch mehr Bedeutung verleihen. Denn die Anzahl der hoch dotierten Turniere ist groß und die Zeit der Spitzenreiter knapp. Leichter Konkurrenzdruck herrscht unter den Ausrichtern also schon. Auch Wulff sagt: "Man muss die Reiter heutzutage ein kleines bisschen überzeugen, zur eigenen Veranstaltung zu kommen." Das sei in München aber kein Problem. "Wir haben die Olympiahalle und ein starkes Publikum mit einer Spitzenstimmung. Wir werden in den kommenden Tagen tollen Sport sehen." Neben internationalen Spitzen-Springen und den Grand-Prix-Prüfungen freue er sich besonders auf das Finale des Bayernchampionats, das die Munich Indoors erstmals wieder ausrichten.

Die einzigartige Stimmung ist auch für Matthias Bouten das, was die Munich Indoors ausmacht. 2015 gewann der Dressurreiter die Kür in München, im vergangenen Jahr wurde er Zweiter. Auch in diesem Jahr freut er sich auf die Kür. "Die Halle hat ein ganz besonders Flair, sie ist riesengroß, gut besucht, die Stimmung ist geladen. Da einzureiten, ist einzigartig. Auch wenn das manche Pferde anders sehen."

Um die Nerven seines Pferdes Meggle's Boston sorgt sich Bouten derweil kaum. "Boston ist spitze drauf. Ich würde fast sagen, er ist in der Form seines Lebens. Wir haben wirklich viel Spaß zusammen." Mit dem 13-jährigen Hengst konnte Bouten, der seit anderthalb Jahren als Bereiter im Dressurstall Meggle bei Wasserburg arbeitet, vor zwei Wochen in Oldenburg eine persönliche Bestleistung erreiten. In München will er es trotzdem ruhig angehen. "Ich versuche, mir keinen Druck zu machen. Natürlich will man sich als Sportler weiter entwickeln und neue Ziele erreichen. Aber Fakt ist auch: Man startet bei jedem Turnier wieder ganz von vorne."

Die gute Beziehung zum Pferd dürfte Bouten helfen, und zwar in einer Dressurreihe, die in ihrer Form wohl einzigartig ist und deren Gesamtsieger - der Champion of Honour - in München gekürt wird. Bewertet werden in der Serie nicht nur reiterliche Leistungen, sondern auch, wie harmonisch das Miteinander abläuft. Neben den Richtern, denen Bouten sich im Viereck stellen muss, bewertet ihn ein Gremium beim Abreiten oder auf dem Weg zur Halle. Das sieht der Dressurreiter gelassen. "Leichtigkeit und Fairness sind ja Dinge, die wir immer anstreben. Umso schöner, dass es hier bewertet wird." Auch wenn die Leistung, die Bouten und Boston auf dem Sand zeigen, immer noch am meisten zählt.