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Reitsport:Bayerische Erfolge in Riem

MÜNCHEN - Pferd Internatiional Springen 2021, MÜNCHEN - Pferd Internatiional Springen 2021 BACHL Tobias (GER), Cicera de

Comeback nach Covid: Tobias Bachl verpasste am Sonntag den Sieg, konnte aber mehr als zufrieden sein.

(Foto: Stefan Lafrentz/imago)

Simone Blum gewinnt bei der Pferd International den Großen Preis, Tobias Bachl freut sich über die Genesung und den bisher größten Coup v Cicera de la Vayrie.

Von Sabine Neumann

Schöner hätte der Große Preis der Pferd International am Sonntag für Simone Blum nicht enden können. Mit DSP Cool Hill blieb die Weltmeisterin als einzige fehlerfrei unter 50 Sekunden und gewann. Es war ein stilistisch feiner Ritt, der bei aller Schnelligkeit kontrolliert und mühelos wirkte. Eine technisch schwierige "Spitzkehre" auf den letzten Sprung brachte das Paar an die Spitze. Für den Sieg gab es ein Preisgeld von 8750 Euro und 20 Punkte in der Wertung der Riders Tour. Damit liegt Blum im aktuellen Ranking auf dem dritten Platz. Maximilian Schmid und sein auf diesem Niveau noch wenig erfahrener, zehnjähriger Guardiola-N wurden Zweite. Der Züchtersohn aus Utting am Ammersee ist zur Halbzeit der Riders Tour Sechster im Ranking. Einen Sprung vom neunten auf den zweiten Platz hinter dem Führenden Patrick Stühlmeyer machte Frederic Tillmann. Der Reiter aus Grevenbroich kam mit dem 13-jährigen By Balou auf den dritten Platz im Großen Preis.

Sven Fehnl (Sulzbach-Rosenberg) mit Ventago und Denis Nielsen (Gut Daxau/Isen) mit Jamela bewältigten den von Olaf Herrmann und seinem Team anspruchsvoll gebauten Grundparcours ebenfalls fehlerfrei und kamen nach dem zweiten Umlauf auf die Plätze sechs und zwölf. Als letzter Starter hätte Tobias Bachl (Postmünster/Landkreis Rottal-Inn) Blum noch den Sieg entreißen können. Durch einen Fehler am letzten Sprung fiel das Paar auf Platz neun. "Ich hab's heute verbockt", haderte der Sieger der Qualifikationsprüfung vom Vortag mit sich selbst.

Dennoch kann Bachl mehr als zufrieden sein. "Nach allem was passiert ist, hätte ich nicht damit gerechnet, dass Cicera de la Vayrie schon wieder so zurück ist", sagte der frühere Nationenpreisreiter. Der 49-Jährige hatte selbst längere Zeit an einer "nicht ganz leichten" Covid-Infektion laboriert. Danach musste Cicera de la Vayrie B wegen einer lebensbedrohlichen Kolik operiert werden. Erst am vorigen Wochenende hatte Bachl die 13-jährige Schimmelstute nach langer Pause wieder auf einem nationalen Turnier in Wiener Neustadt/Österreich vorgestellt.

Bachl hat zu diesem Pferd eine besondere Beziehung. Nach der verheerenden Brandkatastrophe auf der gleichnamigen Hengststation im August 2013, bei der mehr als 30 wertvolle Zucht- und Turnierpferde starben und ein großer Teil des Jahrhunderte alten Hofs zerstört wurde, stand der renommierte Familienbetrieb vor dem Aus. In dieser Situation erhielt Bachl unerwartete Unterstützung von Schauspieler Heino Ferch und seiner Frau Marie-Jeanette, beide begeisterte Reiter und Freunde der Familie. Gemeinsam kaufte man in Frankreich ein vielversprechendes Nachwuchspferd, Cicera de la Vayrie B. Der Sieg in der Riders Tour-Qualifikation ist der bisher größte Erfolg für Bachl und die Schimmelstute.

Auch der zweite Platz ging nach Bayern. Max Weishaupt und der 15-jährige Nexus lagen lange Zeit mit 43,55 Sekunden in Führung, bis das Siegerpaar einen noch kürzeren Weg fand und in 42,27 Sekunden über die Ziellinie preschte. "Ich reite Nexus seit drei Jahren. Wir haben uns langsam zusammengefummelt", erzählte Weishaupt. Der 31-Jährige ist wie sein Vater, der bayerische Landesjugendtrainer Josef Weishaupt, Berufsreiter und arbeitet im elterlichen Zucht- und Ausbildungsstall in Jettingen. Bruder Philipp Weishaupt, angestellt im Stall Beerbaum, wurde zweimal Deutscher Meister und gewann u.a. 2016 mit Convall den Großen Preis von Aachen.

Mit Wolfgang Puschak (RV Augsburg-West) und Number One als Viertem und dem für Neuseeland reitenden, aber bei Friedberg stationierten Richard Gardner mit Calisto als Siebtem waren zwei weitere bayerische Reiter in der Hauptprüfung am Samstagnachmittag unter den ersten Zehn. Simone Blum und ihr erst achtjähriges Nachwuchspferd Cecile legten gleich als erstes Starterpaar in der Prüfung eine souveräne Nullrunde vor und wurden nach dem Stechen Fünfte. "Cecile hat die Qualifikation für die Wertungsprüfung zur Riders Tour geholt. Jetzt bekommt sie eine Pause", sagte die Weltmeisterin. Mit ihrem Sieg im Großen Preis von München im Rücken wird Blum am kommenden Wochenende mit DSP Cool Hill bei den Deutschen Meisterschaften in Balve antreten.

Erstmals fand die Pferd International in drei aufeinander folgenden Wochen und getrennt nach Disziplinen statt. Die Veranstalter freuten sich über viel Lob von Aktiven und Sponsoren, insbesondere für den gepflegten Platz und die sehr guten sportlichen Bedingungen. Ob das größte süddeutsche Freilandturnier auch im kommenden Jahr wieder eine Etappe der Riders Tour wird, ist noch offen. "Wir würden uns sehr freuen, wollen aber nicht drängen", sagte Turnierchef Jürgen Blum.

© SZ/lein
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