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Poolbillard:Las Vegas, London, Dachau

Gestatten: Ouschan, Albin Ouschan. Dort, wo einst James Bond residierte, gelang dem Österreicher sein bisher größter Erfolg.

(Foto: Jørgensen)

Albin Ouschan ist einer der besten Spieler auf der Welt. 2015 hat er zwei der bedeutendsten Turniere gewonnen. Nun will der Österreicher mit dem BSV Dachau endlich deutscher Meister werden

Von Patrick Dirrigl, Dachau

Die Kreuzung zwischen dem Las Vegas Boulevard und der Tropicana Avenue ist der Ort mit der größten Dichte an Hotelzimmern - weltweit, nicht nur in Las Vegas. Genau hier liegt das Hotel und Casino "Tropicana". Im Jahr 1967 feierten im hauseigenen Theater die beiden Deutschen Siegfried und Roy ihre Showpremiere in der "Stadt der Sünde". Im Film "Diamantenfieber" von 1971 residierte Sean Connery alias James Bond in einem der knapp 1500 Zimmer.

Albin Ouschan weilte vergangenen Dezember im Tropenhotel. Allerdings war der Österreicher weder in geheimer Mission noch mit weißen Tigern im Gepäck unterwegs. Der 25-Jährige, der für den BSV Dachau in der Poolbillard-Bundesliga spielt, gab sein Debüt beim Mosconi Cup, dem "Ryder-Cup des Billard", wie er ihn selber nennt: Wie beim Golf messen sich in diesem Wettbewerb die besten Billardspieler Europas mit den stärksten Pool-Profis aus Amerika.

Bei der 22. Auflage des Mosconi Cups triumphierte das Team Europa zum sechsten Mal in Serie - zehn Siege gehen nun insgesamt auf das Konto des Abendlandes. Ausgerechnet Ouschan war es vorbehalten, im "Rookie-Duell" mit Skyler Woodward, den finalen Stoß zum 11:7-Erfolg zu setzen. "Vor dem letzten Ball dachte ich mir: Bitte, mach ihn einfach rein", sagte Ouschan den Verantwortlichen des Veranstalters Matchroom Pool direkt nach seinem Triumph. Auf der Homepage des Billard-Promoters prangt bis heute ein Jubelbild der europäischen Mannschaft, auf dem Ouschan von den Kollegen auf Händen getragen wird.

"2015 war ein tolles Jahr für mich", sagt Ouschan. Fast eine Untertreibung. Neben dem Triumph beim wohl prestigeträchtigsten Turnier gewann der 25-Jährige im Juli, "überraschend", wie er sagt, die China Open und hievte sich so an die Spitze der Weltrangliste der World Pool-Billiard Association (WPA). Neben dem Open-Sieg war der zweite Platz bei der Weltmeisterschaft im 9-Ball mit Österreich 2014 - zusammen mit seinem Landsmann und Dachauer Teamkollegen Mario He - ursächlich für die Topplatzierung. Aktuell ist der Kärntner die Nummer drei der Welt.

Doch wieso hat es den Ausnahmespieler zum BSV Dachau verschlagen? Ein Grund dafür ist wohl Andreas Huber, der Vorsitzende des BSV. "Als ehemaliger Bundestrainer habe ich ein großes Netzwerk. Das hilft natürlich, wenn du so renommierte Spieler, wie wir sie im Team haben, bekommen willst", sagt Huber. Die zahlreichen Fans sowie die stimmungsvollen Derbys mit Fürstenfeldbruck seien laut Huber "Grund und Anreiz für diese Top-Spieler, nach Dachau zu kommen".

Neben seinen internationalen Erfolgen sicherte sich Ouschan mit dem PBC Eintracht Klagenfurt, seiner Heimatstadt, sowie dem PBC Linz zahlreiche österreichische Einzel- und Mannschaftsmeisterschaften. Dann wurde es ihm in der Heimat schlichtweg zu fad. "Ich hatte es satt, in Österreich zu spielen. Das Niveau in der österreichischen Bundesliga ist nicht so hoch wie hier in Deutschland." Und am höchsten sei das Niveau nun mal beim Dachauer BSV. "Für einen anderen Verein als Dachau möchte ich in Deutschland gar nicht spielen. Dachau ist zufällig auch noch Partnerstadt meiner Heimat Klagenfurt", fügt Ouschan schmunzelnd hinzu.

Trotz seiner zahlreichen Turniere auf der Billardtour ("Ich bin pro Jahr ungefähr 200 bis 250 Tage unterwegs") versucht Ouschan an allen Wettkampf-Wochenenden der Bundesliga teilzunehmen. So auch an den vergangenen beiden Spieltagen, den Derbys um den "Spiel der Spiele"-Wanderpokal gegen den BSV Fürstenfeldbruck. "Diese Spiele gegen Fürstenfeldbruck sind die schönsten in der ganzen Bundesliga. Jeder ist bei diesem Derby angespannter als bei normalen Spielen." Selbst die Nummer drei der WPA-Rangliste: "Zwei von drei Spielen konnte ich immerhin gewinnen."

Ouschan, dessen Schwester Jasmin ebenfalls als Profi auf der Billardtour spielt und vergangenes Jahr Dritte bei der Wahl zur Sportlerin des Jahres in Österreich wurde, hat dieses Jahr viel vor mit seinem BSV. "Ich bin jetzt in meiner dritten Saison bei Dachau, die ersten beiden Jahre bin ich hier Zweiter geworden. Dieses Jahr wollen wir uns den Titel holen."

Es sieht gut aus: Vor dem nächsten Punktspiel bei Fortuna Straubing (20. Februar) steht Dachau (21 Punkte) vier Zähler vor dem BC Oberhausen an der Tabellenspitze, Straubing (11) rangiert auf dem fünften Platz. Mit einer Siegquote von knapp 86 Prozent, Ouschan hat bislang sechs seiner sieben Saisonspiele gewonnen, hat der Österreicher großen Anteil am bisher so starken Abschneiden des BSV. Hält er sich zudem weiterhin auf seinem formidablen Weltranglistenplatz, wird wohl auch im Dezember 2016 eine Einladung zum Mosconi Cup für den 25-Jährigen folgen.

Dann findet der Kontinentalvergleich allerdings nicht in Las Vegas, der Heimat von Siegfried und Roy, statt: Schauplatz der 23. Auflage wird der Alexandra Palace in London sein, der Geburtsstadt von Bond-Schöpfer Ian Fleming.

© SZ vom 28.01.2016
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