Playoff-Start im Basketball "Wir werden Meister gegen Berlin - sagt mein Herz"

Interview mit Bernd Rauch, dem Ehrenvizepräsidenten des FC Bayern.

Von Ralf Tögel

Wenn Bernd Rauch erzählt, sollte man die Ohren spitzen, er weiß viel zu erzählen. Seit vier Jahrzehnten ist er Mitglied des FC Bayern München, er ist Ehrenvizepräsident, wurde für seine Verdienste als Sportfunktionär mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Bayerischen Verdienstorden geehrt. Und er hat viel erlebt, speziell beim FC Bayern, wo der 76-Jährige maßgeblich das Basketball-Projekt entwickelt hat. Für die SZ blickt er noch einmal zurück zum Anfang - und in die Zukunft.

SZ: Uli Hoeneß erzählt gerne die Geschichte, dass Sie ihn so lange bearbeitet haben, bis er einer Profi-Basketballabteilung zustimmte.

Bernd Rauch: Vor der Mitgliederversammlung 2009, als er zum ersten Mal als Präsident kandidierte, hatte ich mit Uli Hoeneß ein Abstimmungsgespräch geführt und ihm meine Überlegung für die Entwicklung des Basketballs dargelegt. Er sagte damals: 'Wenn wir es machen, dann machen wir es richtig'. Damit hatte ich die Sicherheit, dass die notwendige Unterstützung vorhanden war. Das war wie ein Befreiungsschlag.

Von Samstag an spielt der FCB um die Titelverteidigung der deutschen Meisterschaft, hat in der Euroleague so viele Spiele gewonnen wie nie eine deutsche Mannschaft zuvor. Sie müssen stolz sein.

Viele haben einen entscheidenden Anteil an der erfolgreichen Entwicklung gehabt. Die Mitglieder des Vereins mit einer großen Zustimmung für das Basketball-Projekt im Mai 2010, die kostenfreie Übergabe der Lizenz für die ProA oder Nationaltrainer Dirk Bauermann, der fünf Nationalspieler ins Zweitligateam mitbrachte. Eine mit 12 200 Zuschauern ausverkaufte Olympiahalle im Zweitligaspitzenspiel gegen Würzburg, die Einstellung von Marko Pesic, der bis heute ein Faktor des Erfolgs geblieben ist. Und natürlich die Identifikation des Präsidenten mit dem Basketballsport. Aber ja, wir alle können sehr zufrieden sein mit dieser Entwicklung.

Vor neun Jahren ging es so richtig los ...

Ich kann mich noch gut erinnern, nicht selten haben die Mitarbeiter in der Geschäftsstelle übernachtet, um die ganze Arbeit überhaupt bewältigen zu können.

Ein steiniger Weg also?

Kann man sagen. Vor allem der Beginn von 2002 bis 2009 war sehr problematisch. Die Unsicherheit war groß, ob es gelingen würde, neben dem Fußball eine zweite Spitzensportart zu etablieren.

Es ist ja dann ganz passabel gelaufen, aber es hat sicher auch schwere Momente gegeben?

Natürlich, die Entlassung von Bauermann hat wehgetan. Mit ihm hatten wir den sofortigen Aufstieg in die BBL geschafft und er hatte große Erfahrung im Umgang mit den Medien. Im Rückblick war es aber die richtige Entscheidung.

Warum?

Wir waren mit der Vorbereitung nicht zufrieden, der Trainingszyklus war unserer Meinung nach auch nicht ausreichend, die Mannschaft war nicht fit. Das führte zu fachlichen Auseinandersetzungen. Deshalb haben wir uns von ihm getrennt.

2014 wurde der FCB unter Svetislav Pesic zum ersten Mal deutscher Meister in der Basketball-Bundesliga, fiel danach aber wieder klar hinter Bamberg zurück, das dann dreimal in Folge unangefochten Meister wurde. Was lief falsch?

Die Zielsetzung, der Glaube, die Harmonie und nicht zuletzt die Unterstützung fehlten.

Etwas konkreter bitte.

Als Uli Hoeneß das Präsidentenamt wieder übernahm (er verbüßte von Juni 2014 bis Februar 2016 eine Haftstrafe, d. Red.), waren die Probleme erledigt. Vorher hatte im Präsidium die Motivation für Basketball nachgelassen, es war wie ein Fremdkörper im Verein. Die Zielsetzung hatte sich verändert und der Glaube an das Projekt nachgelassen (in Hoeneß' Abwesenheit war Rudi Schels als Vizepräsident für die Basketballer zuständig, d. Red. ).

Sie haben immer für eine große Halle plädiert, 2021 wird sie fertig sein. Ist der Klub bereit?

Dies wird die nächste große Herausforderung. Die Kontinuität des sportlichen Erfolges vor allem im internationalen Bereich ist Voraussetzung.

Gegen Braunschweig werden keine 10 000 Zuschauer kommen.

Von großer Bedeutung wird für den Basketball sein, dass auch in der neuen Halle eine besondere Atmosphäre sichergestellt ist. Die Themen wie Komfort, VIP-Bereiche, Anfahrt, Parken und dergleichen sind einfacher zu lösen.

Es gab schon viele Versuche, Profisport neben dem Fußball in München zu etablieren, nichts war nachhaltig. Warum soll es mit Basketball klappen?

Hinter der Zielsetzung steht der größte Verein der Welt mit fast 300 000 Mitgliedern. Der Basketball ist in München angekommen und lebt.

Am Samstag beginnen die Playoffs, Viertelfinale gegen Braunschweig, klingt nach klarem 3:0. Was denken Sie?

Alle freuen sich auf die Playoffs. Die Motivation ist riesig und wir kommen weiter.

Und wer kann Ihrer Meinung nach dieser Mannschaft in einer Best-of-five-Serie überhaupt gefährlich werden?

Starke Teams sind Oldenburg, Bamberg und Alba Berlin.

Nationalspieler Johannes Voigtmann sagte kürzlich, die aktuelle Bayern-Mannschaft sei die beste, die es jemals in Deutschland gegeben hat. Was denken Sie?

Unser Team ist auf jeden Fall erstklassig besetzt.

Besser als die Bamberger Meisterteams mit Spielern wie Melli, Miller, Wanamaker, Causeur, Theis oder Strelnieks, die alle mittlerweile entweder in der NBA oder bei europäischen Topklubs spielen?

Das wird sich zeigen. Mehr kann man zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

Vor ein paar Jahren wurde jeder belächelt, der sagte, dass die deutsche Liga mal zu den besten des Kontinents gehören wird. Sie waren einer davon. Was sagen Sie den Kritikern jetzt?

Der Basketball hat auch dank uns in Deutschland eine gute Entwicklung genommen, das ist sicher.

Die BBL ist von Jahr zu Jahr besser geworden. Wo kann das noch hinführen?

Um die BBL weiter zu verbessern, wird es erforderlich sein, die Liga auf 16 Mannschaften zu verkleinern, um bessere Voraussetzungen im internationalen Bereich zu schaffen. Dann kann die deutsche Liga zu den Spitzenvereinen in Europa aufschließen. So wird die Liga auch für internationale Topspieler interessant.

Spieler wie Malcolm Delayne, Tyrese Rice, Jared Cunningham und nun Derrick Williams - in München waren schon immer spektakuläre Spieler unter Vertrag. Ist das die Zukunft, um den Sport in Deutschland weiter voranzubringen?

Natürlich ist es richtig und wichtig, spektakuläre Spieler, wie es bei den deutschen Spitzenteams auch geschieht, unter Vertrag zu nehmen. Wichtig ist aber auch, in Nachwuchsarbeit zu investieren. Der FCBB hat hierbei eine Vorbildfunktion in Deutschland übernommen. Dieses Engagement muss unbedingt weitergeführt werden.

Sie sind nach wie vor bei fast jedem Heimspiel in der Halle, Sie sind Ehrenvizepräsident des FC Bayern, gelten als Vater des Bayern-Basketballs. Sind Sie noch involviert?

Ich bin immer noch mit dem Herzen nah dran. Wenn ich von jemandem in der Führung gefragt werde, werde ich immer eine Antwort und einen Rat geben, bezogen auf meine Erfahrung und die Liebe zum Projekt. Weil ich mich dem Verein und besonders dem Basketball verantwortlich fühle.

Wo sehen Sie den Münchner Basketball in zehn Jahren?

Das hängt davon ab, ob der Stellenwert der Sparte auch in Zukunft so bleibt, dass qualifizierte und hoch motivierte Leute daran arbeiten. Dann werden wir wie im Fußball in Europa eine führende Rolle spielen.

Abschließend ein Tipp von einem Kenner: Wer wird deutscher Meister nach einem Finalsieg gegen wen?

Wir werden im Endspiel gegen Alba Berlin Meister - sagt mein Herz.