Pferdesport in München-Riem:Gelb-grüner Glanz und rote Lackschuhe

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Pferdesport in München-Riem: Die Sonne brennt auf 16.500 Zuschauer nieder – und beleuchtet einen begeisternden Endspurt von Iquitos.

Die Sonne brennt auf 16.500 Zuschauer nieder – und beleuchtet einen begeisternden Endspurt von Iquitos.

(Foto: Lajos-Eric-Balogh)

Im Rennen um den großen Dallmayr-Preis biegt Iquitos, Galopper des Jahres 2016, als Vorletzter in den Schlussbogen. Kurz vor dem Ziel hat er drei Längen Vorsprung

Von Raphael Weiss

Iquitos, der Galopper des Jahres 2016, ist Vorletzter, als er in den Schlussbogen der Riemer Rennbahn einbiegt. Fast das gesamte Feld hat er noch vor sich. Nach der letzten Kurve bleiben ihm 500 Meter, um nach ganz vorne zu galoppieren. Eine dürftige Ausgangsposition. Doch kaum reißt das Feld auf, damit die Pferde die ganze Bahn für den Schlussspurt nutzen können, beginnt Jockey Daniele Porcu seinen Hengst anzutreiben. Sein grünes Dress mit gelbem Kreis, in dem das große M für seinen Rennstall "Mulligan" prangt, glänzt in der Sonne, während er Meter für Meter auf den führenden Best Solution gut macht - und an ihm vorbei prescht. "Es war ein unglaubliches Gefühl, als ich auf der Zielgeraden war. Die Leute haben geschrien, und dann habe ich gemerkt, dass ich plötzlich drei Längen vorne bin", erzählt Porcu schwitzend nach seinem Sieg.

Kaum hat der sizilianische Jockey mit Iquitos die Ziellinie überquert, bahnen sich die beiden Rennstallbesitzer mit gelb-grünen Krawatten, den Farben ihres Stalls, Umarmungen und Handschläge entgegennehmend den Weg zu Pferd und Reiter. Das Duo hat für sie soeben den großen Dallmayr-Preis und 100 000 Euro gewonnen.

Nur langsam schiebt sich die Menschenmasse nach dem Rennen von der Tribüne zur Siegerehrung. Möglichst im Schatten, denn die Sonne brennt an diesem Sonntag mit voller Kraft auf die Zuschauer. 16 500 sind zur Riemer Galopprennbahn gekommen, um eins der prestigeträchtigsten Rennen im Kalender anzusehen. Für Kinder gibt es Pony-Reiten, Trampolinspringen, Ballonkünstler, für Eltern Champagner, ein Hutverkauf (falls jemandem zum perfekten Outfit noch die traditionell auffällige Kopfbedeckung fehlt), oder eine Wettschule, in der erklärt wird, wie man sein Geld vielleicht doch nicht verschleudert.

Nicht für jedermann die passende Anleitung. Auf dem Weg zum zweiten der neun Rennen erklärt ein älterer Herr seinem Freund, wie man am besten wettet. Mit roten Lackschuhen und einem weit geöffneten Hemd, das sein weißes Brusthaar und eine dicke goldene Kette akzentuiert, redet er wild gestikulierend von Quoten und seinem Geheimfavoriten Beau Bergerac.

Beau Bergerac wird im zweiten Rennen Neunter. Sieger ist auch hier ein italienischer Jockey: Michael Cadeddu, in seiner Heimat ein bekannter Telenovela-Darsteller. Nach dem Rennen reitet er auf Alounak aus dem Münchner Rennstall Darius Racing am Spalier der Zuschauer vorbei und wedelt neckisch mit seiner Peitsche. Stefan Oschmann, der Besitzer, zeigt sich mit seinem Pferd zufrieden: "Er ist ein super Rennen gelaufen, so ein Heimrennen zu gewinnen, ist etwas ganz Besonderes." Nächstes Ziel ist das Zukunftsrennen in Baden-Baden. Auch die Siege im siebten, achten und neunten Rennen gehen an Münchner.

Fußballfunktionär Klaus Allofs ist ebenfalls gekommen. Im Hauptrennen gilt sein Pferd Potemkin als Mitfavorit. Vor dem Start erklärt der 60-Jährige, dass der Pferdesport ein Ausgleich zum stressigen Fußballgeschäft sei. Nach Entspannung klingt es dann allerdings nicht, als er sagt: "Der Puls ist hoch. Wir sind mit Potemkin durch Tiefen und Höhen gegangen, da fieber ich schon mit." Es reichte am Ende für einen dritten Platz und 15 000 Euro.

Hans-Jürgen Gröschel, der Trainer von Iquitos, sagt nach der Siegerehrung, dass er mit einem Sieg gar nicht gerechnet habe: "Es war als Aufbaurennen für den großen Preis von Baden-Baden gedacht." Nach einer schweren Augenerkrankung sei das Tier jetzt wieder im Kommen. "Das Pferd hat so viel durchgemacht. Wenn es sauberer wäre, würde es bei mir zu Hause wohnen", versichert Gröschel.

Auch Jockey Daniele Porcu hat nur Lob für sein Pferd übrig. Es sei das beste, das er jemals geritten habe, "ein ganz außergewöhnliches Pferd". Seinen Sieg kann er am Sonntag allerdings nicht feiern: "Ich muss morgen arbeiten", erklärt der Italiener. In Köln muss er dann sechs Rennen reiten.

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