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Pferdesport:Häppchen auf Vier-Sterne-Niveau

Die Aufwertung der Munich Indoors lockt Branchengrößen wie Olympiasieger Ludger Beerbaum in die Olympiahalle. Allmählich stößt die viertägige Veranstaltung in der Landeshauptstadt aber an ihre Kapazitätsgrenzen

Volker Wulff freut sich gleich aus mehreren Gründen auf das Wochenende. Einer davon ist das Wetter: Es wird kalt, vielleicht regnet es ein bisschen, vielleicht schneit es ein bisschen. Die Sonne wird ihr Gesicht auf jeden Fall eher selten präsentieren. "Richtiges Schietwetter, wie man im Norden sagt", bemerkt Wulff mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Der Veranstaltungsleiter der Munich Indoors gehört wohl zu einer kleinen Minderheit, die sich an der schlechten Wettervorhersage für das Wochenende erfreuen kann. Der Grund liegt in den Erfahrungen aus dem Vorjahr. 2015 erlebte Süddeutschland einen goldenen November mit Rekordtemperaturen, die alle Münchner an die frische Luft statt in die Olympiahalle zu den Munich Indoors lockten. "Dieses Jahr wird die Halle etwas voller werden, der Vorverkauf verlief positiv", freut sich Wulff. Bei der 19. Ausgabe der viertägigen Pferdesportveranstaltung rechnet er von Donnerstag an mit ungefähr 30 000 Besuchern.

Besonders stolz ist der aus Norddeutschland stammende Organisationschef auf das Teilnehmerfeld. Aus insgesamt 27 Nationen reisen 160 Reiter mit mehr als 420 Pferden in die Landeshauptstadt. Darunter sind Sportler aus Brasilien, Kolumbien, USA oder Kanada. "Das ist toll. Das zeigt, welche Anziehungskraft die Munich Indoors ausstrahlen", sagt Wulff. Erstmals finden in diesem Jahr die internationalen Springprüfungen auf Vier-Sterne-Niveau statt. In der Vergangenheit waren sie nur mit drei Sternen ausgeschrieben. Damit wird der Kurs zwar für Pferd und Reiter etwas schwieriger, doch es winkt auch mehr Preisgeld. Ein guter Anreiz, um in München zu starten, findet Wulff. Das Upgrade von drei auf vier Sterne lockt nun auch die Größen des Pferdesports wie Ludger Beerbaum in die Olympiahalle. "Beerbaum versprach mir vor einigen Jahren: Wenn die Munich Indoors vier Sterne haben, dann komme ich auch", erzählt Wulff. Nun löst der viermalige Olympiasieger sein Versprechen ein.

Ludger BEERBAUM GER auf Casello Reiten Teamspringen Springen Equestrian Jumping Team Deodoro Olym; Pferdesport

Versprochen ist versprochen: Olympiasieger Ludger Beerbaum (hier auf Casello bei den Spielen in Rio) tritt in diesem Jahr erstmals in München an.

(Foto: Sven Simon/Imago)

Neben Beerbaum und weiteren Branchengrößen wie Marcus Ehning, Janne Friederike Meyer oder Dorothee Schneider präsentieren sich in der Olympiahalle auch Nachwuchsreiter und Sportler aus Ländern, die man im ersten Moment nicht mit Pferdesport in Verbindung bringt. Emile Karim Fares ist so einer. Der 47-Jährige kommt aus dem Libanon. "Dort ist der Sport noch nicht so breit aufgestellt", erklärt Wulff. Dank einer Wildcard der Fédération Équestre Internationale (FEI), dem internationalen Dachverband des Pferdesports, kann Fares in München antreten, um sich mit europäischen Reitern zu messen und die besondere Atmosphäre in der Olympiahalle zu erleben. Auch Puerto Rico und die Bermudas sind in der Landeshauptstadt vertreten. "Wir haben ein sehr buntes, interessantes und qualitativ hochwertiges Starterfeld", sagt Wulff. Schon in den vergangenen Jahren reisten Sportler aus mehr als 20 Nationen an. So viele wie 2016 "sind hier in München aber schon eher die Seltenheit".

Der Trend wird in Zukunft allerdings nur schwer fortzuführen sein. Nicht etwa aufgrund mangelnden Interesses, vielmehr ist laut Wulff langsam, aber sicher die Kapazitätsgrenze erreicht. "Vom zeitlichen Rahmen und auch von den Platzbedingungen her können wir nicht mehr viele Reiter dazu nehmen", erklärt der 59-Jährige. Dabei breitet sich der Pferdesport gerade in Asien immer weiter aus. In den kommenden Jahren könnten vielversprechende Reiter aus Fernost mit ihren Pferden auf den europäischen Turnieren ihr Glück versuchen. Bei den Munich Indoors wird es dann eng. Andererseits verbessert sich so das sportliche Produkt, das Wulff seinen Besuchern bieten möchte.

900 000 Kilo Sand, 530000 Euro Preisgeld, 423 Pferde, 160 Reiter aus 27 Nationen | Vier Tage Pferdesport in der Olympiahalle: Die wichtigsten Zahlen und Termine zu den 19. Munich Indoors

Zum 19. Mal finden in der Münchner Olympiahalle die Munich Indoors statt. Von Donnerstag bis Sonntag geht es für 160 Reiter aus 27 Nationen und ihre 423 Pferde in 25 Dressur- und Springprüfungen auf 900 Tonnen Sand um insgesamt 530 000 Euro Preisgeld. Angekündigt haben sich unter anderem der mehrmalige Olympiasieger Ludger Beerbaum, der irische Springstar Bertram Allen, die deutsche Dressur-Meisterin und Mannschafts-Olympiasiegerin Dorothee Schneider, die Nachwuchshoffnungen Hendrik Lochthowe und Victoria Michalke sowie der Führende der Riders Tour, Marcus Ehning. Der 42-Jährige hat gute Chancen, sich am Sonntag (13.45 Uhr) beim Großen Preis, der letzten Etappe der Riders Tour, den Titel als "Rider of the Year" zu sichern. Als seine ärgsten Konkurrenten gehen André Thieme und Philip Rüping in die mit 90 000 Euro dotierte Springprüfung. Ebenfalls am Sonntag (11.40 Uhr) findet das Finale des Animo Youngster Cups statt, eine Serie für sieben- und achtjährige Pferde - auch hier ist Ehning Führender. Zum Beginn der viertägigen Veranstaltung am Donnerstag steht das Finale des Eggersmann Junior Cups an (20.20 Uhr), bei dem die besten U21-Reiter Bayerns antreten. Am Freitagabend folgt der traditionelle Speed-Cup (22.10 Uhr), am Samstag geht es für die Springreiter im Gold-Cup (21.20 Uhr) um die Baker Tilly Roelfs Trophy.

Auch die Dressurreiter starten an allen vier Tagen in der Olympiahalle. Nach den Qualifikationsprüfungen am Donnerstag und Freitag wartet am Samstag die Grand Prix Kür (19.20 Uhr) und am Sonntag der Grand Prix Special (9.40 Uhr). Beides sind Prüfungen auf Vier-Sterne-Niveau. Abseits der sportlichen Höhepunkte unterhalten mehrere Showgruppen das Publikum in der Olympiahalle. pja

Generell arbeiten die Veranstalter daran, das Unterhaltungsniveau der Munich Indoors so hoch wie möglich zu halten. Das ist nicht immer einfach, gerade in der Dressur. "Da schaut jeder seine drei oder vier Reiter und geht dann wieder", erklärt Wulff. Um das Interesse der Zuschauer aufrecht zu erhalten, sollen in den Dressurprüfungen künftig höchstens acht Paare an den Start gehen. Kleine, dafür qualitativ hochwertige und vor allem spannende Häppchen wünscht sich Wulff, die dem Besucher schmackhaft präsentiert werden. Oder wie Wulff es ausdrückt: "Man muss das Essen auf den Tisch stellen und nicht warten, bis es abgeholt wird."

Selbst aktiv werden ist für die Veranstalter der Munich Indoors also der Schlüssel. Das hat beim Dressurreiten geklappt - schon im letzten Jahr wurden die kürzeren Prüfungen gut angenommen - und auch beim Springreiten fand sowohl für die Reiter als auch für die Besucher eine Aufwertung statt. Kein Wunder, dass sich Volker Wulff also auf den sportlichen Höhepunkt in der Olympiahalle freut - und über das schlechte Wetter natürlich.