Pferdesport Auf dem Sprung

Lawrence Greene hat in diesem Jahr zum ersten Mal das Bayern-Championat gewonnen. Bei den Munich Indoors muss er der Weltelite den Vortritt lassen

Von Philipp Jakob

Nur noch ein letztes Hindernis liegt zwischen Arrivederci und einer Portion Hafer. Ein letztes Mal muss der Hengst die Stangen in 1,45 Meter Höhe überspringen. Lawrence Greene sitzt angespannt und fokussiert im Sattel. Er forciert das Tempo, Arrivederci stößt sich kraftvoll von den Hinterbeinen ab und - geschafft!

Als Greene und sein Pferd fehlerfrei den Parcours der Zwei-Phasen-Springprüfung hinter sich haben, wird es zum ersten Mal so richtig laut in der Olympiahalle. Keiner erhält an diesem Freitagabend so viel Applaus wie das Paar aus München. "Die Munich Indoors sind für mich immer ein Highlight", sagt Greene über sein Heimturnier. Der 27-Jährige ist in Dachau aufgewachsen. Er ist ein waschechter Bayer, auch wenn es sein Name nicht vermuten lässt. Ähnliches gilt übrigens für Arrivederci, den 15 Jahre alten bayrischen Staatshengst. "Wir sind also ein rein bayrisches Paar", erklärt Greene die Begeisterung auf der Tribüne.

Am Ende reicht seine Vorstellung für den elften Platz im Preis von J.J. Darboven. "Das lief super, ich bin sehr zufrieden", sagt Greene. Generell ist er mit seinen Auftritten bei der viertägigen Pferdesportveranstaltung in der Landeshauptstadt ganz glücklich. Am Samstag landete er im Gold Cup mit DSP Askoto auf einem für ihn starken neunten Rang. Nach einem fehlerfreien Ritt - und unter dem großen Jubel der Zuschauer - verließ ihn im Stechen allerdings das Glück. Der zehnjährige Wallach verweigerte gleich am ersten Hindernis, Greene schied aus. Bei den Munich Indoors konnte er also nicht ganz an den Erfolg von vor knapp zwei Wochen in Nürnberg anknüpfen. Damals gewann er erstmals in seiner Karriere das Bayernchampionat. "Dort messen sich die besten Reiter Bayerns. Das war schon richtig gut", erzählt Greene mit einem Lächeln. An den besten Moment in seiner Karriere reicht das allerdings nicht ganz heran. Vor gut einem Jahr gewann er mit der deutschen Mannschaft den Nationenpreis in Bratislava. Der Höhepunkt seiner Karriere, wie Greene selbst sagt. "Dann kommt das Bayernchampionat."

Marcus Ehning, (r.), "Rider of the Year", bespritzt den Zweiten Philip Rüping mit Champagner. Für die Abreise aus München hat er nun ein paar PS mehr.

(Foto: Sven Simon/Imago)

Angefangen hat für ihn alles mit der Leidenschaft seiner Mutter. Über die begeisterte Amateurreiterin bekam er Zugang zum Pferdestall, landete eines Tages auf dem Rücken eines Ponys und fand Gefallen am Reiten. Als ein neues Pony in den Stall kam, lief es nicht mehr so gut. "Mit dem hatte ich kein Glück", erzählt der Dachauer. "Das hat mich immer runtergeworfen." Greene legte eine Pause von der Reiterei ein. Erst nach langer Zeit traute er sich wieder auf ein Pferd. Doch dann hatte er "richtig Spaß". Mit der Ausbildung zum Profireiter machte Greene sein Hobby zum Beruf. Im August 2015 eröffnete er gemeinsam mit seiner Mutter eine eigene Reitanlage in Ampermoching im Landkreis Dachau. "Viele haben mir gesagt: ,Nee, bau keinen Stall. Da hast du nur Ärger, Ärger, Ärger'." Greene baute trotzdem und bereut nichts: "Es ist viel Arbeit, aber ich habe auf jeden Fall richtig Spaß."

In dem Pensions- und Ausbildungsbetrieb ist Platz für 42 Pferde, einige davon trainiert Greene. "Was mich so unheimlich fasziniert, ist die Ausbildung der jungen Pferde, zu sehen, wie sie wachsen, und ihr Potenzial zu fördern - und wenn man mit ihnen dann auch Erfolg hat." Damit meint er unter anderem den Gewinn des Bayernchampionats mit Arrivederci, den Greene ebenfalls schon seit Jahren selbst trainiert. Und viele weitere Erfolge sollen noch folgen. Greenes Traum ist es, in die Weltspitze des Springreitens vorzustoßen. "Mal ist man ein Stück näher dran, mal wieder ein Stück weiter Weg", beschreibt er den schwierigen Weg nach oben. Ein Erfolg wie der in Nürnberg gebe aber natürlich Rückenwind. Den kann er gut gebrauchen, wenn er sich wie in München mit der internationalen Springreiterelite messen möchte. "Dieses Jahr ist hier ein sehr gutes Starterfeld um Marcus Ehning und Ludger Beerbaum dabei", sagte Greene. Das sei auch dem Parcoursbauer bewusst, der diesen entsprechend anspruchsvoll gestalte. "Man muss sein Pferd sehr gut kennen, man muss wissen, wie es reagiert. Nur dann ist es möglich, fehlerfrei durchzukommen." Greene gelang das an diesem Wochenende mehrmals, die Stars der Szene um Olympiasieger Beerbaum und Ehning gaben sich aber keine Blöße. Letzterer avancierte am Wochenende zum Gewinner der Munich Indoors, der von den insgesamt 30 000 Zuschauern nach jedem seiner zahlreichen Siege frenetisch gefeiert wurde. In gleich drei Serien holte sich der 42-Jährige den Gesamtsieg, der bedeutendste war der Gewinn der Riders Tour. Nach zuvor fünf zweiten Plätzen bei einem der bedeutendsten Spring-Wettbewerbe Deutschlands darf sich Ehning nun endlich Rider of the Year nennen - und dafür mit einem neuen Maserati nach Hause fahren. "Wir haben tollen Sport gesehen, und auch die Stimmung war toll", sagte Veranstaltungschef Volker Wulff.

Lawrence Greene ist mit seinen Auftritten bei den Munich Indoors "sehr zufrieden".

(Foto: imago/Stefan Lafrentz)

Auf Lawrence Greene wartete kein Luxussportwagen. Mit der Elite konnte er bei den Munich Indoors 2016 noch nicht mithalten. Doch er ist zuversichtlich, dass "diese Leute" in Zukunft ärgern kann. Das Münchner Publikum würde ihm zujubeln.