Basketball Basketballerischer Crashkurs in Europa

Derrick Williams beim "Spin-Move": Gleich hat er sich am Bonner James Webb vorbeigedreht.

(Foto: Frank Hörmann/Imago)
  • Basketballer Derrick Willliams hat 2017 mit den Cleveland Cavaliers das NBA-Finale erreicht.
  • Nun spielt der Amerikaner in der Basketball-Bundesliga für den FC Bayern und sagt: "Das Niveau des europäischen Basketballs ist sehr hoch und passt sich immer mehr dem amerikanischen an."
Von Matthias Schmid

Gießen ist für einen Amerikaner sprachlich ein ziemliches Ungetüm. Deshalb war es auch nicht despektierlich gemeint, dass Derrick Williams bei seiner Analyse am Sonntagabend der Name des Gegners nicht einmal über die Lippen kam. Für Williams, geboren und aufgewachsen in Kalifornien, ist gerade vieles Neuland, seit er Ende September aus den Staaten nach München übergesiedelt ist. Vor allem mit den Namen der Konkurrenten fremdelt er noch, wie er nach dem 94:79-Sieg über die Gießen 46ers einräumte. "Ehrlich gesagt habe ich bisher kein Team gekannt, gegen das wir gespielt haben", sagte Williams also.

Mit dem neunten Sieg im neunten Spiel baute der FC Bayern seinen Startrekord in der Basketball-Bundesliga (BBL) dennoch weiter aus. Die erfreuliche Bilanz hat auch viel mit Williams, 27, zu tun, der im exklusiv besetzten Kader einer der auffälligsten Profis ist. Der Flügelspieler, der in der amerikanischen Profiliga NBA in 428 Spielen im Schnitt 8,9 Punkte sammelte, wurde in München als die Attraktion präsentiert, als ein athletischer Spieler, der viele Facetten mitbringt.

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Williams, 2,03 Meter groß, kann nicht nur hoch und extravagant springen und den Korb in Hochgeschwindigkeit attackieren, er vermag auch aus der Distanz sehr ordentlich zu werfen. Nach knapp zwei Monaten dürfen die Münchner Macher um Cheftrainer Dejan Radonjic zufrieden konstatieren: Williams hat die Erwartungen erfüllt - mindestens. Er hat sich nicht nur zum besten Werfer des FC Bayern in der BBL (13,4 Punkte im Schnitt) und in der Euroleague (12,0) aufgeschwungen. Williams bringt noch ein weiteres spektakuläres Merkmal mit: Er ist enorm beweglich, vor allem mit seinem schnellen ersten Schritt verzückt er die Fans und stellt seine Gegenspieler vor Rätsel.

Seine Lieblingsbewegung ist dabei der sogenannte Spin-Move. "An dem arbeite ich schon seit vielen, vielen Jahren", bestätigt Williams und erzählt lächelnd eine Anekdote. Vor ein paar Tagen erst hatte er mit seinem früheren Jugendtrainer darüber gesprochen, mit dem er das Täuschungsmanöver einst einstudierte, er, der Jugendtrainer, lobte ihn seinerzeit für seine Courage, es auch im Spiel zu probieren. Und der Trick geht so: Mit vollem Tempo dribbelt Williams auf den Gegenspieler zu, er prellt dabei den Ball mit der rechten Hand, bevor sein Gegenspieler eingreifen kann, dreht er sich blitzschnell und geschmeidig um die eigene Achse nach rechts, um sich dann in einer fließenden Bewegung mit dem Ball, nun mit der linken Hand führend, an dem verdutzten Rivalen vorbeizuschieben, den er wie eine fest verankerte Säule stehen lässt.

Zuletzt in der Euroleague auf Gran Canaria zeigte Williams diese Bewegung fast in Perfektion, die er am liebsten per Dunk abschließt. "Es ist immer schön, wenn man sieht, dass man im Spiel so einen Move umsetzen kann, den man so lange geübt hat", sagt Williams.