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Munich Mash:Wenn Freunde im Park feiern

88 000 Zuschauer bestaunen im Olympiapark fliegende BMX-Fahrer, die weltbesten Wakeboarder und eine Weltneuheit im Skateboard - so viele wie noch nie.

Von Ralf Tögel

Zion Wright war nicht mehr zu halten. Wie ein Irrwisch raste der 19-Jährige aus Palm Beach vor Freude über die Rampe auf dem Olympiasee, klatschte die Konkurrenten ab und jubelte ausgelassen - über den Sieg des Konkurrenten. Gerade hatte sein amerikanischer Landsmann Jake Ilardi im letzten Lauf den Sieg an sich gerissen, für Wright kein Grund zum Trübsal. Ein bemerkenswertes Bild, wo sich nur ein paar Stündchen später im 2300 Kilometer Luftlinie entfernten Sotschi deutsche und schwedische Fußballer an den Kragen gehen wollten.

Ein Bild, das beispielhaft für Munich Mash stehen kann, der zum einen knallharter Wettkampf ist, zum anderen nicht zuletzt dank der Szene eine Art freundschaftliches Happening der Weltbesten, die der Actionsport zu bieten hat. Was im Übrigen auch für die Kulisse galt, denn die insgesamt 88 000 Zuschauer, die in den Münchner Olympiapark strömten, vollendeten das Bild dieses wunderbaren Extremsportfestivals. In Zeiten wie diesen ist es keine Selbstverständlichkeit, dass sich Menschen jeglicher Couleur zu einem Fest treffen und gemeinsam friedlich feiern, ohne Ressentiments oder Vorbehalte.

Genau das aber war der Fall an diesen drei Wochenendtagen, Familien vergnügten sich neben Hardcore-Actionssportfans, Jung feierte mit Alt - es war ein buntes und ansteckendes Miteinander. Ob im Culture Village, beim Streetstyle und Dance im Theatron am See, bei den Live-Konzerten der insgesamt 16 Bands, einem der zahllosen Mitmach-Angebote auf dem Gelände oder schlicht beim Relaxen in der Chill-out-Area, Munich Mash präsentierte sich einmal mehr als das stimmige und gelungene Actionssport-Festival, das seine bunten Bilder in die Welt hinausträgt. "Das war der schönste und beste Mash, den wir je hatten. Mit optimalen Bedingungen, das Wetter hat uns drei Tage lang unterstützt", fiel das Resümee von Marion Schöne aus. Die Geschäftsführerin der Olympiapark München GmbH (OMG) gab gleichzeitig eine Zusage: "Das neue Set-up im See wurde super angenommen, alle hatten gute Sicht. Das wollen wir nächstes Jahr beibehalten."

Erstmals waren Frauen am Start, sehr zur Freude von OMG-Chefin Schöne - das soll so weitergehen

Im Fokus indes stand der Sport, auch hier ist Mash einer der größten und am besten besetzten Wettbewerbe des Erdballs. Zum einen sollen die weltbesten Athleten in die Landeshauptstadt gelockt, zum anderen den Zuschauern immer neue Wettbewerbe präsentiert werden. In diesem Jahr gelang dies vor allem mit dem Roller Coaster der Skateboarder, einer Weltneuheit, nie zuvor gab es eine so fordernde Strecke. Der Schweizer Oli Bürgin, seit 30 Jahren Skater und zweimaliger Europameister, designte "eine spannende Mischung aus Street und Bowl, mit ein paar Anleihen an die Megaramp" in den Park. In atemberaubender Geschwindigkeit stürzten sich die 18 Teilnehmer auf die knapp 400 Meter lange Strecke, die mit einem Sprung über den Wassergraben auf einer Rampe im See endete. Die Athleten hatten dabei an den vielen Hindernissen reichlich Gelegenheit, um Kreativität und Akrobatik auf höchstem Niveau zu vereinen, was Jake Ilardi wie nach Drehbuch erst im letzten Lauf am besten gelang. Schöne sagte nach der Siegerehrung noch, sie gehe davon aus, den zusammen mit dem Red-Bull-Konzern entwickelten Rollercoaster auch 2019 und 2020 im Programm zu haben. Auch von der Stadt, die Mash mit 100 000 Euro bezuschusst, habe es Signale gegeben, das Engagement über 2019 hinaus zu verlängern.

Nach dem ersten Durchgang der zehn Finalisten, in der Qualifikation waren die beiden deutschen Starter Lenni Jansen und Tyler Edtmayer gescheitert, führte der Amerikaner Alex Sorgente, dem der einzige sturzfreie Run gelungen war. Dass es wenige Fahrer schafften, von oben bis unten auf dem Brett zu bleiben, war Beleg für die enorm anspruchsvolle Herausforderung. Die Athleten mussten schon nach dem Prinzip "Alles oder Nichts" fahren, um eine Siegchance zu haben, was im zweiten Lauf einigen besser gelang. Neu war zudem, dass erstmals Frauen an den Start gingen, die Amerikanerin Fabiana Delfino hatte es sogar ins Finale geschafft und viele männliche Kollegen hinter sich gelassen. Sehr zur Freude von Gastgeberin Marion Schöne, die OMG-Chefin will den Mash zukünftig weiblicher machen: "Mir ist es ein Anliegen zu zeigen, dass es auch viele, viele Mädchen gibt, die Actionsport betreiben. Und das sehr gut." Delfino gelang das prächtig, für den Sieg kam sie aber nicht in Frage.

Den trug Ilardi vor dem Spanier Danny Leon und Curren Caples davon. Aber das war letztendlich sowieso von untergeordneter Bedeutung.

© SZ vom 25.06.2018
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