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Formel-3:"Wenn du als Mädchen keine Frau als Vorbild hast, ist es schwer"

Strahlte mit den Siegern: Rennfahrerin Sophia Flörsch aus Grünwald war eine der prominenten Patinnen für die Preisträger der SZ Talentiade.

(Foto: Stephan Rumpf)

Nach einem Unfall sitzt die Formel-3-Pilotin Sophia Flörsch wieder im Tourenwagen. Ein Gespräch über Leidenschaft und ihre Position in einer Männerwelt.

SZ: Frau Flörsch, Sie bewegen sich wieder, als sei nichts gewesen - dabei hatten Sie im November beim Formel-3-Rennen in Macau einen schrecklichen Unfall und mussten 13 Stunden an ihren gebrochenen Hals- und Brustwirbeln operiert werden. Wie war es, im März bei Testfahrten wieder ins Auto zurückzukehren?

Sophia Flörsch: Es hat sich angefühlt, als würde ich wieder nach Hause kommen. Ich war super glücklich. Und ich glaube, ich habe damit auch vielen bewiesen, dass ich wirklich über den Unfall hinweg bin - körperlich und mental. Dass ich von Anfang an offen und oft über Macau geredet habe, hat geholfen, alles zu verarbeiten und auch für andere nachvollziehbar gemacht, was passiert ist. Ich hoffe, dass ich dieses Jahr wieder die Chance bekomme, in Macau zu fahren. Das wäre mein Traum...

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...wieder an den Ort zurück zu kehren, an dem Sie mit 270 Stundenkilometern abgehoben und in ein Podest geflogen sind...

Ja. Ich schaue mir manchmal ein Youtube-Video von Macau an, weil es mich daran erinnert, wie toll die Stimmung war. Das war eine super Atmosphäre - bis zu dem Unfall hat diese Woche so viel Spaß gemacht.

Sie wollten im Rahmen des Deutschen Tourenwagen-Masters (DTM) wie 2018 bei der Formel-3-Serie Formula European Masters starten. Die wurde kurzfristig aus Mangel an Fahrern abgesagt.

Damit hat keiner gerechnet. Das ging alles sehr schnell und wir mussten eine Entscheidung treffen, wie es weitergeht. Ich wollte bei meinem Team Van Amersfoort Racing bleiben und so haben wir uns für die italienische Formel 3 entschieden. Wir hatten keine Ahnung, wie das Auto funktioniert, das hat es sehr schwer gemacht. Das erste Rennen in Frankreich bin ich noch als einziger Starter für Van Amersfoort mit einem Testwagen gefahren, während andere Teams mit mehreren Fahrern seit Monaten Hunderte Kilometer abgespult hatten - das können wir nicht aufholen.

Was ist das dann für ein Motorsport-Jahr für Sie?

Wir haben uns gesteigert und sind viel näher dran an der Konkurrenz. Mein Ingenieur sagt immer: "best of the rest". Es wird interessant, wie sich die Saison bis Ende des Jahres entwickelt. Aber es ist natürlich unglücklich, dass es wieder ein Jahr ist, das ich als Rennfahrerin im Prinzip verschenke. 2018 hatte ich Abiturprüfungen und bin erst spät in die Formel 3 eingestiegen - wobei ich sehr froh bin, den Schulabschluss gemacht zu haben. Und 2019 dann die abrupte Planänderung. Aber jeder, der sich im Motorsport auskennt und mitverfolgt, was ich so mache, weiß, wie diese zwei Jahre einzuordnen sind.

Sie stechen nicht nur als eine der wenigen Frauen im Motorsport hervor, sondern als Rennfahrerin überhaupt - Rennen zu fahren zählt nicht gerade zu den klassischen Breitensportarten.

Ich habe auch nicht mit fünf Jahren gesagt, ich will unbedingt Kart fahren. Als ich drei war, habe ich mit Skifahren angefangen. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich irgendwann die ersten Wettkämpfe gefahren bin. Dann kam schnell die Frage nach einer Ausgleichssportart für den Sommer auf und im Skigebiet meinten viele, Motocross sei gut. Wegen der Balance, der Geschwindigkeit und der Orientierung. Also bin ich Motocross gefahren am Flughafen in München, bis ich zwei Unfälle hatte und auf vier Räder umgestiegen bin. Damals war die Formel 3 noch so weit weg für mich - und jetzt fahre ich selbst.

Was macht den Einstieg so schwer?

Vielen fehlt es am Bezug. Das ist nicht als Breitensport auszuüben, weil der Aufwand so enorm ist. Man muss nicht nur sehr viel Zeit investieren und einen Trainer oder Vereinsgebühr bezahlen wie im Tennis. Je mehr du willst, desto teurer wird es - da geht es schnell um eine Null mehr am Ende. Es ist also auch stark eine Geldfrage. Und Erziehungssache. Bestimmt kommen nicht mehr Jungs aus vermögenden Familien, aber nur sehr wenige Mädchen haben den finanziellen Hintergrund für eine optimale Rennsportausbildung, sondern müssen Sponsoren suchen, und das ist eben sehr schwierig. Ich glaube, es geht also momentan eher darum, den Anteil an Frauen innerhalb der Sportart zu ändern.

Wie war das in den Anfängen für Sie?

Ich mache diesen Sport als Frau in einer Männerwelt. Mir haben als Kind einige Leute gesagt, dass ich es eh nicht schaffe, weil es noch nie eine erfolgreiche Frau im Motorsport gab. Das hat mir damals schon weh getan. Ich finde es wichtig, was auch Felix Neureuther gesagt hat: Vorbilder zu haben. Wenn du zum Beispiel als Mädchen keine Frau als Vorbild hast, ist es schwer. Deswegen braucht es auch im Motorsport mehr weibliche Vorbilder, ich glaube, dann interessieren sich auch mehr Mädchen und Frauen für diesen Sport. Im Kart hat sich der Frauenanteil schon vergrößert, auch wenn er noch minimal klein ist.

Welche Rolle spielen dabei Veranstaltungen wie die SZ-Talentiade?

Ich finde das sehr wichtig, auch, dass es Preisträger aus dem Umkreis von München sind, also von dort, wo man zu Hause ist. Allen Preisträgern war anzusehen, wie leidenschaftlich sie ihren Sport verfolgen. Das sind möglicherweise die Anfänge von internationalen Karrieren. Jeder beginnt irgendwo - und zu sehen, dass es frühere Preisträger geschafft haben, motiviert zusätzlich.

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