MTV München Leuchtturm im Nirgendwo

Justus Olbrich, MTV München.

(Foto: Claus Schunk)

Fechter Justus Olbrich kämpft mit dem Standortnachteil

Von Maria Kurth

Leuchttürme sind beliebt: Als dankbare Postkartenmotive, Symbole ungestillter Urlaubssehnsucht, wenn sie als rot-weiß gestreifte Farbtupfer von Schwarz-weiß-Gemälden leuchten, oder als Dekoration. Doch eigentlich sind sie Orientierungspunkte, senden wichtige Leuchtsignale. Genauso wie der Fechter Justus Olbrich vom MTV München. "Er ist, und das passt natürlich auch zu seiner Größe, so etwas wie der Leuchtturm in unserem Verein", sagt sein Trainer Klemens Panczuk. Die Signale, die Justus Olbrich, 1,88 Meter, sendet, sind nationale Erfolge, er ist der Orientierungspunkt für andere Fechter im Verein - und in Bayern.

Im Oktober noch auf Rang 19 der deutschen Rangliste, ist Olbrich mittlerweile im Florett der A-Jugendlichen auf Platz acht. "Das liegt vor allem an seinem Ehrgeiz und daran, dass er sich technisch enorm verbessert hat", sagt Panczuk. 2014 sei ein "Seuchenjahr" für Olbrich gewesen, der als Siebenjähriger mit dem Fechten begann. In der Vorbereitung brach er sich das Schlüsselbein und den Daumen, hinzu kamen Wachstumsprobleme. "Justus ist in einem Jahr noch einmal 15 Zentimeter gewachsen, das musste er im Training körperlich erst einmal aufholen", sagt Panczuk, der Olbrich zusammen mit dem hauptamtlichen Trainer Artur Wojtyczka betreut.

Der 16-Jährige trainiert sieben bis acht Mal in der Woche, hinzu kommen Wettkämpfe an den Wochenenden. Strapazen, die sich ausgezahlt haben. So belegte er den fünften Platz bei der deutschen Florett-Meisterschaft der A-Jugend in Moers und sicherte sich Bronze beim Internationalen Münchner-Kindl-Turnier. "Wir wissen, was der Justus kann, und in Moers wäre noch mehr drin gewesen", sagt Panczuk. Unter Bayerns A-Jugendlichen ist sein Schützling, der die zehnte Klasse des Isar-Sportgymnasiums besucht, längst die Nummer eins. Zukünftig startet er bei den Junioren. Eine Altersklasse, in der er bereits Erfolge erzielte. Beweis dafür: Bei den Junioren belegt Olbrich in der bayerischen Rangliste aktuell Platz zwei.

Doch Justus Olbrich ist beim MTV, dessen Fechtabteilung 370 Mitglieder zählt, nicht nur ein Vorbild. Mit seinen Ansprüchen und vielen Wettkämpfen ragt er in einem Verein, der auf Breitensport setzt, heraus. "Für uns ist dieser Spagat nicht immer leicht. Wir wollen den Breitensport bedienen, aber natürlich auch Justus fördern. Das ist organisatorisch nicht immer einfach, wenn dann zum Beispiel ein Turnier in Leipzig stattfindet", sagt Panczuk. Bayern sei im Fechten ein kleines Niemandsland. Auch deshalb dachte Justus Olbrich vor drei Jahren über einen Wechsel nach Tauberbischofsheim, Heidenheim oder Bonn nach, zu einer der drei Fechthochburgen. "Er hat sich dagegen entschieden, weil er sich beim MTV wohlfühlt, hier seine Freunde und Familie hat", sagt Panczuk. "Er denkt, dass er hier etwas erreichen kann, auch wenn manchmal die Trainingspartner fehlen. Die sind im Fechten enorm wichtig, um sich technisch zu verbessern."

Umso höher sind die Leistungen Justus Olbrichs einzuordnen. Es ist nicht zuletzt die Kombination aus Ehrgeiz und Organisation, die ihn so weit gebracht hat. "Wenn man Justus am Montag sagt, dass wir dieses und jenes bis zum Freitag erreicht haben wollen, kann man sich auf ihn verlassen", sagt Panczuk. "Er will immer besser werden und kompensiert die fehlende Konkurrenz im Verein durch viele Wettkämpfe." Dort ist er der Leuchtturm des MTV.