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Linksaußen:Unfreiwillig komisch

SpVgg Unterhaching v Waldhof Mannheim - 3. Liga

Gut gelaunt auch in schweren Zeiten: Hachings Trainer Arie van Lent.

(Foto: Sebastian Widmann/getty)

Im Fußball gibt's auch in schweren Zeiten viel Erheiterndes: Von unbestechlichen Sportrichtern, dem schon bald bevorstehenden Derby Oberhaching gegen Unterhaching und fürsorglichen Klubchefs.

Von Stefan Galler

Klar sind Namenswitze verpönt - zumindest in seriösen Medien. Aber wenn wie neulich beim Bundesliga-Nachholspiel Hertha gegen Mainz bei den 05ern der frühere Hachinger Alexander Hack vom früheren Sechziger Stefan Bell ersetzt wird und ein Scherzkeks im Netz den Wechsel Hack-Bell mit einem schnöden "chen" ergänzt, dann ist das ohne Zweifel erheiternd. Gerade in diesen Zeiten, in denen einem wegen Corona, Geisterspielen und Saisonabbrüchen sowieso nur selten zum Lachen zumute ist.

Obwohl: Die Fußball-Nachrichten in dieser Woche hatten schon viel Komisches, zumindest unfreiwillig. Und damit wäre noch nicht einmal die Rassismus-Episode mit Jens Lehmann und Dennis Aogo gemeint (weniger lustig als vielmehr unsäglich). Und auch die Schlammschlacht in der DFB-Spitze mit Keller, Koch und Curtius wird nicht dadurch unterhaltsamer, dass sich jetzt auch noch der scheidende DFL-Boss Christian Seifert in diesen Strudel mit hineinziehen lässt.

Aber dass nun Manchester City vor dem großen Triumph in der Champions League steht, ist dann doch irgendwie ein echter Schenkelklopfer. Immerhin war Peps Ensemble im vergangenen Sommer eigentlich wegen Verstößen des Vereins gegen die Finanzregeln für zwei Jahre aus dem Wettbewerb geworfen, und dann vom Internationalen Sportgerichtshof CAS doch begnadigt worden. In der Urteilsbegründung stand etwas von Verjährung und dass die Beweise "in diesem speziellen Fall" nicht ausgereicht hätten. Es müssen halt nur die richtigen Leute an den richtigen Stellen sitzen, die der Gerechtigkeit Vorschub leisten.

AvL ist der Gegenentwurf zu Tulpengeneral LvG, der am Spielfeldrand tobte und zeterte

Womit wir in Sachen Tragikomik auf unsere regionalen Balltreter zu sprechen kommen sollten. Die SpVgg hat es nun ja endgültig derbröselt, der Regionalligaabstieg steht fest, so dass es dort jetzt in Abwandlung eines berühmten Beckenbauer-Zitats zum großen Derby Oberhaching gegen Unterhaching kommt (denn beim Bayernligazweiten FC Deisenhofen handelt es sich, was womöglich nicht jeder weiß, um einen Oberhachinger Ortsteilklub). Nicht alle haben verstanden, wieso Manfred Schwabl seinem Trainer Arie van Lent bis zum bitteren Ende die Treue gehalten und aus ihm nicht einen Fliegenden Holländer gemacht hat. Vielleicht ja, weil AvL dem Absturz ins Amateurlager so unglaublich ungerührt ins Auge blickte. Statt zu toben und zu zetern wie einst Tulpengeneral Louis van Gaal (= LvG), quittierte er Niederlagen gerne mal mit einem Lächeln.

Bei Türkgücü kam indes vergangene Woche der Zufall ins Spiel: Just als die Klubleitung bekanntgegeben hatte, dass man Petr Ruman von Greuther Fürth II als neuen Trainer für die kommende Drittligasaison an Land gezogen hatte, wurde Serdar Dayat von so massiven Rückenproblemen geplagt, dass er weder das Training leiten, noch die Betreuung der Mannschaft beim Spiel in Halle übernehmen konnte. Fürsorglich, wie sie beim ambitionierten Klub nun einmal zu ihren Angestellten sind, wurde der Vertrag mit Dayat sogleich aufgelöst, damit der Coach sein Zipperlein ungestört auskurieren kann.

Voller Zuversicht, dass alles wieder gut wird, wollen wir mit einem weiteren im Netz gefundenen Namenswitz schließen, der den Löwen Schwung verleihen soll, den Aufstieg in Liga zwei und die Aufholjagd in der Tabelle zu vollenden: Egal wie hoch dein Rückstand ist, gegen Dynamo Dresden!

© SZ/toe
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