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Linksaußen:Strikteste Lockerungen

Der Sport unternimmt auch in Bayern den nächsten Schritt hin zur Normalität. Er sollte nur nicht in Shisha-Bars stattfinden. Und Zuschauer sollten im Auto bleiben, nur zu ihrer Sicherheit.

In aller gebotenen Kürze hier die wichtigsten neuen Corona-Erkenntnisse, diese Woche mit dem Themenschwerpunkt: fahrbare Untersätze.

Zunächst der Geheimtipp: Wer der Hektik des Alltags entfliehen will, wer kein hysterisches Gekreische erträgt, wer Stille sucht, innere Einkehr, an oberbayerischen Seen aber leider keinen freien Platz mehr findet und Angst hat, in den Bergen von Touristen totgetrampelt zu werden - der sollte sich in Japan in eine Achterbahn setzen. Denn dort herrscht: himmlische Ruhe. Zumindest ist Schreien neuerdings verboten, wegen der Ansteckungsgefahr. Unklar ist, was man wohl tut, wenn ein Sitznachbar doch nicht an sich halten kann. Zurückbrüllen? Aussteigen?

Das gemeinsame Feiern in Shisha-Bars hat sich zuletzt verblüffender Weise als ansteckend erwiesen, während (um beim Thema Wasserpfeifen zu bleiben) Schlauchbootpartys auf der Spree sogar zu Tausenden offenbar unbedenklich sind. Für Münchens Ruderer kann das nur bedeuten, dass sie auch mit Zweiern, Vierern und Achtern trainieren dürfen. Vielleicht sollten sie vorerst ein paar Plätze freilassen, aufs Ausatmen verzichten wegen der Aerosole, und der Steuermann wird die Klappe halten müssen wie in der japanischen Achter(!)-Bahn, aber sonst...

An diesem Montag greifen in Bayern im Sport neue Lockerungen, öffnen dürfen Freibäder, Fitnessstudios, Sporthallen, Skateanlagen, Bolzplätze; Umkleiden und Duschen bleiben zu. Die erforderlichen Hygienekonzepte haben mit dem Begriff locker indes wenig zu tun, sie bleiben strikt, und wer sie für seinen Verein gewissenhaft umsetzt, mag gelegentlich den Drang verspüren, auf der Spree mal ein paar Schlauchboote aufzuschlitzen. Bälle sollten am besten noch auf ihrer Flugbahn desinfiziert werden, und alles, was mal jemand angefasst oder mit feuchten Augen angeblickt hat, ebenfalls; das Zauberkriterium lautet, im Indoor- wie im Outdoor-Training mit bis zu 20 Personen: "kontaktfrei". Wo es keine Kontakte gibt, sind sogar wieder Wettkämpfe erlaubt, in Leichtathletik, Tennis oder Golf.

Wie man Kontakte verhindern kann, zeigen Erstklässler in Icking, die auf dem Pausenhof gebastelte Autos in Bollerwagengröße um ihre Hüften tragen. Solch kreative Abstandswahrer gab es schon als Flügelchen, hier sind es Kotflügelchen. In der Formel 1 ist dieses Konzept erprobt (es funktioniert meistens), nun liegt es an anderen Sportarten, es zu adaptieren. Könnte man so nicht zum Beispiel kontaktfrei Judo oder Ringen trainieren?

Das Auto als virensicheren Raum haben nun jedenfalls auch die Basketballer des FC Bayern entdeckt. Sie dürfen zwar auch ohne bunte Pappkarossen gegen andere Teams um die Meisterschaft kämpfen (fast schade, eigentlich), weil vorübergehend alle im gleichen (Hotel-)Haushalt leben. Aber ihren Fans haben sie die Möglichkeit eröffnet, seit Samstag das Finalturnier in einem Autokino am Flughafen zu verfolgen. Ob im Auto Jubelschreie erlaubt sind, entscheiden allein die Insassen.

Ob es dazu Anlass gibt, die Spieler.

© SZ vom 08.06.2020

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