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Linksaußen:Nieder mit der Dekadenz!

Der Strafenkatalog in so manchem Sportverein beinhaltet kuriose Vergehen. In Unterhaching können sogar Modesünden teuer werden.

Früher waren es die Adeligen, die sich in Europa deutlich mehr herausnehmen durften als Normalsterbliche. Sie mussten in den meisten Ländern keine Steuern zahlen, benahmen sich oft auf groteske Art und Weise daneben und wurden dennoch jahrhundertelang vom Fußvolk verehrt - bis das Zeitalter der Aufklärung den Weg ebnete für die Emanzipation von Bürgern und Arbeitern. Die Guillotine erledigte den Rest.

Mittlerweile ist neben ein paar dekadenten Wirtschaftskapitänen vor allem ein Berufsstand in jene lange Zeit vakante Rolle der Maß- und Rücksichtslosen geschlüpft: die Profifußballer. Wobei man hier natürlich abwägen muss, wer denn nun tatsächlich Nummernkonten auf den Jungferninseln unterhält, im goldenen Ferrari mit 200 Stundenkilometern zu schnell geblitzt wird oder fünf Kinder mit sechs verschiedenen vom Beauty-Doc aufgepimpten Gespielinnen in die Welt gesetzt hat. Merke: Auch in dieser Spezies gibt es Anständige.

Dafür wollen die Vereine Sorge tragen, indem sie Benimmregeln aufstellen, die nicht nur den oft bemitleidenswert normalen Trainern das Arbeiten erleichtern, sondern im Falle des Nicht-Befolgens auch die Mannschaftskasse füllen - wobei sich bei Teams mit einem Gesamtjahresgehalt von hunderten Millionen die Frage stellt, wofür es diesen wohl eher symbolischen Notgroschen überhaupt braucht.

Das ist im Amateurlager schon etwas anderes, denn dort wird die Kohle für sinnvolle Dinge eingesetzt, wie Mannschaftsreisen an den Ballermann, wo sich die Hobby-Kicker dann endlich mal ein paar Tage aufführen können wie die Adeligen im Frankreich des 18. Jahrhunderts - manche sogar mit Perücken auf dem Kopf, wenn auch ungepuderten.

Strafen müssen Fußballer für Verfehlungen schon von der C-Klasse aufwärts bezahlen, sei es für Handyklingeln während der Teambesprechung, unnötige Platzverweise oder Unpünktlichkeit. So weit alles bekannt.

Neu sind jedoch einige ahndungswürdige Delikte, die ein regionales Fußballportal im Internet vor einigen Tagen aufgedeckt hat: So kostet es beim Regionalligisten VfR Garching drei Euro, wenn ein Spieler einen "Koffer" stehen lässt. Also keine mit Eisspray und Bandagen darin, sondern jene, die nicht gut riechen und mit der Verdauung zusammenhängen. Beim SV Lohhof wurden früher 50 Euro fällig, wenn einer in die Dusche pieselte. Mittlerweile kommt das offensichtlich nicht mehr so oft vor, aus dem Strafenkatalog ist das Vergehen jedenfalls getilgt.

Besonders ausgefeilt sind die Sanktionen fürs Fehlverhalten bei der SpVgg Unterhaching: Hier kostet es zehn Euro, wenn sich ein Spieler einen Ausrutscher auf dem schlüpfrigen Terrain der Mode leistet. Geschmacklosigkeiten wie Aubameyangs weißer Pelzmantel oder die vogelwilden Outfits eines Mitchell Weiser würden die Teamkasse also klingeln lassen. Wer sehen möchte, wie bestbezahlte Kicker in ihrer Freizeit bisweilen rumlaufen, dem sei die Facebookseite Fußballer, die den Swag aufdrehen empfohlen.

Nicht nur Ludwig XIV. wäre bei diesem Anblick bestimmt sehr amüsiert.