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Linksaußen:Münchner Straßenfeger

Sportliche Saure-Gurken-Zeit in München? Von wegen. Bald ist wieder Munich Mash, sozusagen die Raumpatrouille Orion der Neuzeit.

Jetzt hat München ihn wieder, seinen Superstau. Von Montag an zieht die Blechkarawane wieder durch die viel zu enge Stadt, Auto an Auto verstopft den Mittleren Ring. Ach, war das noch schön über Fronleichnam und den Brückentag, als sie leergefegt schien wie sonst nur zwischen Weihnachten und Neujahr - jedenfalls auf dem Asphalt. Milde schmunzeln durfte man allenfalls über jene armen Seelen, die ihre vier freien Tage am Stück für einen kleinen Ausflug an den Gardasee nutzten, am besten über österreichische Landstraßen, um die horrend hochpreisige Maut zu umfahren. Mist, geht ja nimmer, das haben unsere netten Nachbarn gerade erst verboten. Oder jene, die mit den Liebsten an Fronleichnam zu einer Spritztour zum Chiemsee oder nach Garmisch aufbrachen. Auch Mist, zurück nach München standen sie am Sonntag mit den Gardasee-Heimkehrern stundenlang Stoßstange an Stoßstange.

Die Raumpatrouille Orion rührte mit Bügeleisen und Minenspitzer

Vor rund 60 Jahren war das noch undenkbar, da gab es zwar Fronleichnam, aber weder Maut noch Staus. Damals wurde übrigens der Begriff des Straßenfegers geprägt, nicht zu verwechseln mit dem Straßenkreuzer, der Kehrwoche (schwäbischer Sauberkeitsfimmel) oder dem Besenwagen (nimmt bei der Tour de France verletzte, kranke oder erschöpfte Radfahrer auf). Straßenfeger waren Fernsehsendungen, die die Deutschen so gebannt verfolgten, dass sie bei Sendebeginn fluchtartig in ihre Häuser und Wohnungen stürmten. Den Anfang machten die Verfilmungen der Paul-Temple-Hörspiele von Francis Durbridge, München war spätestens in den Achtzigern Straßenfeger-Hochburg, mit Kir Royal und dem Monaco Franze. Kultstatus errang aber auch 1966 die rührige Raumpatrouille Orion in s/w, die in Wahrheit den schlanken Titel "Raumpatrouille - Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion" trug. Sie erreichte bei der Erstausstrahlung in der ARD Einschaltquoten von bis zu 56 Prozent. Nicht auszudenken, was das für den heutigen Verkehr in München bedeuten würde, käme es, beispielsweise immer montags um 18 Uhr, zu einer Neuauflage der nur sieben Episoden kurzen Reihe. Dass die special effects inzwischen jede Sechsjährige mit ihrem Chemiebaukasten basteln könnte? Macht die Serie nur charmanter. Wie die Bügeleisen, Duschköpfe und Minenspitzer, die der Orion als stylishe Bauelemente dienten.

Wenn man ganz aktuell im Sport nach Straßenfegern sucht, dann sucht man vergeblich. Die Fußball-Weltmeisterschaft (der Frauen)? Schauten bislang in der Spitze ganz ordentliche sechs Millionen Zuschauer, rund 30 Prozent Marktanteil, mehr jedenfalls als die Junioren-EM (der Männer). Von der Straße fegt einen das aber noch nicht. Auch in München ist ein bisschen Saure-Gurken-Zeit, bei den Bayern-Basketballern passen beim Playoff-Finale gegen Berlin ja auch nur 6500 Zuschauer in die Halle. Aber Munich Mash ist ja nicht mehr weit, von Freitag an messen sich im Olympiapark wieder Profis auf Skateboards, Wakeboards und BMX-Rädern, mit ihren special effects (nicht für Sechsjährige geeignet!) sind sie die Raumpatrouille Orion der Neuzeit. Und bei erwarteten knapp 100 000 Zuschauern und TV-Übertragungen in alle Welt garantiert ein Straßenfeger. Achtung: Bei der Anreise kann es längere Staus geben.