Linksaußen Jäger und Gejagte

Alpenvolleys-Trainer Stefan Chrtiansky ist Hobbyjäger, was dem Slowaken im Kampf um den Meistertitel gewaltig helfen dürfte. Dass er auf der Suche nach einem Keiler bald wieder in die Heimat reist, verheißt zudem nichts Gutes für die Verfolger.

Von Sebastian Winter

Die Zeit zwischen den Jahren ist eine seltsame Zeit. Formal gibt es sie ja gar nicht, denn was soll da schon sein zwischen dem 31. Dezember, 23:59:59 Uhr, und dem 1. Januar 0:00:00 Uhr. Nicht mal ein Wimpernschlag passt da hinein, geschweige denn das Öffnen einer Sektflasche oder das Zünden eines Böllers. Aber hier unterscheiden sich die Formalien mal wieder von der Historie. Dort könnte man jetzt zur Erklärung einen Bogen spannen vom Alten Ägypten über das Konzil von Tours bis hin zur Kalenderreform durch Papst Gregor XIII. Man könnte in Länder wie England, Schweden, Schleswig oder Friesland schauen, wo von twelve nights, mellandagarna, twische de dage und twasche ujl en nai die Rede ist. Man könnte gar das Mondjahr hernehmen, das exakt elf Tage und zwölf Nächte kürzer war als das Sonnenjahr, weswegen die Zeit zwischen den Jahren ursprünglich zwölf Tage dauerte, vom 25. Dezember bis 5. Januar. Wieder andere haben das Mantra, dass die Zeit nur zwischen Weihnachten und Neujahr quasi stillsteht.

Ob nun zwölf oder sieben Tage, es ist auch eine Wohlfühlzeit für Wald und Wild. Für den Wald, weil er nicht mehr fürchten muss, dass Abermillionen Nord- und Süd- und West- und Ostmanntannen aus seinem Herzen gerissen werden. Fürs Wild, weil in der Zeit zwischen den Jahren auch Jäger lieber Tee trinken. Zum Glück, kurz vor Weihnachten erreichten uns ja berührende Zahlen: Knapp 36 000 Tonnen Wildfleisch aus heimischen Wäldern haben Jäger im Jahr 2017/18 auf den Tisch gebracht, wie der Deutsche Jagdverband mitteilte. Spitzenreiter ist das Wildschwein: 19 737 Tonnen. Zweiter das Reh: 12 368 Tonnen. Dritter der Rothirsch: 2633 Tonnen.

Womit man direkt bei den Alpenvolleys Haching wäre. Das sind die wilden Jäger von jenseits der großen Berge, die eine blütenweiße Weste in der Bundesliga hatten - bis sie kurz vor Weihnachten ihr erstes Spiel in Frankfurt verloren. Am Samstag haben sie wieder gewonnen, in Düren. Sie sind Tabellenführer und auf der Jagd nach dem Meistertitel. Der VfB Friedrichshafen ist ihr erster Verfolger. Er wird es schwer haben, sie noch einzuholen, zumal Alpenvolleys-Trainer Stefan Chrtiansky selbst leidenschaftlicher Hobbyjäger ist. Anfang Januar reist er wieder in die slowakische Heimat, nach Male Zlievce, auf der Suche nach einem schönen Keiler oder Reh. Das verheißt nichts Gutes für 2019, weder fürs slowakische Wild noch für die Liga-Konkurrenz.