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Linksaußen:Im Bett mit Basti

Bald werden in Hollywood die Oscars verliehen. Die Doku über Schweinsteiger zählt nur deshalb nicht zu den Favoriten, weil sie noch nicht gedreht ist.

Am 9. Februar werden in Los Angeles zum 92. Mal die Academy Awards vergeben, besser bekannt als "The Oscars". Es ist die wichtigste Filmpreisverleihung der Welt. Entsprechend hysterisch geht es vorher in der "Traumfabrik" Hollywood zu, die ja noch mehr als der Rest der Welt vom digitalen Wandel betroffen ist - immer weniger Menschen strömen ins Kino, immer mehr streamen zu Hause. Entsprechend dividiert sich die Welt auf der Leinwand immer weiter auseinander: Superhelden-Monster-Radau hier, überzuckertes Animations-Popcorn dort, dazwischen eine Endlos-Saga oder ein Remake eines Klassikers mit Cameo-Auftritten der Original-Stars. Kein Wunder eigentlich, dass in diesem Jahr das Kriegsszenario 1917 mit zehn Nominierungen als der Favorit ins Rennen um die Preise geht: Weil der Film wie so viele in jüngster Zeit das Qualitätssiegel "Nach einer wahren Begebenheit" trägt. Ebenso wie Judy, ein Biopic über die Skandalnudel Judy Garland, das in der Tradition von Bohemian Rhapsody (Freddie Mercury) und Rocketman (Elton John) daherkommt. Der Mensch sehnt sich nach echtem Herz und Schmerz.

Ein realer Tränendrücker war vergangene Woche die Eloge des Hollywood-Stars Brad Pitt auf seinen Kollegen Bradley Cooper, den Pitt nicht etwa für dessen darstellerische Brillanz lobte, nein. Pitt dankte Cooper dafür, dass er ihm geholfen habe, von der Alkoholsucht loszukommen. Das war zweifellos eine gute Nachricht und ein schönes Zeugnis dafür, was Freundschaft zu leisten vermag. Die im Grunde herzenswarme Geschichte entbehrte allerdings nicht einer gut gekühlten Ironie. Im Nebenberuf produziert sich der oscarprämierte Filmproduzent Pitt nämlich als Produzent von Wein. Seit einigen Jahren ist er Mitbesitzer des Château Miraval in der Provence, wo er einen durchaus trinkbaren Rosé keltern lässt. Auf PR-Fotos stiefelt Pitt im Gutsherren-Chic durch seine Weinwelt. Das Gut hat er erstanden, als er noch mit Angelina Jolie verheiratet war; das Label "Brangelina" freilich existiert nicht mehr. Um es in der Fachsprache auszudrücken: Die Cuvée war im Abgang nicht ganz so harmonisch. Umso schöner, wenn man in schwierigen Zeiten echte Freunde an seiner Seite weiß. Freunde wie den seinerseits oscarnominierten Bradley Cooper, der mit welchem Film noch mal berühmt wurde? Richtig, Hangover, die Geschichte dreier Typen, die nach einem druckbetankten Junggesellenabschied einen Filmriss haben; die drei haben nicht nur einen Monsterkater, der wie ein verdammter Tiger aussieht, sie haben auch jede Erinnerung an den Vorabend verloren - und den Bräutigam, ihren besten Kumpel. Na dann: Auf die Freundschaft!

Brangelina gibt's nicht mehr, Bastiana erobert die Leinwand

Mit leichter Sorge haben wir in der vergangenen Woche die Kunde vernommen, dass Till Schweiger (Keinohrhasen) - so etwas wie der deutsche Brad Pitt, nur ohne Oscar - nun das Leben von Bastian Schweinsteiger verfilmen will. "Bastian ist für mich einer der größten deutschen Fußballer, die es je gegeben hat, und dazu ein ganz besonders toller Mensch", ließ Schweiger sich in einer Mitteilung zitieren. "Über ihn muss ein Film gedreht werden." Eine Doku soll es sein, real life, non fiction. Normalerweise müsse man für "so was" zwar erst mal ein Drehbuch schreiben, klagt Schweiger. Aber: "Bei Basti ist das einfach. Schweinsteiger bedeutet für mich Emotion pur." Allzu dialoglastig dürfte der Streifen also eher nicht ausfallen. Mehr so ein bildstarker Schweinsgalopp von den Anfängen des jungen Schlawiners Schweini zwischen Skihütte und Fußballplatz über seine ersten Spritztouren mit Cousine im Pool des FC Bayern bis zum Rio-Weltmeister mit Cut unterm Auge und Ehemann von Ana Ivanovic ("Bastiana"), mit deutschem Popcorn-Pop-Soundtrack und einem Cameo seines alten Freundes Felix Neureuther. Arbeitstitel: Inside Schwei(nstei)ger.

Wie trällerte Schlagerkaiser Franz Beckenbauer 1966: "Gute Freunde kann niemand trennen." Sollte der Film ein Blockbuster werden, plant Schweiger übrigens schon die Fortsetzung: Bradley, Basti und Brad - Buddies with Balls (Tiger im Tank II). Nimm das, Hollywood!

© SZ vom 20.01.2020
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