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Linksaußen:Derrick und die Ritter

Der Begriff "Spektakel" wird bisweilen überstrapaziert, doch manche Vorgänge im Sport tragen das Attribut völlig zurecht. Das gilt auch, aber nicht nur für allerlei Anekdoten und Akteure aus dem Fußball oder Basketball.

Derzeit tobt vor den Toren Münchens ein ganz besonderes Spektakel. Wobei man mit diesem Begriff fürderhin etwas sorgsamer umgehen sollte, der oft allzu unbedacht ins Spiel kommt. Für das Treiben zu Schloss Kaltenberg jedoch könnte dieses neutrale Substantiv kaum treffender sein. Der Begriff "Spektakel" wurde erst im ausgehenden 18. Jahrhundert so richtig populär, zu einer Zeit also, in der hierzulande unter dem Begriff "Sport" gerade mal Pferderennen, die Jagd oder Rudern zusammengefasst wurden. In England freilich begannen erste Menschen, aufgeregt hinter einer Lederkugel herzurennen oder einen kleinen Ball mit einer Art Teppichklopfer über ein Netz zu prügeln. Bei jenem Inselvölkchen jenseits des Kanals hat es ja Tradition, den Rest des alten Kontinents mit allerlei Irrwitz zu überraschen - bis heute.

Wurden früher Jahrmarkttheater, lebende Bilder oder Wandermenagerien als "Spektakel" beschrieben, wird das Wort heute im Sport geradezu inflationär benutzt: Welche Veranstaltung, welcher Wettbewerb ist denn nicht mindestens spektakulär? Die Ritterspiele zu Kaltenberg dürfen sich zurecht mit jenem Nomen schmücken, allein das Turnier, respektive die sportliche Leistung der französischen Cascadeure haben sich auch in spektakulär teuren Hollywood-Produktionen bewährt.

Womit man bei einem Münchner Verein wäre, der sich diesen Namen einst in mühsamer Medienarbeit erworben hat: Der FC Hollywood ist bekanntlich jederzeit für Spektakel jedweder Art zu haben. Und für Phasen, in denen die Spieler diesem Anspruch nicht genügen, was in jüngerer Vergangenheit des Öfteren der Fall war, hat sich der Klub eine Führungsriege zugelegt, deren Unterhaltungswert allemal so bezeichnet werden darf.

Neben der Besetzung des Begriffs "Spektakel" für bemerkenswert unterhaltsame Ereignisse, gibt es auch eine negative Deutung, dann nämlich, wenn Ereignisse sich durch seichten oder gar befremdlichen Charakter auszeichnen. An dieser Stelle, der treue Leser dieser Glosse wird es ahnen, kann nur ein Münchner Verein ins Spiel kommen: richtig, der TSV 1860. Dort hat der Investor aus dem Morgenland gerade die eigenen Fans verklagt, weil sie, und das ist spektakulär behämmert, das Löwen-Logo benutzen. In Kaltenberg jedenfalls darf das Rittervolk allerlei Phantasie-Banner benutzen, vielleicht sollte der Investor auch dort nachforschen, ob irgendeiner der königlichen Raufbolde den Löwen unerlaubt im Wappen trägt.

Apropos rauflustig: Der beim Fanvolk beliebte Basketball-Trainer Svetislav Pesic legte sich ja gerne mit Unparteiischen und Funktionären an. Nun befehligt er zwei weitere Jahre den FC Barcelona, von wo uns die Kunde erreicht, dass er ein Team von spektakulärem Zuschnitt zusammenbaut, um den Kontinent im Handstreich zu nehmen - rein sportlich. Das ist ein aufsehenerregender Vorgang, oder Anblick, womit man bei einer weiteren Definition des Begriffs "Spektakel" wäre. Derrick Williams ist im Übrigen nicht dabei. Der US-Amerikaner wird den FC Bayern aber trotzdem verlassen. Damit verlieren die Münchner, ach was, die gesamte Liga, ihren - Sie ahnen es - spektakulärsten Spieler.