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Leichtathletik:Versuch von Nähe

Matthias Schimmelfennig (links), Trainer des Landesstützpunkts für Stabhochsprung und Zehnkampf in Gräfelfing.

(Foto: Claus Schunk)

Eine Woche nach der LG Stadtwerke veranstaltet auch der TSV Gräfelfing seinen ersten Wettkampf nach der Corona-Pause. Er wird deutlich größer - und ein Präzedenzfall: Erstmals gelten keine Mindestabstände mehr.

Gräfelfing/München15 Meter Mindestabstand? Drei Meter? 1,50? Alles veraltet. In Sprintgeschwindigkeit werden zurzeit die Vorgaben gelockert, nach denen Athleten beim Sport zusammenkommen dürfen. Seit Anfang der Woche gilt: Das bisherige Abstandsgebot von anderthalb Metern ist bei sportlicher Betätigung aufgehoben. Bis vor wenigen Tagen etwa durfte in der Leichtathletik nur in getrennten Bahnen gelaufen werden, zwischen Sprintern musste eine Bahn frei bleiben. Am Mittwoch erhielt der Bayerische Leichtathletik-Verband (BLV) dann auf Nachfrage die Auskunft aus dem bayerischen Innenministerium, dass die Vorgaben mit der inzwischen sechsten Verordnung nicht mehr zwingend sind. Kontaktlosigkeit bleibe Voraussetzung, die Abstande sollten weiter eingehalten werden, wo es möglich ist, doch ein Unterschreiten sei nun zulässig. Damit - erstaunlich, aber wahr - hat Bayern nun "eine Art Alleinstellungsmerkmal", wie BLV-Chef Gerhard Neubauer sagt, im Sinne der aktuell lockersten Handhabung.

Matthias Schimmelpfennig sieht das mit Erstaunen und etwas Skepsis. "Ich habe das Gefühl, dass das auch nach hinten losgehen könnte", sagt der Trainer des Landesstützpunkts für Stabhochsprung und Zehnkampf in Gräfelfing. Umso wichtiger sei, dass die Dokumentation funktioniere, um im Fall der Fälle alles gut rückverfolgen zu können. An diesem Sonntag veranstaltet er mit dem TSV Gräfelfing nämlich einen Wettkampf; einen der ersten in Bayern nach der Corona-Pause. Plötzlich seien sie ein "Präzedenzfall", sagt er, "aber wir machen das einfach".

Was ihm auf der einen Seite Sorge bereitet, ist auf der anderen eine Erleichterung. 200 Leute dürfen ins Stadion. Die entfallenden Bahnabstände lassen es zu, den Zeitplan zu straffen. Und weil das Einscheren in einen Pulk nun erlaubt ist, nahmen sie kurzfristig 800- und 1500-Meter-Läufe ins Programm. Eigentlich, erzählt Schimmelpfennig, hätten sie ja nur ein Stabhochsprung-Turnier geplant. Darin hat der Verein Erfahrung, sein jährliches Touch-the-Clouds-Meeting war Corona-bedingt entfallen. Dann aber sei er gefragt worden, ob da nicht auch mehr ginge. Also nahmen sie den Mehrkampf dazu, dann auch Sprint und Wurf. Neuland für den TSV, sagt Schimmelpfennig. Nun sind etwa der deutsche 400-Meter-Meister Johannes Trefz am Start, die Ulmer Zehnkämpfer Matthias Brugger und Tim Novak oder Stefanie Dauber, Ulms EM-Teilnehmerin im Stabhochsprung.

Noch vor Wochenfrist hatte im Münchner Dantestadion die LG Stadtwerke einen ersten Wettkampf gewagt, mit nur 100 zugelassenen Menschen und Bahnabstand. "Gut zum Einstieg", fand Geschäftsführer Christian Gadenne, aber er nimmt es mit Freude zur Kenntnis, dass die Vorgaben nun gelockert wurden. Denn für 5. Juli planen auch sie den nächsten Wettkampf. Am Sonntag boten zwei 17-Jährige herausragende Leistungen: Viola John mit neuer Bestzeit über 100 Meter (11,99 sec.) und Kugelstoßer Dominik Idzan (18,95 m.). Beide werden auch in Gräfelfing antreten.

© SZ vom 27.06.2020

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