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Leichtathletik:Höher, schneller, mehr

Deutsche Hallenmeisterschaften Dortmund 18 02 2018 Paul Walschburger LG Stadtwerke Muenchen Deu; Leichtathletik

Einer von 530: Dreispringer Paul Walschburger

(Foto: Axel Kohring/imago/Beautiful Sports)

Zum 34. Ludwig-Jall-Sportfest im Münchner Dantestadion erwarten die Organisatoren trotz Konkurrenz und Absagen eine Rekordteilnehmerzahl.

Zum 34. Mal findet an diesem Samstag das Internationale Ludwig-Jall-Sportfest im Dantestadion statt. Das Pfingstmeeting der Münchner Leichtathletik-Gemeinschaft ist traditionell der frühe Saisonhöhepunkt in der Stadt, und ein guter Zeitpunkt für einen Überblick, wer in welcher Verfassung in die Freiluftsaison gestartet ist. Benannt ist es nach dem 1975 gestorbenen Vorsitzenden des PSV München, der den Verein in der Nachkriegszeit am Leben hielt. Schon vor dem Krieg hatte der "Wig", ehemaliger Zehnkämpfer, im Dantestadion Länderkämpfe organisiert.

Was sich ändert

In diesem Jahr ist alles anders. Speziell seit 2013 war die LG Stadtwerke bestrebt, ihren besten Athleten zum Pfingstfest Gegner von internationaler Klasse zu spendieren, um sie herauszufordern, zu motivieren. Diesmal, erläutert Geschäftsführer Christian Gadenne, hätten sie beschlossen, den Aufwand zurückzufahren, weniger international zu sein. Jenen Agenten, mit denen sie oft zu tun hatten, etwa aus Dänemark oder Polen, gaben sie Bescheid. Der Grund liegt in Rehlingen. Dort wird unter dem Slogan "Weltklasse im Saarland" ein noch traditionelleres Pfingstsportfest zum 55. Mal ausgetragen, im Fernsehen ausgestrahlt und vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) unterstützt - weshalb auch einige beste Münchner dort starten. Und weil Rehlingen neuerdings sonntags statt montags stattfindet, ist es nicht wie früher möglich, bei beiden Meetings anzutreten. In München braucht es also keine internationalen Herausforderer.

Langweilig war Gadenne dann trotzdem nicht. Die Zahl von gut 500 Athleten blieb nämlich. Mehr noch: Aktuell 530 könnten ein neuer Rekord sein. Auch internationale Starter haben sich angekündigt. "Erstaunlicherweise", sagt Gadenne. Bis Ende der Woche war er noch immer damit beschäftigt, Anfragen zu bearbeiten.

Das Rahmenprogramm

Wie es sich für eine Traditionsveranstaltung gehört, haben die Veranstalter keine Kosten und Mühen gescheut. Am Samstag und Sonntag wird die Kapelle Rammstein auftreten und das nahe Olympiastadion vermutlich an den Rand des Einsturzes bringen. Nicht, dass das die Leichtathleten selbst organisiert hätten - aber gespürt haben sie es. Versuche, Gäste in Hotels in der Nähe des Olympiaparks unterzubringen, endeten stets mit der schulterzuckend vorgebrachten Absage: "Sorry, Rammstein."

Die Internationalen

Möglicherweise hatten sie ja Rammstein-Karten für den Sonntag, und am Samstag noch nichts vor. Jedenfalls haben sich ein paar Tschechen angemeldet. Württemberger. Ein Brite, ein Amerikaner, ein Italiener und ein ganzer Schwung Österreicher. Darunter etwa Markus Fuchs und Alexandra Toth, beide österreichische Staatsmeister, die über 100 und 200 Meter starten. Gerade für die aktuell sehr formstarke junge Sprintergruppe um Fabian Olbert eine hübsche Herausforderung. Wo die große Reisegruppe aus Österreich untergebracht ist? Vielleicht irgendwo am Isar-Ufer. Die meisten von ihnen starten für Riverside Mödling. Und dann, sagte Gadenne Mitte der Woche, habe er noch einen Kugelstoßer "in der Pipeline", um den Münchner Valentin Döbler und den Kirchheimer Christian Zimmermann "zu kitzeln" - im übertragenen Sinn. Und tatsächlich: Tim Nedow kommt, der Sieger von Halle. Zwei Meter groß, 140 Kilo schwer. Ein Kanadier. Muss eine dicke Pipeline gewesen sein.

Wo der Hammer hängt

Auch Hammerwerfer hätten da wohl durchgepasst, aber die stecken in keiner Pipeline, sondern in Fränkisch-Crumbach. Dort findet parallel ein beinahe noch jungfräuliches internationales Meeting statt (gerade mal 17. Auflage), bei dem sich Johannes Bichler und Simon Lang etwa mit Athleten aus den USA und China messen. Elisabeth Hafenrichter, die gerade bei den Halleschen Werfertagen mit 51,49 Meter die Norm für die U20-EM übertroffen hat, tritt trotzdem in München an. Könnte aber daran liegen, dass sie Speer wirft.

Sprungbereit

Es sind selbstverständlich immer noch viele Münchner in München zu bejubeln. Wie Dreispringer Paul Walschburger. Der 20-Jährige hat kürzlich in Ingolstadt einen Versuch hauchdünn übertreten, der etwa 16,30 Meter weit ging - es wäre das erste Mal jenseits der 16-Meter-Marke gewesen. München wäre ein guter Ort, diesen Erfolg nun nachzuholen. Auch auf den Weitspringer Yannick Wolf sollte man aufpassen - in jeder Hinsicht. Im vergangenen Jahr war dem 19-Jährigen zweimal die Schulter ausgekugelt. Apropos: ...

Neues aus dem Krankentrakt

... Tobias Potye war kürzlich in Frankfurt. Zur schwarz-rot-goldenen Einkleidung. Der Hochspringer hatte ein ziemlich fantastisches Jahr 2018 hinter sich, dann kamen ein Grundlehrgang für die Bundeswehr, eine Bachelor-Arbeit, eine Grippe, Knieschmerzen, eine abgebrochene Hallensaison und, äh... - die Einkleidung. Sprich: Der 24-Jährige ist noch nicht in die Saison eingestiegen. Weil die Schmerzen nicht weg sind, aber demnächst irgendwo Olympische Spiele stattfinden sollen, geht er kein Risiko ein, weder in München noch in Rehlingen. Und auch nicht bei den European Games, für die er als Ersatzmann vorgesehen und eingekleidet worden war.

Auch Paulina Huber vermeidet das Risiko. Die Hürdensprinterin hat ihre Fußprobleme, die sie seit Jahren begleiten, ohne Operation in den Griff bekommen, sie ist zum Sprint-Landestrainer Patrick Saile gewechselt, hat ihre Lauftechnik umgestellt und in Weinheim ein beachtliches Comeback gegeben. Auch dort hatte sie Schmerzen, die erfreulicherweise nicht vom Fuß herrührten, sondern einem Muskelfaserriss. Bei rechtzeitiger Gesundung wäre sie vielleicht in München gelaufen. Oder, Achtung: in Zofingen, Schweiz. 44. Pfingstmeeting. Nun schont sie sich. Für die deutsche U23-Meisterschaft nächstes Wochenende.

Gadenne übrigens hat eine Mandelentzündung. Er wird am Samstag das Risiko eingehen - und zur Organisation antreten.

Die Fremdgänger

Für das langjährige Münchner Aushängeschild Christina Hering ist das Risiko überschaubar. Theoretisch. Gelegentlich ist die 800-Meter-Meisterin ja schon mal vor einem Meeting in einen Bach gefallen; und am Tag nach den deutschen Hallenmeisterschaften im Februar in Leipzig ist sie umgeknickt - auf dem Weg zur Haustür. Sie zog sich einen Außenbandriss zu. Geknickt war sie ohnehin, weil sie ihren Abonnement-Titel in Leipzig hauchdünn an ihre Trainingskollegin Katharina Trost verloren hatte. Herings Heilung verlief in Rekordzeit, zum Trainingslager war sie wieder fit, nun setzen die beiden ihr Duell im Freien fort. In Rehlingen. Es gibt dort stärkere Konkurrenz, schnellere Zeiten und mehr Punkte für die neue Weltrangliste. "Klarer Fall, die müssen dorthin", weiß Gadenne. Beide kämpfen um Normen für Universiade und Weltmeisterschaft. Ende Mai hat Hering ein hochkarätiges Meeting in Oordegem, Belgien, gewonnen, kurz darauf wurde sie in Köln deutsche Hochschulmeisterin - das allerdings über 400 Meter. Der 800-Meter-Titel ging dann logischerweise an Trost, die mit 2:02,21 Minuten eine deutsche Jahresbestzeit aufstellte.

Für die dritte Trainingskollegin Mareen Kalis, 22, geht es in den kommenden Wochen laut Gadenne sogar "um alles". Auch sie kämpft um Qualifikationsnormen, ebenfalls für die Universiade und vor allem für die U23-Europameisterschaft.

Die Normenjäger

Dieses Problem hat Kalis natürlich nicht allein. "Gefühlt", sagt Gadenne, finden demnächst viele Großereignisse gleichzeitig statt. Ungefühlt beginnt die Universiade in Neapel am 3. Juli, am 6. Juli startet die Team-EM in der Ukraine, am 11. Juli die U23-EM in Gävle, Schweden, am 18. Juli die U20-EM in Borås, ebenfalls Schweden.

Die Kugelstoßerin Selina Dantzler übrigens hatte etwas Pech. In München/Rehlingen/Zofingen kann sie nicht antreten, weil sie erst am Pfingstmontag von ihrem ersten USA-Semester in Miami zurückkehrt, um den Rest der Saison in Deutschland fortzusetzen. Außerdem hat die U-18-Weltmeisterin einen kleinen Eingriff am Knie hinter sich. Ihre aktuelle Bestleistung von 15,20 Meter ist an sich prima, weil die 19-Jährige damit für die U20-EM startberechtigt wäre. Dummerweise gelang dieser Stoß in Florida am 22. März - und der Verband wertet nur Ergebnisse ab dem 1. April. Nun muss sie warten, bis ihr Knie weitere Versuche zulässt.

Hurra, ein Meeting

Übrigens: Potyes hochspringender Kollege Lucas Mihota, 20, hat im Mai in Aschheim bereits 2,18 Meter übersprungen. Der ehemalige U18-Europameister wäre deshalb für Rehlingen vorgesehen gewesen, wo er aber abgesagt hat. Entweder setzt er nun über Pfingsten aus, oder er springt am Samstag ... na? In Eppingen. 23. Hochsprungmeeting. Ein paar Vereinskollegen sollen an Pfingsten auch in Jena, Pfungstadt oder Gelenau vorbeischauen.