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Kampfsport:Starke Arme, freier Kopf

MARIE LANG HEIMTEXTIL FRANKFURT PUBLICATIONxNOTxINxUSA; Kickboxen

Der Kampf gegen sich selbst war diesmal leichter: Marie Lang ist bereits Weltmeisterin in den Gewichtsklassen bis 60 und bis 62,5 Kilogramm – nun will sie auch den Titel bis 65 Kilo.

(Foto: imago/Hoffmann)

Die Münchner Kickboxerin Marie Lang will in der dritten Gewichtsklasse den WM-Titel gewinnen - den Schwitzanzug brauchte die 32-Jährige diesmal nicht.

Wenn diese Woche für Marie Lang eine normale gewesen wäre, wäre es eine Woche der Leiden gewesen. Jedes Training im Schwitzanzug, wenig Essen, noch weniger Kohlehydrate, bloß kein Fett. Am Ende nur wenig Wasser, denn in einer normalen Woche vor dem Kampf wird selbst Wasser zum Feind. In dieser Woche aber musste Lang fast nicht leiden, sie konnte auf den Schwitzanzug verzichten. Gut, zu essen gab es immer noch wenig, zumindest bis zum Mittwoch, bis zum Wiegen, und sie hat auch nicht literweise Wasser in sich hineingeschüttet. Lang sagt dennoch: "Dieses Mal war es ein bisschen entspannter." Denn dieses Mal ist ein erstes Mal.

Am Donnerstagabend kämpft Marie Lang im Club "Mixed Munich Arts" um die Weltmeisterschaft des Verbandes WKU, bei dem sie bereits die Titel in der Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm sowie in der bis 62,5 Kilogramm hält. Am Donnerstag tritt sie in einer neuen Gewichtsklasse an, bis 65 Kilogramm. 2,5 Kilogramm Unterschied - für Lang machen sie eine Gefühlswelt aus. "Die letzte Woche konnte ich endlich mal ganz locker angehen."

Über wenig reden Kampfsportler so leidenschaftlich wie über ihr Gewicht vor der letzten Kampfwoche. Mancher erzählt vom Schwitzanzug, andere vom Seilspringen in der Sauna, und wer sich von besonders viel Gewicht trennen muss, der erzählt von trockenen, aufgerissenen Lippen, weil er am Abend vor dem Wiegen nicht einmal mehr Wasser trinkt. Lang, 32, unbesiegt in 33 Kämpfen, seit 2015 Weltmeisterin, hatte nie große Probleme mit dem sog. Abkochen. Meistens geht sie mit 2,5 Kilogramm zu viel in die Kampfwoche, an den letzten zwei Tagen vor dem Kampf trainiert sie im Idealfall gar nicht mehr, am vorletzten nur, wenn das Gewicht noch nicht stimmt.

Dass Lang an diesem Donnerstag gegen die Weißrussin Alexandra Sitnikova, 22, in einer höheren Gewichtsklasse kämpfen darf, verdankt sie zum einen ihrer Prominenz, sie ist die bekannteste und für viele auch die beste deutsche Kickboxerin. Mit WM-Titeln in drei Gewichtsklassen, und alle drei gleichzeitig gehalten, wird sie noch prominenter. Dass sie in einer höheren Gewichtsklasse antritt, verdankt Lang aber auch einer neuen Leidenschaft. Im Herbst gönnte sie sich eine Pause vom Kickboxen. Die dazu gewonnene Zeit nutzte sie für mehr Krafttraining.

Der Sprung in eine dritte Gewichtsklasse, sagt Lang, sei nicht geplant gewesen, "aber das hat sich jetzt alles gut zusammengefügt"; bis 65 Kilogramm sei der Titel vakant gewesen, dann kam der Verband auf sie zu. Gelegen kam es ihr aber auch aus Motivationsgründen. Inzwischen ist das Kickboxen ihr Hauptberuf, "dadurch ist der Druck ein ganz anderer geworden", sagt Lang. "Es wird erwartet, dass ich gewinne, am meisten erwarte ich das von mir selbst." Nach ihrem Sieg im September sei "der Spaß ein bisschen weg gewesen". Also beschloss sie, dass sie nicht nur wie sonst eine Woche pausiert, sondern länger. Da eine Pause für Lang aber nicht bedeutet, nichts zu tun, entdeckte sie die Möglichkeiten des Kraftraumes neu für sich. Beine, Rücken, Arme. Mal mit dem eigenen Körpergewicht, mal klassisches Training mit den Hanteln. Keine Taktik, keine Technik. Sie bekam den Kopf frei. "Als wir im Januar mit der Vorbereitung begonnen haben, war ich so motiviert wie lange nicht mehr."

In der neuen Gewichtsklasse erwarten sie nun Gegnerinnen, die über mehr Schlaghärte verfügen, vielleicht wird sie sich darauf erst einmal einstellen müssen. Andererseits weiß Marie Lang auch ganz gut, dass sie seit dem vergangenen Herbst selbst mehr Kraft in den Beinen und den Armen hat.