Basketball-Nationalspieler Maodo Lo "Die Belastung ist Wahnsinn"

„Die Titelverteidigung ist das Ziel“: Maodo Lo, 25, ist nicht zuletzt wegen der Aussicht auf drei Jahre Euroleague an die Isar gewechselt. Meister und Pokalsieger will der FC Bayern sowieso wieder werden.

(Foto: imago/Pixsell)

Der deutsche Basketball-Meister FC Bayern München startet in die Saison. Ein Gespräch mit Nationalspieler Maodo Lo über die Euroleague, seine Zeit in Bamberg und das Singen vor Kollegen.

Interview von Ralf Tögel

Maodo Lo hat Hunger. Gerade ist das Training zu Ende gegangen, Coach Dejan Radonjic fordert in den letzten Tagen vor dem Saisonstart viel von seinen Spielern. Der 25-Jährige ist vom entthronten Meister Bamberg zum Doublesieger an die Isar gewechselt. Er hat noch einen PR-Termin, am Abend ist Training. Aber zwischen ein paar Happen nimmt Lo sich die Zeit für ein Gespräch: über die Konkurrenz, die Ziele mit seinem neuen Klub und die Kunststadt München.

SZ: Haben Sie schon vor der Mannschaft gesungen?

Maodo Lo: (lacht) Nein, nein. Nicht als Pflicht. Vielleicht einfach so, wenn ein gutes Lied kam, ich mag Musik und singe auch gern. Vielleicht hat mich ein Teamkamerad gehört. Aber vorsingen musste ich nicht.

Also kein Aufnahmeritual?

Nein.

Wie wurden Sie denn aufgenommen?

Das war sehr, sehr gut. Es sind sehr nette Spieler in der Mannschaft, mit gutem Charakter. Ich glaube, das ist sehr wichtig für die Teamchemie und es zeigt sich auch, indem sie neue Spieler gut aufnehmen. Das ist in meinem Fall passiert.

Sportdirektor Daniele Baiesi, der Sie aus gemeinsamen Bamberger Zeiten kennt, hat sie als "überschäumende Persönlichkeit" bezeichnet, wie sehen Sie sich?

Wenn ich mich selbst beschreiben müsste, würde ich mich als sehr fair sehen.

Im Umgang mit Menschen?

Genau, ich möchte, dass alle Situationen fair sind, das ist für mich wichtig. Ich denke darüber nach, wie sich Menschen in verschiedenen Situationen fühlen und versuche, nett zu sein.

Die Ziele in München sind immer hoch, ist das Double Pflicht?

Das ist das Ziel. Den Meistertitel zu verteidigen ist nicht einfach, denn alle werden versuchen, dir das wegzunehmen.

14 der 18 Bundesligatrainer halten Ihre neue Mannschaft für die beste der Bundesliga, liegen sie richtig?

Ich denke, die Leistung der vergangenen Saison ist ausschlaggebend für diese Aussagen. Das Double zu holen ist schwierig, daher sind diese Einschätzungen verständlich. Deshalb sind wir auch Topfavorit.

Der Kern des Teams wurde gehalten, namhafte Spieler geholt, wie zuletzt Derrick Williams aus der NBA. Ist die aktuelle Mannschaft noch stärker einzuschätzen?

Williams ist ja noch nicht bei uns. Aber das Team braucht für Bundesliga und Euroleague eine gewisse Tiefe, und in dieser Hinsicht ist es meiner Meinung nach sehr gut zusammengestellt, im Sinne von unterschiedlichen Qualitäten, die sich ergänzen, auch von den Charakteren her.

Präsident Uli Hoeneß will den Titel verteidigen und wünscht sich, dass der FCB die Euroleague-Endrunde erreicht. Ein bisschen viel Hypothek?

Im Gegenteil, auf diesem Level zu spielen, vor allem in der Euroleague, ist sehr reizvoll. Ich habe noch viele Ambitionen, will mich entwickeln, weitere Karriereschritte gehen. Deshalb war es richtig für mich, auf diesem Level zu bleiben. Das hatte ich in den vergangenen Jahren in Bamberg, und das wollte ich unbedingt halten.

Die Konkurrenz auf der Spielmacherposition ist groß. Stefan Jovic ist Point Guard der Serben, hat Olympia-Silber gewonnen, Braydon Hobbs seit Jahren in der Liga auf Topniveau. Das wird Ihnen auch keine Angst machen?

Nein, es ist immer gut, eine Herausforderung zu haben, das ist wichtig für die Entwicklung. Und wir ergänzen uns gut.

In Bamberg war das nicht anders, da hießen Ihre Konkurrenten Daniel Hackett und im Jahr davor Fabien Causeur, beide europäische Topspieler.

Das ist richtig, ich hatte dort wirklich wahnsinnig gute Spieler auf meiner Position. Das ist also nichts, was mir fremd ist.

Sie haben gesagt, der FC Bayern ist die nächste Stufe, wo soll es denn hingehen?

Mein Ziel ist es, mich auf dem höchsten Niveau, zu dem ich fähig bin, Saison für Saison zu steigern: Immer besser und besser zu werden, dann werde ich sehen, wohin das führen kann.

Sie haben in Amerika im College gespielt, ist die NBA nicht das logische Ziel?

Euroleague ist schon ein sehr hohes Niveau. Mit dem nötigen Glück und wenn alles gut läuft, ist es möglich, auch diesen Schritt zu machen. Aber wie gesagt, es ist ein Prozess, und man braucht auch Glück, gesund und fit zu bleiben.

Sportdirektor Baiesi war froh, dass Sie sich den FC Bayern ausgesucht haben. Das impliziert, dass es andere Angebote gab.

In erster Linie habe ich entschieden, dass ich Bamberg verlassen werde und mich bewusst für den FC Bayern entschieden.

Baiesi war in Bamberg Ihr Sportdirektor, Münchens Co-Trainer Emir Mutapcic hat Sie 2014 als Bundestrainer das erste Mal in die deutsche Nationalmannschaft berufen. Gute Gründe für die Bayern?

Unter anderem, ja, klar. Daniele hat mich auch in Bamberg rekrutiert. Das gibt einem ein gutes Gefühl, wenn man schon eine Bezugsperson kennt.

Was noch?

Die Stadt, von dem, was man gehört hatte. Ich war vorher noch nie richtig hier, aber München ist wirklich eine schöne Stadt.

Bekommt ein Profi so viel mit von München, er sieht doch hauptsächlich die Halle von innen?

Ich wohne in der Nähe von Schwabing, versuche viele Restaurants zu erleben, gehe spazieren. Ich bin auch kunstinteressiert, war in der Kunsthalle, im Museum Brandhorst, als nächstes möchte ich in die Pinakothek gehen.

Es gibt andere schöne Städte in Europa.

Mag sein. Aber wenn man schon so einen Topklub im Land hat, der für die Zukunft so viel verspricht, dann ist das doch die erste, logische Option.

Am Freitag geht es los, dann spielt der FC Bayern in Ulm. Sind Sie bereit?

Wir hatten eine sehr harte Vorbereitung, haben sehr hart und gut trainiert. Ich denke, wir können in Ulm einen guten Start hinlegen.

Es gab aber auch Störungen. Trainer Dejan Radonjic beklagte, dass er lange auf die Nationalspieler verzichten musste. Ist es ein Nachteil, so viele Auswahlspieler im Kader zu haben?

Das stimmt. In guten Mannschaften ist das halt so, wir sind nicht die einzigen, die damit zu kämpfen haben. Natürlich stört das eine Vorbereitung, aber da kann man nichts ändern.

Wer sind die größten Konkurrenten?

Das sind, wie jedes Jahr, Bamberg und Berlin. Aber es kommen immer neue Mannschaften dazu, die eine starke Saison spielen. Vor zwei Jahren war es Ulm.

Oldenburg spielte stark in der Vorbereitung, Frankfurt scheint gut drauf zu sein, viele handeln Würzburg hoch.

Das wird man sehen, das ist schwer abzuschätzen.

Und der FC Bayern trägt die Bürde Euroleague. Zu den 34 Hauptrundenspielen in der Bundesliga und mindestens einem Pokalspiel kommen allein in der Euroleague 30 Spiele dazu. Damit muss ein Team erst einmal klarkommen.

Ja, die Belastung ist schon Wahnsinn.

Und dann noch die Nationalmannschaft.

Das ist auch eine Erfahrung für einen Verein. Der lernt, wie man die Spieler schont, wie sie am besten regenerieren, wenn sie nicht spielen. Der Klub muss einen Weg finden, die Mannschaft zu trainieren und fit zu halten, gleichzeitig aber Regeneratives zu machen. Doch es ist schon sehr grenzwertig, das habe ich in den vergangenen zwei Jahren bei Bamberg erfahren.

Viele Spieler im Team haben noch nie Euroleague gespielt. Was kommt auf sie zu?

Eine neue Konstellation, und man muss lernen, damit umzugehen. Es wird eine Erfahrung, an der man wachsen muss.

Für Sie war es der Hauptgrund, hierher zu wechseln, zumal der FC Bayern drei Jahre Planungssicherheit bietet.

Natürlich, die Sicherheit, an diesem Wettbewerb teilzunehmen, ist für einen Spieler sehr attraktiv.

Was bringt die Euroleague außer Anstrengung für die Spieler?

Alle Topteams kommen nach München. Das ist auch für den Basketballstandort gut, das kann zusätzliche Leute für den Sport begeistern.

Was erwarten Sie sportlich?

Es wird Höhen und auch Tiefen geben.

Mehr Höhen oder mehr Tiefen?

Das kann man nicht sagen, aber in einer Saison, in der man so viel spielt, so eine Anstrengung hat und sich nicht so sehr auf die Spiele vorbereiten kann - da passieren viele unerwartete Dinge. Das ist aufregend, aber auch sehr kraftraubend. Man muss sich da hindurch navigieren.

Bamberg hat sich ja nicht für die Euroleague qualifiziert, stattdessen für fünf Jahre an die Champions League gebunden, das weniger hochklassige Format des Weltverbandes Fiba. War das ein Fehler?

Sie haben sich eben für einen anderen Weg entschieden. Das ist ein Klasseverein, mit Charakter und Kultur, der jahrelang auf dem höchsten europäischen Niveau gespielt hat. Das tun sie jetzt vielleicht nicht mehr, können aber jüngere Spieler entwickeln. Ich kann mir vorstellen, dass das gut ankommt und auch wieder Begeisterung in der Stadt erzeugt.

Aber die besten Spieler wollen in die Euroleague. Droht Bamberg den Anschluss zu verlieren?

Junge Spieler mit großem Potenzial zu entwickeln, das ist doch eine sehr noble Sache. Und auch gut und wichtig für den deutschen Basketball. Ich hatte zwei wahnsinnige Jahre dort und habe mich gut entwickelt. Ich bin Bamberg sehr dankbar.

Der FC Bayern setzt auf Kontinuität, drei Jahre Euroleague sind gesichert, die neue Halle für mindestens 10 000 Zuschauer ist 2021 fertig, der Klub präferiert langfristige Verträge. Sie haben für zwei Jahre unterschrieben, wäre der FC Bayern ein Klub für eine längerfristige Zukunft?

Sicherlich. Bisher gefällt es mir sehr. Es ist sehr attraktiv zu wissen, was hier in Zukunft passieren wird. Vor allem die Sicherheit in der Euroleague, das ist für einen deutschen Spieler schon sehr interessant.