Hockey Welpenschutz aufgehoben

"Wir schaffen es nicht, konstant unsere Leistung abzurufen“: Nike Beckhaus, 18-jährihges MSC-Talent, blickt gegen Berlin dem Ball hinterher.

(Foto: Claus Schunk)

Die MSC-Hockeyfrauen sichern den Erstliga-Klassenerhalt, stagnieren allerdings in ihrer Entwicklung.

Von Katrin Freiburghaus

Es war kein Wetter für Hockey-Freunde und - das gab André Schriever ohne Umschweife zu - vonseiten seines Teams auch kein Hockey für Hockey-Freunde. "Wir haben uns nahtlos angepasst", sagte der Trainer der Erstliga-Frauen vom Münchner Sportclub (MSC) am vergangenen Sonntag, "mir hat die Körpersprache schon nicht gefallen, wir waren in beiden Spielen zu lethargisch." Das offizielle Eröffnungswochenende, zu dem Männer und Frauen des MSC jeweils zwei Spiele zu Hause bestritten, war zudem kurioserweise eher ein Abschiedswochenende für die Frauen: Wegen des zugunsten des Länderspielkalenders gestauchten Spielplans steht lediglich noch die Partie gegen Mülheim am kommenden Sonntag an, die Männer spielen noch bis Ende Juni.

Am Samstag hatte den MSC-Frauen eine durchwachsene Leistung gegen ebenfalls müde wirkende Berlinerinnen noch zu einem Last-Minute-Sieg gereicht. In der schwachen Partie waren Torszenen und echte Chancen 59 Minuten lang die Ausnahme gewesen. Erst kurz vor dem Schlusspfiff hatte Sarah Jamieson jedoch zum 1:0 für den MSC getroffen. "Das war ein dreckiger Sieg und vielleicht nicht unbedingt verdient, aber den nehmen wir gerne mal so mit", hatte Schriever gesagt. Immerhin hatte der Klassenerhalt für sein Team nun auch rechnerisch festgestanden. Während es für den neuntplatzierten MSC und den Siebten Berlin aber um nicht mehr viel gegangen war, erkämpften sich die Zehlendorfer Wespen beim 1:1 (0:0) am folgenden Tag einen wichtigen Punkt im Abstiegskampf.

Für die laufende Spielzeit war dieses Remis aus MSC-Sicht zwar relativ unerheblich, saisonübergreifend ärgerte es Schriever jedoch. Weil der Verband nach flächendeckenden Protesten gegen eine Verkleinerung der Ligen lieber einen geänderten Modus beschloss, wird im kommenden Herbst nur noch eine vollständige Hinrunde gespielt. Die zweite Saisonhälfte absolviert die Liga in zwei Gruppen, deren Zusammensetzung sich aus der Abschlusstabelle dieser Saison ableitet. Da sich kaum noch große Veränderung ergeben werden, muss der MSC wohl gegen vier Mannschaften aus Hamburg und den Klub Rot-Weiss Köln antreten. "Das ist unangenehm, und wir wollten das in einem Endspiel um Platz sieben am letzten Spieltag eigentlich vermeiden, aber dieses Ziel haben wir verpasst", sagte Schriever.

Am Ende der zweiten Saison nach dem großen personellen Umbruch sei er nicht unzufrieden mit der Team-Entwicklung. Sportlich stagniert das Team jedoch: Nach Rang sieben vor einem Jahr schneidet der MSC diesmal nicht nur bei der Platzierung schlechter ab, auch der qualitative und tabellarische Abstand zu den Top-Teams hat sich vergrößert. Dem Kader fehlt die Breite, aber auch qualitativ hält Schriever punktuelle Verstärkung für notwendig. "Wir schaffen es nicht, konstant unsere Leistung abzurufen, und nach zwei Jahren ist der Welpenschutz jetzt auch mal vorbei", sagte er, "das muss ab der kommenden Saison wesentlich besser werden."

Die MSC-Männer verspielten am Wochenende beim 2:2 (0:1) gegen den Tabellenführer TSV Mannheim wohl die letzte Chance, noch einmal in den Aufstiegskampf der zweiten Liga einzugreifen. Gegen Mariendorf gewannen sie am Sonntag aber trotz des Dämpfers mit 4:1 (1:0). Zudem befreit sich die ebenfalls grundlegend verjüngte Mannschaft von Trainer Patrick Fritsche zunehmend aus dem Schatten, den das über Jahre im Spitzensegment der ersten Liga etablierte Frauen-Team geworfen hatte. Obwohl sie als Dritte der zweiten Liga die Nummer zwei im Klub sind, wirkt es, als hätten sie im Duell mit den eigenen Ansprüchen derzeit die Nase vorn. Während die Frauen noch sichtbar daran arbeiten, die Erwartungshaltung loszuwerden, die ihre Vorgängerinnen geschürt haben, überwiegt bei den Männern die Spielfreude. "Für unsere Jungen war es eher ein Aufbruch als ein Umbruch", sagte Fritsche. Was das langfristig wert ist, soll sich im kommenden Frühjahr zeigen.