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Hockey:Stimmung im Dreieck

Vier Tore für ein „Neun-Punkte-Wochenende“: MSC-Kapitän Alexander Inderthal.

(Foto: Claus Schunk)

Die Männermannschaft des Münchner SC mit makelloser Bilanz an diesem Wochenende, gemischte Gefühle dagegen bei den Frauen. Sie spielten gegen Köln unter ihren Möglichkeiten

Unter Wiesn-Kritikern ist es eine offen ausgesprochene Empfehlung, die Stadt vor dem Anstich zu verlassen und möglichst nicht zurückzukehren, ehe das Bier-Spektakel auf der Theresienwiese wieder abgepfiffen wurde. Die Hockey-Männer des Münchner Sportclubs gehören allerdings nicht zu ihnen. Trotzdem mussten sie ihren Team-Besuch auf das zweite Wochenende legen, denn zum Auftakt "sind wir lieber ein bisschen im Dreieck rumgefahren", witzelte Trainer Patrick Fritsche über den vergangenen Auswärtsspieltag in der zweiten Bundesliga Süd. Es gilt als gesichert, dass die Stimmung im Zug auf der Rückfahrt am Sonntag nicht wesentlich schlechter war als auf der Wiesn, denn der MSC hatte aus den beiden Partien beim TSV Mannheim und bei den Randberlinern aus Mariendorf sechs Punkte im Gepäck.

Fritsche hatte das Wochenende unter das Motto "der drei großen Fragezeichen" gestellt. Er wollte wissen, wie weit sein Team in seiner Entwicklung "auf, neben und auf fremdem Platz" sei. Spielerisch hatte es beim 3:3 gegen Lichterfelde zuletzt einen Dämpfer gegeben, den Zusammenhalt stellten drei Tage Reise mit großem Kader auf die Probe, und auswärts hatte der MSC bei seinem Erstliga-Intermezzo keinen einzigen Punkt geholt, "weil wir die Einstellung zum Spiel nicht gefunden haben". Fritsches Fazit nach dem Test fiel mehr als zufriedenstellend aus: "Wir können aus den drei Fragezeichen drei Ausrufezeichen machen", sagte er.

Der Sieg in Mannheim ist ein Ausrufezeichen im Titelkampf

Beim Mitabsteiger und größten Konkurrenten um den direkten Wiederaufstieg spielte der MSC zunächst stark auf und ging verdient durch Kapitän Alexander Inderthal in Führung (20., kurze Ecke). Mit zunehmender Spieldauer fand der TSV aber immer besser ins Spiel, scheiterte jedoch an der aufopferungsvollen Abwehrleistung des MSC und vor allem an dessen glänzend aufgelegtem Torhüter Felix Reuss. Das Resultat sei keine Vorentscheidung im Aufstiegskampf, sondern lediglich ein erster Schritt, betonte Fritsche, "aber es war wichtig, sowohl uns als auch der Liga zu zeigen, dass wir da oben mitspielen werden".

In Mariendorf agierte der MSC viel fokussierter als beim unnötigen Remis gegen Lichterfelde. Mit zwei Ecken-Treffern von Inderthal (20., 44.) sowie Toren von Marinus Mack (47.) und Henry Förster (60.) schob sich das Team sogar vorübergehend an die Tabellenspitze. "Das war ein Neun-Punkte-Wochenende für uns", sagte Inderthal hörbar zufrieden, "es war unheimlich wichtig für uns zu sehen, dass wir es auch neu zusammengewürfelt gegen einen so stark besetzten Gegner wie den TSV schon drauf haben." Fritsche hatte denselben Eindruck: "Es gibt uns allen Sicherheit und Vertrauen, dass sich der Weg, den wir gerade einschlagen, auch in positiven Ergebnissen spiegelt", sagte er.

Was die mannschaftliche Geschlossenheit anbelangte, war auch André Schriever zufrieden. Rein sportlich war das Heimspiel-Wochenende dagegen ein Wechselbad der Gefühle. Die Erstliga-Frauen des MSC spielten bei zwei Punkteteilungen gegen Düsseldorf (1:1) und Köln (1:1) am Samstag gegen den Favoriten Düsseldorf eine starke Partie, am Sonntag gegen Köln allerdings deutlich unter ihren Möglichkeiten. So blieben unterm Strich ein Zusatzpunkt vom Samstag und zwei verlorene Punkte gegen Köln, wobei Kapitänin Michelle Strobel einräumte, "dass der Punkt sogar noch glücklich war, weil wir mit dem Kopf einfach irgendwie nicht da waren".

Schriever monierte, dass seine Mannschaft "60 Minuten lang keinen Zugriff bekommen und irgendwie emotionslos" agiert hätte. Für das Team spreche jedoch, "dass es nicht auseinandergefallen ist und noch den Punkt erzwungen hat". Der MSC hatte jeweils zurückgelegen; gegen Düsseldorf hatte Jacqueline Dorner (30.), gegen Köln Anissa Korth (47.) zum Ausgleich getroffen. Tabellarisch steht der MSC weiter auf jenem siebten Platz, den er sich im ersten Jahr nach dem großen Umbruch auch für die Endabrechnung vorgenommen hat.