Hockey Missglückte Generalprobe

Szene mit Seltenheitswert: Anne Schröder (re.) entwischt ihrer niederländischen Gegenspielerin, trifft aber wie ihre Kolleginnen nicht ins Tor.

(Foto: Claus Schunk)

Die deutschen Hockeyfrauen bleiben beim Four-Nations-Cup in Grünwald sieglos - bei der Weltmeisterschaft ab Samstag soll es dann besser klappen.

Mit dem Halbzeitpfiff erhoben sich zahlreiche Zuschauer - rund 1000 waren zum Finaltag gekommen - auf der eigens aufgebauten Tribüne im Grünwalder Freizeitpark. Viele holten sich etwas zu trinken. Bei strahlendem Sonnenschein und knapp 30 Grad konnte ihnen das auch niemand verdenken. Inmitten der Menge stand ein kleiner Junge, von all dem Trubel um ihn herum bekam er offenbar gar nichts mit. Konzentriert rollte er seine Deutschlandfahne zusammen. Er spürte wohl, dass er sie heute nicht mehr brauchen wird. Denn die deutschen Hockeyfrauen lagen zur Halbzeit gegen den Weltranglistenersten aus den Niederlanden mit 0:2 zurück. Ein Doppelschlag kurz vor der Pause hatte den Favoriten in eine komfortable Ausgangssituation gebracht.

Für ihr abschließendes Samstagsspiel beim Four Nations Cup auf der Anlage des TSV Grünwald hatten sich beide Teams viel vorgenommen. Eine Woche vor der Hockey-Weltmeisterschaft in London war diese "Mini-WM vor der WM", wie der deutsche Nationaltrainer Xavier Reckinger das Turnier nannte, eine letzte optimale Testmöglichkeit für die ambitionierten Hockeynationen und eine seltene Gelegenheit für das bayerische Publikum, hochklassigen Hockeysport zu sehen. Gut 2000 Interessierte kamen an den drei Turniertagen zu den Spielen.

"Wir sind trotz der fehlenden Erfolgserlebnisse guter Dinge", sagt Bundestrainer Reckinger

Die Gastgeberinnen, die zuvor gegen Argentinien (1:2) und Neuseeland (2:3) jeweils sehr unglücklich verloren hatten, wollten das Turnier gerne mit zählbarem Erfolg beenden, die Niederlande hingegen auch im dritten Spiel siegreich bleiben. Die deutsche Abwehr um Spielführerin Janne Müller-Wieland ließ in den ersten 15 Minuten keine nennenswerte Chance der offensivstarken Nachbarn zu. Diese erhöhten im zweiten Viertel dann jedoch den Druck und schlugen gleich doppelt zu. Nach einem Angriff über links nutzte Margot van Geffen die Hereingabe und schob aus kurzer Distanz zum 0:1 ein (27. Minute). Binnen einer Minute legte die Elftal nach: Einen weiteren Querpass konnte Deutschland nur hoch abwehren, im Volley-Nachschuss drückte Frederique Matla den Ball über die Linie.

Deutschland, von diesem Doppelschlag kurz vor der Pause offensichtlich konsterniert, hatte sich auch nach Wiederbeginn noch nicht gesammelt. In der 33. Minute traf Lidewij Welten nach einem Sololauf in den deutschen Schusskreis mit der Rückhand sehenswert unter die Latte (33.). Das 0:3 binnen fünf Spielminuten sorgte für die endgültige Vorentscheidung. Die Niederlande verwalteten den Vorsprung geschickt und kamen nach einer Strafecke noch zum 0:4 Endstand (51.). Deutschland spielte zwar danach offensiver, doch Zwingendes brachte die Mannschaft von Trainer Reckinger nicht zustande. So sicherten sich die Niederlande mit neun Punkten den Turniersieg vor Argentinien und Neuseeland und zeigte sich kurz vor der WM zumindest als Trainingsweltmeister. Man selbst sei dagegen in der Vorbereitung eher nicht für Top-Ergebnisse bekannt, sagte Deutschlands Anne Schröder nach der Partie. "Wir nehmen aus den Spielen hier mit, was wir für die WM brauchen. Denn dann zählt es wirklich," ergänzte sie.

Für ihren Trainer gilt das besonders im Defensivbereich. Die Gegentore seien zu einfach gefallen. "Die drei Spiele gegen starke Gegnerinnen haben uns aber auch noch mal entscheidend nach vorne gebracht. Im Vergleich zu früheren Testspielen war das schon deutlich höheres Tempo. Wir sind trotz der fehlenden Erfolgserlebnisse guter Dinge", sagte Reckinger. Wenn es nach dem Bundestrainer geht, kann der kleine Junge seine Deutschlandfahne bald wieder ausrollen. Am kommenden Samstag trifft Deutschland in der WM-Staffel C zum Auftakt auf Südafrika, danach geht es gegen Argentinien (25. Juli) und Spanien (28. Juli).