bedeckt München 29°

Hockey:Ihr Paket liegt zur Abholung bereit

Der Münchner SC gewinnt das Spitzenspiel der zweiten Bundesliga und liegt nach drei Begegnungen mit voller Punktzahl auf Platz eins

Der Satz, man schaue nicht auf die Gegner, sondern nur auf sich selbst, gehört zu den Lieblingsfloskeln von Sportlern, die keinen unnötigen Erfolgsdruck aufbauen wollen. In den meisten Fällen handelt es sich um eine Schutzbehauptung. Den Hockeyspielern des Münchner Sportclubs ist es nach dem vergangenen Wochenende allerdings zuzutrauen, dass sie sich tatsächlich eine Weile nicht mit den Ergebnissen ihrer ärgsten Konkurrenten um den Aufstieg befassen werden - nicht aus Ignoranz, sondern vor lauter Freude darüber, dass sie es sich endlich einmal leisten können.

Anders als in den vergangenen Jahren üblich grüßt der Sportclub seine Gegner nach drei absolvierten Spielen von der Tabellenspitze. Er gewann das designierte Spitzenduell der zweiten Liga Süd am Samstag bei Erstliga-Absteiger Blau-Weiss Berlin mit 2:1 (1:0). Die Tore zur zwischenzeitlichen 2:0-Führung für den MSC erzielten Philipp Schippan mit seinem ersten Bundesliga-Treffer (27.) und Michael Hummel (55.).

"Es war ein Kampf von zwei richtig guten Zweitligamannschaften. Berlin war optisch überlegen, aber wir haben mit zwei super Kontern genau das gemacht, was wir wollten, nämlich aus einer sehr starken Abwehrleistung heraus aufbauen", fasste Trainer Stefan Kermas die Partie zusammen. "Wir haben das Paket befüllt - morgen müssen wir dafür sorgen, dass wir es auch abschicken, damit die Punkte dort ankommen, wo wir sie haben wollen", sagte er in Hinblick auf die Sonntagsbegegnung mit Mariendorf.

Seine Mannschaft tat, wie ihr geheißen. Zwar entpuppte sich der Aufsteiger wie erwartet als höchst unangenehm, nach sehr zähem Beginn und der lange schmeichelhaften 1:0-Führung (Moritz Rünzi, 2.) kämpfte sich der MSC aber ins Spiel und gewann verdient 7:1 (3:0). "Es war weit vom Optimum entfernt, aber für die Bedingungen eine total solide Leistung", bilanzierte Kermas. Weil sich Alexander Inderthal am Vortag gegen Blau-Weiss eine Bänderverletzung zugezogen hatte, war Co-Trainer Konstantin Rentrop kurzerhand in den Kader gerückt. Darüber hinaus waren die Platzbedingungen schwierig und die Gastgeber hoch motiviert. "Die haben uns nichts geschenkt und sind bis zum 4:0 voll dran geblieben, es war deshalb kein schönes Spiel, aber wir haben jetzt neun Punkte - das ist alles in Ordnung so", sagte Kermas. Die übrigen Tore für den MSC schossen Sten Brandenstein (2), Florian Michel, Felix Greffenius, Christian Schellinger und Eike Bumb.

Weil Blau-Weiss Berlin bereits am ersten Liga-Wochenende beim Remis in Frankfurt Punkte liegen ließ, hat der MSC trotz eines Spiels weniger zwei Zähler Vorsprung auf die Hauptstädter; erster Verfolger ist mit acht Punkten und ebenfalls einem Spiel mehr Frankfurt. "Es ist eine schöne Situation, vorneweg zu marschieren, statt immer gleich direkt nach dem Spiel aufs Handy schauen zu müssen, wie der Gegner gespielt hat", sagte Kapitän Greffenius.

Für die MSC-Frauen verlief der Start in die Erstliga-Saison weniger erfreulich. Vom Auswärtswochenende in Köln und Düsseldorf kamen sie ohne Punkte zurück. In der Wiederauflage des Halbfinals gegen Köln unterlag der MSC nach zwischenzeitlichem 1:1 durch Hayley Brown (7.) mit 1:2 (1:2). Dennoch war Trainer Chris Faust nach der Partie "bis auf das Ergebnis zufrieden". Er betonte, "dass wir eine schwierige Vorbereitung mit vielen Verletzungen und vielen Neuen hatten, die wir noch integrieren müssen". Der 47-Jährige war direkt vom World-League-Turnier angereist, wo er die Schweizer Nationalmannschaft betreut hatte.

"Es lief spielerisch schon besser als gedacht", sagte er, "wir sind mit zunehmender Spieldauer stabiler geworden und hatten eine tolle Stimmung im Team." Am Sonntag unterlag der MSC in Düsseldorf allerdings 1:3 (1:0). "Ab der zweiten Halbzeit hat man den Trainingsrückstand gemerkt, da waren wir platt", sagte Faust, "außerdem dauert es einfach ein bisschen, bis alles zusammenpasst." In der Tabelle reiht sich der MSC vorerst im unteren Drittel ein. Das soll sich zum Heimauftakt am nächsten Wochenende ändern: Dann will Faust gegen Berlin und Lichterfelde, die ebenfalls mit Niederlagen starteten, neben guten Eindrücken auch die ersten Punkte sammeln.