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Hockey:Hüpfender Schlusskreis

Enttäuschte Wespen, hüpfende Münchnerinnen: Philin Bolle (re.) hebt vor Freude über den wichtigen Führungstreffer ab.

(Foto: Claus Schunk)

Die Hockey-Frauen des Münchner Sportclubs belohnen sich für ihre seit Wochen ansteigende Form und bleiben erstklassig.

Von Katrin Freiburghaus, München

Als die Uhr auf der Anzeigetafel am vergangenen Samstag die letzten Sekunden heruntergezählt hatte, rannten die Hockey-Spielerinnen des Münchner Sportclubs auf ihre Torfrau zu und bildeten mit ihr einen Kreis, der lange nicht aufhörte, zu singen und zu hüpfen. An der Mittellinie spielte sich eine leisere Szene ab, die illustrierte, wie lang der Weg zu diesem Jubel gewesen war: Trainer André Schriever umarmte Mannschaftskapitänin Michelle Strobel, dann gingen sie langsam über den Rasen und genossen aus der Distanz die Freude über den Verbleib in der ersten Bundesliga. "Das zu sehen, war ein Moment zum Genießen und Aufheben", sagte Schriever.

"Unser Plan war auf das Emotionale, das die reinbringen, mit maximaler Sachlichkeit zu antworten", sagt Trainer Schriever

Durch das 3:0 (1:0) gegen die Zehlendorfer Wespen nach dem 2:1 im Hinspiel gewann der MSC seine Playdown-Serie und bleibt erstklassig. Wie schon vor Wochenfrist waren die Randberlinerinnen aber ein unangenehmer Gegner, der kaum zur Spielgestaltung beitrug und den Ball in seinen stärksten Phasen aus allen Lagen in den Münchner Kreis zu bugsieren versuchte, um durch eine Unachtsamkeit zum Torerfolg zu kommen oder Strafecken zu provozieren. Der MSC bewahrte jedoch auch auf eigener Anlage die Ruhe. Selbst Schriever, der selten durch Gelassenheit auffällt, war nur sporadisch mit knappen taktischen Anweisungen zu vernehmen. Es sei geplant gewesen, "auf das Emotionale, das die reinbringen, mit maximaler Sachlichkeit zu antworten", sagte er, und fügte hinzu: "Ich weiß, dass das untypisch für mich ist, aber es war in diesem Spiel die richtige Entscheidung." Obwohl die Partie in der ersten Hälfte auf ein Tor lief, dauerte es bis zur 30. Minute, ehe Philin Bolle eine Strafecke zum 1:0 verwandelte.

Auch in den letzten beiden Vierteln änderte sich nichts an den Kräfteverhältnissen, allerdings wuchs beim MSC mit zunehmender Spieldauer die Sorge, das 1:0 könnte zu wenig sein. "Es hätte gut und gerne 5:0 stehen können, aber man hat immer im Hinterkopf: Rutscht doch einer durch?", erklärte Schriever. Knapp zwei Minuten vor dem Schlusspfiff erlöste Jacqueline Dorner Team und Trainer nach einem Zuspiel von Johanna Kandler mit ihrem Schuss ins leere Tor der Zehlendorferinnen, die ihre Torfrau zugunsten einer zusätzlichen Feldspielerin aus dem Kasten genommen hatten. Schriever nannte den Treffer "eine Erlösung". In der Schlussminute legte Jule Bleuel das 3:0 nach.

Die Corona-bedingte Modus-Änderung verschafft der Mannschaft mehr Zeit zum Reifen

Obwohl der MSC seit dem Beginn der Rückrunde auf die beiden K.o.-Spiele hingearbeitet hatte, setzte der Erfolg einen Schlusspunkt hinter eine deutlich längere Entwicklung. Die wegen der Corona-Pandemie auf zwei Jahre von 2019 bis 2021 gestreckte Saison hatte der MSC mit einem drastisch verjüngten und in großen Teilen unerfahrenen Kader begonnen. Das Team war zu Saisonbeginn kaum konkurrenzfähig, was Schriever weniger auf spielerische Defizite, denn auf fehlende Hierarchien zurückführte. "Bei vielen Rücktritten bricht auch die Führung weg", sagte der 39-Jährige, "die muss nachwachsen - und das dauert." Ganz anders als im Fall der Zweitliga-Männer des Klubs (siehe Meldung), profitierte sein Team somit womöglich von der Modus-Änderung, die ihm mehr Zeit zum Reifen verschaffte.

Über anderthalb Jahre stieg die Formkurve des MSC stetig an, der Abstand zu den Spitzenteams der Liga schmolz. In diesem Frühling stand laut Schriever "eine Einheit auf dem Platz, bei der es Spaß macht, zuzuschauen". In der kommenden Saison wird das Zuschauen wieder wahrscheinlicher. Es wird zudem mutmaßlich die erste Spielzeit seit Langem werden, die nicht mit einer Rücktrittswelle beginnt. Vielleicht sieht Schriever den hüpfenden Kreis also bald häufiger.

© SZ/toe
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