bedeckt München 24°

Hockey:Gemächlich im Gleichschritt

Die Hockeyteams von TuS Obermenzing (Mitte Lucas Brunner) und Rot-Weiß München haben in der Regionalliga ähnliche Probleme und ähnliche Ambitionen.

(Foto: Claus Schunk)

Die Teams von Rot-Weiß München und TuS Obermenzing wollen beide in die zweite Liga - wenn die Zeit reif ist

Die neue Saison begann für die Stadtrivalen TuS Obermenzing und Rot-Weiß, wie die alte aufgehört hatte: mit leistungsgerechtem Gleichstand. Die Hockey-Männer des HLC Rot-Weiß waren in der Abschlusstabelle als Dritte nur durch ein mehr erzieltes Tor knapp vor Obermenzing gelandet. Zum Auftakt der ersten Regionalliga Süd trafen die beiden Teams nun am vergangenen Wochenende im Dauerregen aufeinander und überließen sich beim 2:2 im Stile einer guten Bühnen-Performance gegenseitig je eine Halbzeit lang das Feld.

Gastgeber Obermenzing nutzte Aussetzer der durch den Ausfall von Kapitän Tobias Schua geschwächten Rot-Weiß-Defensive konsequent aus und entschied die erste Hälfte mit 2:0 ungefährdet für sich. Nach der Pause wurden die Gäste mit zunehmender Spieldauer vor allem in der Offensive immer dominanter. Was an eigener Defensivordnung fehlte, kompensierten sie durch Angriffe, kamen zum Ausgleich und ärgerten sich nach dem Abpfiff über mehrere vergebene Großchancen in den Schlussminuten.

"Weil es ein Derby war und wir zurücklagen, sind wir zufrieden, aber ich wollte mehr", gab ihr Trainer Carlos Escribá Liñero zu. "Wir kennen uns einfach zu gut", sagte sein Gegenüber Markus Wigh, "wir haben schon letzte Saison zweimal 0:0 gespielt - jetzt gab es wenigstens mal ein paar Tore." Rot-Weiß-Abteilungsleiter Philipp Crone fasste nicht nur die Partie, sondern wohl auch die mittelfristigen Aufgaben beider Klubs so zusammen: "Die eine Mannschaft hat jeweils was von dem, was die andere gut gebrauchen könnte."

Tatsächlich stehen bei Rot-Weiß Spieler im Kader, die auf Bundesliga-Niveau mithalten würden, aber die Leistungen schwanken sowohl innerhalb der Mannschaft als auch kollektiv über die Saison betrachtet. In der dritten Liga seien ein paar qualitativ bessere Spieler im Team nicht der entscheidende Vorteil, sagt Crone. Eine ausgeglichenere Mannschaft wie der TuS, die es aus seiner Sicht zudem mit taktischen Vorgaben ein wenig genauer nehme, tue sich leichter. "Unser Ziel ist deshalb auch in dieser Saison in erster Linie, die jungen Spieler stabiler zu machen und uns als Mannschaft zu festigen", sagt er.

Der Kader ist qualitativ gut, aber dünn besetzt. Durch den zum Ende der kurzen Hinrunde angekündigten Rücktritt von Jonathan Helferich wird Rot-Weiß zudem ein langjähriger Leistungsträger verloren gehen. Von Aufstiegsambitionen zu sprechen, hält Crone darum für verfrüht.

Coach Escribá äußert sich diesbezüglich offensiver. "Die Mannschaft legt von Spiel zu Spiel zu, diese Steigerung war auch schon in der Vorbereitung zu sehen", sagte der Spanier, "wenn wir so weitermachen, werden wir am Saisonende hoffentlich an der richtigen Stelle stehen: oben." Obermenzings Wigh mochte nicht über Ligazugehörigkeiten nachdenken, meinte aber im Grunde dasselbe, als er die "Handlungsziele" erläuterte, die ihm für seine nach einigen personellen Veränderungen noch nicht optimal eingespielte Mannschaft vorschweben. "Wir haben einige Leute mit Qualität verloren und dafür ein paar Neue bekommen, aber das muss erst zusammenwachsen. Man hat heute in Stresssituationen gesehen, dass da noch nicht alle Laufwege passen", sagte er.

Auf seinem Aufgabenzettel stehen Punkte wie besserer Aufbau, mehr Sicherheit in automatisierten Spielsituationen und zielstrebiger vorgetragene Konter. Denn all diese Dinge hatten Rot-Weiß im zweiten Spielabschnitt zurück in die Spur geholfen. Einen konkreten Termin für den Angriff auf die Tabellenspitze scheut Wigh deshalb ebenso wie Crone. "Bis zu diesen Zielen ist es noch ein weiter Weg", sagt er, "aber wenn wir sie irgendwann alle zu knapp hundert Prozent erreicht haben werden, wird der Aufstieg zwangsläufig kommen." Nach oben wollen demnach beide, aber nicht überhastet, wie es Rot-Weiß 2013 einmal vorgemacht hatte und postwendend wieder abgestiegen war. Vor allem aber wollen sie vorher in Ruhe arbeiten.