Handball Spiel mit dem Brucker Feuer

Was für ein Kampf, was für ein Sieg: Hier wirft sich der Fürstenfeldbrucker Spielmacher Falk Kolodziej in die Pfullinger Abwehrreihe.

(Foto: Günther Reger)

Dank einer leidenschaftlichen Leistung bezwingen die TuS-Handballer Pfullingen mit 31:29 Toren.

Von Nico Horn, Fürstenfeldbruck

Man hätte Martin Wild noch aufhalten können, als er losstürmte. Mit den Armen in der Luft fuchtelnd, lief er schimpfend in Richtung Schiedsrichter. Doch niemand auf der Auswechselbank stoppte ihn. Er war schon seit geraumer Zeit unzufrieden mit deren Leistung beim Drittliga-Spiel gegen den VfL Pfullingen. Und jetzt, nach 43 Minuten, passierte das, was man auf der Brucker Bank hätten ahnen müssen: Wild explodierte. Die Folge war eine Zweiminutenstrafe, die für sein Team doppelt ärgerlich war, denn sie musste fortan in zweifacher Unterzahl spielen. Und weil Alexander Leindl auch noch einen Pass mit dem Fuß abwehrte, spielten die Brucker plötzlich mit drei Mann weniger.

Zu dritt sprangen Sebastian Meinzer, Johannes Stumpf und Frederik Hartz von Seite zu Seite. Drei Verteidiger können sechs Angreifern kaum den Weg zum Tor versperren - und trotzdem kassierten sie nur einen Gegentreffer. In nur noch zweifacher Unterzahl, erzielte Meinzer sogar ein Tor und entfachte bei Fans und Spielern der Fürstenfeldbrucker ein Feuer. "Im Endeffekt hat uns diese Unterzahl sogar geholfen", sagte Wild. Schon in diesem Moment habe er gedacht, "dass die Jungs das heute nicht mehr hergeben".

Er behielt Recht, seine Mannschaft besiegte Pfullingen mit 31:29. Die etwa 30 Euro, die seine Zeitstrafe der Mannschaftskasse einbringt, wird Wild verkraften. Zumal er damit ja seinen Anteil an der Trotzreaktion hatte. Damit war nicht mehr unbedingt zu rechnen, nach dem blutleeren Auftritt beim Remis gegen Saarpfalz vor zwei Wochen hatte Wild noch geklagt, die Saison ziehe sich "wie Kaugummi". Die ganze Mannschaft habe über diesen Spruch gelacht. Gleichzeitig merkte der TuS-Trainer, dass es "den Jungs nicht passt", einfach weiter darauf herumzukauen. Nun sagt er: "Die Jungs haben nochmal Blut geleckt."

Warum auch nicht? Der achte Platz, der zur Teilnahme am DHB-Pokal berechtigt, muss ja noch gesichert werden. "Den möchten wir unbedingt erreichen", so Wild, wofür der TuS das letzte Saisonspiel am 4. Mai gegen die TSG Haßloch (19 Uhr) in eigener Halle gewinnen muss. Gleichzeitig darf Hauptkonkurrent Kornwestheim nicht jedes seiner letzten vier Spiele gewinnen. In diesem Fall wäre man zwar punktgleich, Kornwestheim hat den direkten Vergleich aber für sich entschieden.

Gegen den Tabellenelften aus Pfullingen spielte der TuS gleich von Beginn an mit viel Tempo. Nach gelungenen Abwehraktionen ging es meist schnell nach vorne. Manchmal ein bisschen zu schnell: Fast jeder Brucker nahm sich in den ersten Spielminuten einen überhasteten Wurf. Grundsätzlich sah Wild aber eine "guten Angriffsanlage". Spielmacher Falk Kolodziej sorgte mit der Pausensirene für die 17:12-Führung. Artistisch warf er einen Freiwurf vorbei an der versammelten Pfullinger Deckung und ins Tor. Für die Panther stand in diesem Moment Cedric Riesner zum ersten Mal auf der Platte. Der 17-jährige Juniorennationalspieler ist Kreisläufer in der B-Jugend des TSV Allach, wird aber auch im letzten Saisonspiel für die Brucker Panther spielen.

In der zweiten Hälfte, in der es chaotisch zuging, blieb Riesner aber draußen. "Eine Halbzeit guten Handball, eine Halbzeit spannenden Handball", so ordnete Wild das Geschehen ein. Sehr spannend wurde es spätestens nach 35 Minuten, als die Gäste nach einem der neun Treffer von Topscorer Marc Breckel den Halbzeitrückstand aufgeholt hatten (18:18). Kurz darauf folgte jene dreifache Unterzahl, die dem TuS den entscheidenden Elan zurückbrachte.

Den Sieg sicherte dann auch eine ausgesprochen leidenschaftliche Verteidigungsaktion. Meinzer, mit acht Treffern bester Brucker Werfer, sprang mit seinem am linken Ärmel zerrissenen Trikot durch den eigenen Kreis und wehrte einen Pass ab. Torwart Michael Luderschmid hechtete hinterher und boxte den Ball ins Toraus: Ballbesitz für den TuS. "Die Szene war symptomatisch für die Leidenschaft in der zweiten Halbzeit, die einiges an technischen Unzulänglichkeiten überdeckt hat", sagte Wild. Die Spielzeit wollen er und seine Mannschaft nun zum erfolgreichen Ende führen. Den eigenen Ansprüchen sei man oft "nicht gerecht geworden", umso wichtiger sei es für Team und Trainer, im letzten Spiel nochmals zu zeigen, dass man gut genug ist für den DHB-Pokal.