Handball Seppis Wille

In einem hart umkämpften und kuriosen Gastspiel bezwingt Handball-Drittligist TuS Fürstenfeldbruck auswärts den TV Hochdorf. Der Sieg ist der Rückkehr von Maximilian Lentner und der Wucht von Sebastian Meinzer zu verdanken.

Von Ralf Tögel, Fürstenfeldbruck

Martin Wild klang etwas angeschlagen. Was nicht daran lag, dass er beim Gastspiel seiner Drittliga-Handballer in Hochdorf besonders lautstark hätte Anweisungen geben müssen. Oder sich gar Unmut aus dem Leib brüllen. Denn der TuS Fürstenfeldbruck, dessen Mannschaft Wild als Trainer befehligt, gewann in der Nähe von Mannheim ein hart umkämpftes und kurioses Spiel mit 20:18 Toren und feierte den dritten Erfolg in Serie. Die Brucker bleiben zwar weiter Tabellenelfter, konnten sich aber ein weiteres Stück von der Abstiegszone absetzen. Die Pfalzbiber, wie sich die Hochdorfer selbst nennen, bleiben Schlusslicht.

Wild hat eine leichte Grippe erwischt, ein Schicksal, das er sich mit Torhüter Michael Luderschmid teilte. Auch der Brucker Keeper biss auf die Zähne und war mit seinen Paraden vor allem in der Schlussphase Garant für die beiden Punkte. Es war ein "Old-School-Ergebnis", wie Wild richtig befand, denn derart torarme Partien gehören eigentlich der Handball-Steinzeit an. Zu Zeiten, als es weder Zeitspiel noch schnelle Mitte gab, wurden Angriffe extrem ausgereizt. Dieses Ergebnis war aber Ausdruck zweier enorm starker Abwehrreihen inklusive Torhüter, sowie einer mangelhaften Chancenverwertung - eben ein verbissen geführter Vergleich.

20:18: Solche Ergebnisse gehören der Handball-Steinzeit an

Kurios war das Spiel, weil es von abwechselnden Läufen beider Teams geprägt war und Wendungen nahm, die man so nicht erwarten konnte. Erst bestimmten die Pfalzbiber das Geschehen, was Wild mit einer sehr frühen Auszeit beendete. "Wir waren schnell 1:4 hinten", so Wild, seine Maßnahme sollte bestens aufgehen. Denn mit sechs Treffern in Folge glich der TuS nicht nur aus, sondern ging seinerseits klar in Führung. Was sich bis zum 11:6 fortsetzte, in dieser Phase vergaben die Gäste sogar noch eine ganze Reihe an erstklassigen Einschussmöglichkeiten.

Schon am Mittwoch geht es weiter, beim punktgleichen TSB Heilbronn-Horkheim

"Da hätten wir eine Vorentscheidung schaffen können", resümierte Wild. Stattdessen kamen die Gastgeber zurück. Bis zur Pause auf 8:11, nach dem Wechsel brach der TuS zwischenzeitlich völlig ein. Mit dem pausenübergreifenden 9:2-Lauf zog Hochdorf auf 15:12 davon, Wild wusste, dass zwar noch zwanzig Minuten Zeit bleiben, er aber einen Impuls auszusenden hatte. Der Brucker Coach entschied, Maximilian Lentner zu seinem Comeback zu verhelfen. Der wuchtige Rückraumspieler hatte sich bekanntlich im Trainingslager kurz vor Saisonbeginn einen Beckenrandbruch zugezogen, nun stand er erstmals wieder auf dem Spielfeld. Nicht die schlechteste Idee des Trainers, denn Lentner führte sich mit zwei Treffern ein und bereitete zwei vor. Und plötzlich hatte der TuS wieder Oberwasser, nutzte das Momentum zu einer 19:17-Führung.

Doch Hochdorf glich erneut aus, danach war es ein Kampf auf Biegen und Brechen, befand Wild, beide Abwehrreihen machten es den Angreifern schwer, überhaupt zum Abschluss zu kommen. "Das war dann eine reine Willenssache", erkannte der TuS-Trainer, für solche Fälle hat er einen Spezialisten im Team: Sebastian Meinzer. Den nennen in Bruck alle nur "Seppi", und der Seppi versteht es, mit enormer Wucht auf die gegnerische Abwehr loszustürmen. Mit seinen beiden Treffern zog er den Pfalzbibern die Nagezähne, der TuS kann nach einem verkorksten Saisonbeginn erst einmal durchatmen.

Nicht lange indes, denn schon am Mittwoch ist die Nachholpartie beim punktgleichen TSB Heilbronn-Horkheim, am Samstag kommt Pfullingen, das mit einem Punkt weniger direkt hinter dem TuS steht. "Wir rechnen uns gegen beide etwas aus", sagt Wild, am unbedingten Willen dürfte es nicht scheitern.