Handball Nichts für schwache Nerven

Belma Beba spielte vor einem Jahr noch im Europapokal, nun verhalf sie der HSG Würm-Mitte mit neun Toren zum ersten Punkt in der dritten Liga.

(Foto: Claus Schunk)

Drittliga-Aufsteiger Würm-Mitte überrascht mit einem Remis, der HCD Gröbenzell startet souverän.

Von Ralf Tögel, Gräfelfing/Gröbenzell

Der Start? Fürchterlich. Das Ende? Wahnsinn. Dazwischen? Ein Spiel, das nichts für schwache Nerven war, ein Wechselbad der Gefühle, und: "Eine unglaubliche Moral der Mannschaft." Claus Lohmanns Stimme nimmt sofort wieder Fahrt auf, wenn er vom Spiel seiner Handballerinnen berichtet. Da hat die HSG Würm-Mitte den Gästen vom TSV Haun-stetten mit einem 23:23-Remis ein Bein gestellt, der Aufsteiger dem Titelfavoriten in der dritten Liga Süd einen Punkt abgetrotzt. Was selbst den Trainer überrascht habe: "Wenn ich ehrlich bin, habe ich mir gar nichts ausgerechnet." Lohmanns Prognose traf nur in den ersten 20 Minuten zu, dafür mit Wucht: 0:5, 2:8, 5:10 lauteten die Zwischenstände, Lohmann befürchtete zu diesem Zeitpunkt, "dass es schlimm" werden könnte. Ein paar Änderungen im Positionsspiel sowie die fortan "überragende Abwehr", so Lohmann, brachten erst den Anschluss und später die Wende.

In beiden Spielen ist eine starke Abwehrleistung der Schlüssel zum Erfolg

Und nicht zuletzt ein paar taktische Kniffe des Trainers, der in der zweiten Halbzeit erst in Unterzahl die äußerst starke Patricia Contro aus dem Tor und für sie eine sechste Spielerin aufs Feld beorderte. Dieses Stilmittel wandte Lohmann auch in den letzen zehn Minuten der Partie an, womit er letztendlich den Gegner überraschte. Bald war nach dem 10:15-Pausenrückstand beim 17:18 (43.) der Anschluss geschafft, vor allem Vera Laipple, die sechsmal traf, ging in dieser Phase voran. Der überragenden Belma Beba gelang mit einem ihrer neun Treffer beim 22:22 zwei Minuten vor dem Ende erstmals der Ausgleich. Die 29-Jährige war im vergangenen Jahr noch im Kosovo als Profi engagiert, nun bewies sie an der Würm enorme Nervenstärke, als sie per Siebenmeter die letzten beiden HSG-Treffer zum 23:23-Endstand versenkte. Lohmann betonte aber, dass der Schlüssel zum Punktgewinn, der sich wie ein Sieg anfühlte, in der "Wahnsinns-Abwehr" gelegen habe.

Dieser Teilerfolg gegen einen der großen Ligafavoriten brachte neben einem Traumstart in die Saison ein paar sehr nützliche Erkenntnisse für die Spielzeit: "Besser hätte es nicht beginnen können, wir haben jetzt selbst erlebt, wie es gehen kann", sagte Lohmann: "Wenn wir als Team so geschlossen auftreten, uns gegenseitig unterstützen und pushen, dann können wir auch in dieser Spielklasse etwas erreichen."

Für den HCD Gröbenzell ist diese Erkenntnis weniger neu, der Absteiger aus der zweiten Bundesliga ist wohl noch höher einzuschätzen als Mitfavorit Haunstetten. Trainer Hendrik Pleines hatte das Saisondebüt bei der Erstligareserve des TuS Metzingen dennoch zur unliebsam frühen Standortbestimmung ausgerufen, den Gegner gar zum Meisterschaftsanwärter. Denn Metzingen stellt gerne Personal aus dem Profikader nach unten ab, was prompt der Fall war. Die Niederländerin Kelly Vollebregt auf Rechtsaußen und Miriam Welser als Regisseurin auf Rückraum-Mitte, dazu die erstligaerfahrene Alexandra Kubasta auf Halbrechts: "Die haben uns große Probleme bereitet", sagte Pleines, der gegnerischen Achse auf der rechten Seite attestierte er gar "gehobenes Zweitliganiveau". Weil auch noch Jesse van der Polder im Tor der Gastgeberinnen stand, die wie ihre beiden Kolleginnen am Tag zuvor noch im EHF-Cup spielte, lief Gröbenzell bald einem Rückstand hinterher. Der wuchs zwischenzeitlich auf 8:12 (25.), wurde indes rechtzeitig zur Pause auf ein erträgliches 10:12 verkürzt. Katharina Wohlrab, die die schulisch verhinderte Kreisläuferin Lisa Antl hervorragend ersetzte, und die genesene Vera Bassel erzielten die beiden wichtigen Treffer, insgesamt waren beide je dreimal erfolgreich.

Sechs Minuten nach Wiederbeginn gelang Zugang Christine Königsmann (zwei Tore) beim 14:14 erstmals der Ausgleich, fortan legte der HCD vor, zog dank Sina Fischer (3) auf drei Treffer davon (20:17, 45.) und verteidigte den Vorsprung recht souverän ins Ziel. Auch in dieser Partie sah der Trainer die Abwehrarbeit als elementar für den Erfolg: "Wir haben in der zweiten Halbzeit nur acht Tore kassiert", so Pleines, was auch an Theresa Bauer im Tor gelegen habe, die gleich in ihrem ersten Pflichtspiel nach mehr als einem Jahr Verletzungspause ein Faktor war. Im Positionsspiel habe er noch "Luft nach oben" entdeckt, so Pleines. Zwar habe Amelie Bayerl als beste Torschützin (6) und Spielmacherin geglänzt, Automatismen und Abläufe aber seien noch verbesserungswürdig. Angesichts von Rückkehrerinnen und Zugängen keine große Überraschung, es bleibe viel Arbeit. Die Basis für eine gute Saison sei immerhin schon einmal gelegt.