Handball Krailling statt Kroatien

In der Bayernliga ist der Klassenerhalt für Würm-Mitte und Eichenau kaum mehr zu schaffen. Auch das Projekt Hachinger Tal liegt hinter den Erwartungen - immerhin gibt es positive WM-Signale.

Von Ralf Tögel

Es sind knapp drei Wochen vergangen, seit die Weltmeisterschaft das Land in eine regelrechte Handball-Euphorie versetzte. Die Vorrundenspiele der Gruppe B in der Münchner Olympiahalle fanden einen so stimmungsvollen wie sportlich hochklassigen Höhepunkt in der letzten Partie zwischen dem zweimaligen Olympiasieger Kroatien und dem aktuellen Europameister Spanien. Seither ist die Rede davon, dieses Stimmungshoch in eine nachhaltige Begeisterung für die Sportart zu verwandeln, speziell der Standort Südbayern mit der Metropole München hat bekanntlich einigen Nachholbedarf. Doch wie sieht es aus in der Region, sind Nachwehen der WM zu spüren?

Ja, sagt Benedikt Waterloo, der Abteilungsleiter der HSG Würm-Mitte, er habe zumindest im Kinderbereich einige Neuanmeldungen registriert, von einem Boom will er aber nicht sprechen. Vielmehr müsse man versuchen, diesen Trend zu nutzen. "Wenn vier, fünf Kinder bleiben, wäre das ein schöner Erfolg." Am vergangenen Wochenende spielten die Männer der Spielgemeinschaft aus TSV Gräfelfing und TV Planegg-Krailling gegen HT München, ebenfalls eine Spielgemeinschaft. HT bedeutet Hachinger Tal und vereint den TSV Unterhaching und die SV-DJK Taufkirchen unter einem Dach, diese vier Vereine haben erkannt, dass es einer positiven Entwicklung dienlicher ist, die Kräfte zu bündeln, als sich im Konkurrenzkampf aufzureiben. Dem HT München steht ein prominenter Fürsprecher zur Seite, Weltmeister Henning Fritz will mit seiner Erfahrung und seinen Kontakten helfen, Handball in der Landeshauptstadt wieder in Richtung Bundesliga zu hieven. Die Handball-WM wurde jedenfalls in München "unglaublich gut angenommen, obwohl es der einzige Standort ohne deutsche Beteiligung war, so Fritz. Nun gelte es, die Rahmenbedingungen weiter zu verbessern, diesbezüglich befinde man sich in Gesprächen und es gebe durchaus "positive Signale", erzählt der WM-Torhüter von 2007.

Dass sich die Kontrahenten remis getrennt haben (18:18), ist hingegen weniger Ausdruck der gemeinsamen Interessenslage, als das Resultat eines intensiven sportlichen Schlagabtausches. Für HSG-Trainer Markus Wuttke ist der eine Punkt ein Erfolg, für den Tabellenletzten war es erst der dritte der gesamten Saison. Wuttke und Kollege Alexander Kuttig haben die Mannschaft erst kurz vor Saisonbeginn übernommen, alles andere als der direkte Wiederabstieg wäre "ein Traum". Das Trainerduo sieht sich vor allem mit dem knapp besetzten Kader gegenüber der Konkurrenz im Nachteil: "Wenn sich einer verletzt, dann wirkt sich das sofort aus." Leidenschaft und Kampfgeist waren die entscheidenden Tugenden im vergangenen Aufstiegsjahr, für die bayerische Königsklasse dürfte das nicht reichen. Für eine Liga, in der Teams wie der HSC Bad Neustadt spielen, ein Klub in Nähe zum semiprofessionellen Bereich, dessen einziges Ziel der Aufstieg ist. Für Würm-Mitte hingegen wäre der Abstieg kein Beinbruch, erklärt Wuttke, "alle Spieler haben ihr Bleiben signalisiert". Dass die HSG eine Frauenmannschaft in der dritten Liga hat, erschwert die Situation: Vor allem finanziell seien daher keine großen Sprünge machbar, erklärt Abteilungschef Waterloo.

Die Aussichten für Gegner HT München sind deutlich besser, die Ziele entsprechend größer. Mittelfristig strebe man in die dritte Liga, erklärte Henning Fritz vor der Saison, mindestens. Trainer Christian Sorger sagt nun, dass man erst einmal "noch zwei, drei Spiele gewinnen" muss, um sich nach hinten abzusichern. "Dann kann man sehen, was noch möglich ist", sagt Sorger. Sein Team steht als Siebter derzeit im gesicherten Mittelfeld. Von Vereinen wie Bad Neustadt, das mit Abstand die Tabelle anführt, einen Etat von bis zu 300 000 Euro und einige Profis im Kader habe, sei man jedenfalls "meilenweit entfernt. Wir müssen versuchen, erst einmal das Umfeld für die dritte Liga zu schaffen", mahnt Sorger. Der Trainer wird kommende Saison im Übrigen in die zweite Reihe rücken, beruflich und familiär sei der Aufwand bei diesen ambitionierten Zielen nicht mehr zu leisten, neuer Trainer wird Bernhard Karg. Der kommt vom Landesligisten Allach und habe sich als Talententwickler einen Namen gemacht.

Matthias Hild wechselt zu Aufstiegsfavorit Konstanz

Es ist die alte Leier im Raum München: Sobald ein Handballtalent über Südbayerns Grenzen hinaus auffällig wird, lockt die Konkurrenz. Der TuS Fürstenfeldbruck muss einmal mehr erkennen, dass er nur in der Region am Ende der Verwertungskette steht: In Matthias Hild hat sich ein Hoffnungsträger zum Konkurrenten HSG Konstanz verabschiedet. Entdeckt wurde der Linkshänder von Trainer Martin Wild, der hin und wieder in der TuS-Dritten mitspielt, beim Bezirksoberligisten Marktoberdorf. Auf dem Spielfeld überzeugte Wild den Linkshänder zum Wechsel nach Bruck. Nun geht es für Hild, der gerade 20 Jahre alt geworden ist, die nächste Stufe nach oben - zumal er sich beim TuS signifikant weiterentwickelt hat. Linkshänder von dieser Qualität und diesem Entwicklungspotenzial sind selten, Konstanz ist der Topfavorit in der dritten Liga und auf dem besten Weg, in die zweite Liga zurückzukehren. Zudem ist der Klub bekannt dafür, Spieler bei der Ausbildungsplatzsuche zu unterstützen. Hild beginnt am Bodensee ein Studium im Sport- und Eventmanagement - und wird dem TuS fortan fehlen. Was auch für Korbinian Lex gilt. Der Abwehrchef hat sich beim jüngsten Sieg gegen die Rhein-Neckar Löwen II eine Innenbandverletzung im Knie zugezogen. Ob er diese Saison zurückkehrt, ist fraglich. Ralf Tögel

Auch für den dritten Regionsvertreter in der Bayernliga, den Eichenauer SV, dürfte der Klassenerhalt ein Problem werden. Körperlich sei der Aufsteiger schnell "an Grenzen gestoßen", erklärt der stellvertretende Abteilungsleiter Anselm Fuchs. Zudem seien "die meisten Konkurrenten finanziell wie personell ganz anders ausgestattet." Fuchs sieht im Übrigen einen positiven Aspekt der Handball-WM in Sachen Zuschauer, seither kämen "bestimmt 30, 40 Leute mehr an den Spieltagen". Sportlich kämpft die Mannschaft dagegen ums Überleben. "Die Bayernliga ist eine ganz andere Realität", erklärt Trainer Aleksandar Radukic. Er hatte zudem in den vergangenen Wochen mit vielen Verletzten zu kämpfen. Wichtige Spieler fallen sogar die ganze Saison aus. Immerhin entspannt sich die Situation langsam, was in der Folge bessere Ergebnisse zeitigen soll. Die knappe 23:25-Niederlage bei der Zweitligareserve der DJK Rimpar war ein erster Fingerzeig, hofft Radukic. Momentan steht Eichenau auf dem vorletzten Platz. Der Abstand zur Nichtabstiegszone wie die Tatsache, dass bis zu fünf Teams bei ungünstiger Konstellation der oberen Spielklassen absteigen können, dämpfen indes die Hoffnungen.

Auch in Eichenau fehlen die Ressourcen, um sich in der vierten Liga zu etablieren. Dies muss langsam und nachhaltig vonstatten gehen, Investoren oder hochklassige Spieler sind nicht in Sicht. Entwicklungsgrundlage muss folglich eine nachhaltige Jugendarbeit sein. HT-Trainer Sorger sieht seinen Klub auf einem guten Weg: "Das Wichtigste sind gute Nachwuchstrainer. Wenn da die Qualität stimmt, zieht das Kinder." Im Klub sei das im Übrigen schon vor der WM ein Magnet im Jugendbereich gewesen.