Handball Hoffen auf das Nektar-Derby

„Wir wollen eigene Spieler für die erste Männermannschaft entwickeln und ausbilden“, sagt Anzings Trainer Hubert Müller.

(Foto: Christian Endt/Fotografie & Lic)

Der gastgebende TSV Ismaning sowie der SV Anzing benötigen dringend Punkte im Kampf um den Klassenerhalt. Am besten gleich im Bayernliga-Derby am kommenden Samstag.

Von Ralf Tögel

Aufgeben? Tom Eck muss lachen. "Niemals, nicht einmal aussichtslos im letzten Saisonspiel." Es wäre in der Tat auch ein bisschen früh für derlei Gedanken. Sicher, die Handballer des TSV Ismaning zieren das Tabellenende in der Bayernliga, mit nur zwei Pluspunkten, aber es sind erst zehn Partien gespielt und der Abstand auf den Tabellenzehnten beträgt gerade mal vier Punkte. Folglich ist der Ismaninger Trainer vor dem Derby am kommenden Wochenende gegen den SV Anzing ziemlich entspannt. Ob nun im Heimspiel ein Sieg Pflicht ist? "Wir müssen nichts, außer zukunftsorientiert Spieler entwickeln", sagt Eck in Handballtrainerdeutsch, übersetzt: Das Wichtigste ist das Formen einer Mannschaft, die langfristig auf diesem Niveau wettbewerbsfähig ist.

Ist ein Heimsieg Pflicht? Da muss Ismanings Trainer Eck lachen

Dazu habe er das Personal beisammen, eine Mischung aus vorwiegend jungen Akteuren mit Perspektive, wie Benedikt Simon, der Jugend-Bundesliga spielte, oder Simon Lang, der in der Jugendakademie des Bundesligisten Lemgo ausgebildet wurde. Und routinierten Kräften wie Spielmacher Olaf Neumann, der bereits höherklassig Erfahrung sammelte, sowie Kreisläufer Florian Elsinger, bislang Stammkreisläufer beim Bayernligisten Haunstetten. Die momentane Misere beim Aufsteiger erklärt Eck mit einer schlechten Vorbereitung, allein eine Hallensperrung wirbelte diese wochenlang durcheinander. Zudem muss er wegen abwesender oder verletzter Spieler improvisieren, so fehlen am Samstag (Spielbeginn 19.45 Uhr) in Janik Prottung, Yannick Teschner, Jan Geserer und Daniel Dietrich vier wichtige Akteure. Doch es deutet sich Entspannung an, der wurfstarke Rückraum-Allrounder Niko Neuhaus wird im Derby sein Debüt geben. "Ich bin sicher, dass wir das Zeug dazu haben, die Klasse zu halten", sagt Eck, und erinnert an die vergangene Saison: Da hatte der TSV ebenfalls einige Probleme in der Hinrunde, dominierte aber die zweite Saisonhälfte.

Die Gäste aus Anzing befinden sich nicht nur in einer ähnlichen Situation, auch die Trainer-Maxime klingt sehr ähnlich: "Entwicklung und Nachhaltigkeit", sagt Trainer Hubert Müller, und mahnt Geduld an. Denn es gehe zuvorderst darum, "Spieler und Verein zu entwickeln, um uns in der Bayernliga zu etablieren". Aber die Anzinger scheinen einen Schritt weiter als der Samstagsgegner, was nicht nur den Tabellenstand betrifft. Denn in Florian Ehrenstorfer und Sebastian Erber stehen die ersten Eigengewächse im Kader, beide spielen noch A-Jugend in der Bayernliga. Der SV rangiert mit 6:12 Punkten als Elfter zwar nur knapp über den Abstiegsrängen, der Rückstand auf den Fünften beträgt vier Zähler. Überhaupt ist es eng in der Liga, einzige Ausnahme ist Erlangen-Bruck, das mit 20:0 Punkten enteilt ist.

Für Anzing zählt momentan nur der Klassenerhalt. Im Vorjahr hatte die junge Mannschaft die Saison noch als Achter abgeschlossen, der Umbruch gelang hervorragend. Doch aktuell hat Anzing Probleme, denn Müller hat mit anhaltendem Verletzungspech zu kämpfen. In Florian Zirnbauer verabschiedete sich der etatmäßige linke Rückraumspieler mit Kreuzbandriss in der finalen Vorbereitungsphase, in Matthias Haberthaler, Roman Müller und Marius Limbrunner standen und stehen wichtige Schlüsselspieler längere Zeit nicht zur Verfügung. Nach einem guten Saisonstart blieben die Erfolgserlebnisse aus, das Pech, gepaart mit den hohen Erwartungen nach der starken Vorsaison, hinterließ Wirkung. "In manchen Situationen merkte man, dass es eine sehr junge Mannschaft ist", erklärt der Trainer die knappen Niederlagen. Auch für Müller ist dies kein Grund zur Panik: "Für uns Verantwortliche kommt das nicht überraschend", sagt der erfahrene Coach, er glaube ohnehin fest an den Klassenerhalt. Allein aus der starken Leistung im jüngsten Spiel gegen Günzburg habe das Team "viel Nektar gezogen", auch wenn es 26:27 verloren ging. Was fehlt? "Ein Erfolgserlebnis wäre "Balsam auf die lädierten Seelen", sagt Müller.

Worte, die vom Ismaninger Kollegen Eck stammen könnten.