Handball Familienausflug in den Ruhrpott

Erst in der zweiten Mannschaft, dann mit den Drittliga-Frauen in Kappelwindeck und schließlich im DM-Viertelfinale in Dortmund - Jana Epple hatte am Wochenende ein straffes Programm zu absolvieren.

(Foto: Günther Reger)

Die A-Juniorinnen des HCD Gröbenzell scheitern erst im DM-Viertelfinale an überragenden Dortmunderinnen. So gut hat noch kein bayerisches Team abgeschnitten.

Von Heike A. Batzer, Gröbenzell

Gewinnen zu wollen, macht das Wesen des sportlichen Wettkampfs aus. Manchmal freilich muss man sich auch damit zufrieden geben, dass man "besonders schöne Tore rausgespielt hat", wie Frank Graf sagt. Graf, 50, ist seit vier Jahren Trainer der A-Jugend-Handballerinnen des HCD Gröbenzell - und Realist. Als solcher wusste er die Aufgabe schon im Vorfeld als eine schwierige einzuschätzen. Borussia Dortmund war seinen Mädchen als Gegner für das Viertelfinale um die deutsche A-Jugend-Meisterschaft zugelost worden, mehr geht kaum. Am Ende verloren die Gröbenzellerinnen nach der 22:29-Hinspielniederlage vor 600 Zuschauern in eigener Halle auch das Rückspiel in Dortmund, diesmal deutlich mit 21:37 Toren. Der BVB-Nachwuchs zieht damit ins Final-Four-Turnier um den Titel ein, für die Gröbenzeller A-Jugendlichen ist die Saison beendet, die dennoch erfolgreich wie kaum eine zuvor war. "Noch nie seit Bestehen der Jugend-Bundesliga weiblich war ein bayerischer Vertreter so erfolgreich wie wir", fasst Frank Graf zusammen.

Dass sie beim BVB auch gut Handball spielen können, geht im allgemeinen Fußball-Hype gerne unter. Das Bundesligateam der Frauen ist derzeit Tabellensechster, das Drittligateam, dem auch die A-Jugendlichen angehören, ist Dritter. Die A-Jugend-Mädchen werden in einem Handballinternat ausgebildet, fünf von ihnen kommen schon in der ersten Liga zum Einsatz. Die Rahmenbedingungen sind professionell, zehn Mal pro Woche kämen die Dortmunder Jugendlichen zum Training zusammen, weiß Graf, dagegen nähmen sich die drei Übungseinheiten seiner Mannschaft fast schon bescheiden aus.

Umso mehr freuen sie sich beim kleinen Gröbenzeller Frauenverein über kleine Erfolge. Etwa, wie Kreisläuferin Lisa Antl sich die Bälle aus der Luft pflückt und im gegnerischen Tor unterbringt. Zehn Mal hat sie in den beiden Spielen gegen Dortmund getroffen, war damit beste Werferin ihres Teams. Auch Hanna Schillers Treffer von der rechten Außenbahn oben rechts ins Toreck ist in Erinnerung geblieben, ebenso die Reflexe der drei Torhüterinnen. "Wir haben gekämpft und alles getan, was wir konnten", resümiert Frank Graf. Deshalb habe man auch "relativ gute Laune" gehabt nach der Niederlage am Sonntagnachmittag.

Als große HCD-Familie haben sie sich auf die Reise in den Ruhrpott aufgemacht, Spielerinnen, Eltern, Betreuer. Schon am Samstagvormittag sind sie losgefahren, mit Übernachtungszwischenstation in Siegen. Aus allen möglichen Ecken Deutschlands kamen die Spielerinnen angereist, denn für manche war die Partie in Dortmund nicht die einzige an diesem Wochenende. Lisa Antl, Torfrau Antonia Thurner und Jana Epple kamen aus Kappelwindeck bei Baden-Baden, wo sie am Abend zuvor noch mit Gröbenzells Drittliga-Frauenteam angetreten waren. Epple hatte sogar am Freitagabend noch in der zweiten HCD-Mannschaft mitgetan. In der Mehrfachbelastung also unterscheiden sie sich gar nicht von den Dortmunderinnen.

Der Einzug ins Viertelfinale sicherte dem HCD auch gleich den Startplatz für die nächste Saison in der Jugend-Bundesliga, ohne sich eigens qualifizieren zu müssen. Der Modus ist ein wenig kompliziert. Nach einer bayerischen Vorqualifikation setzten sich die Gröbenzellerinnen in der eigentlichen Bundesliga-Bewerbungsrunde als einziger bayerischer Klub durch, spielten dann eine Bundesliga-Vor- und eine Hauptrunde und gelangten so ins Viertelfinale der besten acht deutschen A-Jugend-Mannschaften. Parallel dazu brachten sie eine Bayernligaspielzeit hinter sich - mit dem bayerischen Meistertitel als beinahe logischer Konsequenz. Für die neue Runde müssen sie in weiten Teilen ein neues Team zusammenstellen.

Etwa die Hälfte der Spielerinnen tritt zu den Erwachsenen über, aber die B-Jugendlichen stehen schon bereit. Einige von ihnen wurden bereits in dieser Bayernliga-Saison integriert und auf die künftigen Aufgaben vorbereitet. U20-Nationalspielerin Lisa Antl, die schon jetzt auch im Gröbenzeller Frauenteam in der dritten Liga eine feste Größe ist, wird den Verein indes verlassen, um beim Bundesligisten Buxtehude ihr Handball-Glück zu versuchen. Verwehren möchte es ihr niemand. Ihr Jugendtrainer Frank Graf sagt, sie sei schon jetzt "mit 18 Jahren die stärkste Kreisläuferin in der dritten Liga" gewesen.