Handball Erst das Vergnügen

Die Handballer des TuS Fürstenfeldbruck empfangen am Samstagabend im DHB-Pokal Titelverteidiger Rhein-Neckar-Löwen. Das Duell soll eine Belohnung sein - eine Woche vor dem Drittliga-Start.

Von Heike A. Batzer

Max Lentners Versuch endet kläglich. Sein Papierflieger steigt hoch, macht einen Bogen rückwärts und geht dort zu Boden, wo Lentner steht. Die Teamkollegen von den Handballern des TuS Fürstenfeldbruck kriegen sich kaum ein vor Lachen, der Gedemütigte sucht über den Seitenausgang der Sporthalle das Weite. Das Video vom missglückten Wurfversuch findet viele Fans in den sozialen Medien, die sich nach den handballfreien Wochen schon zurechtmachen für die neue Spielzeit. Ein bisschen Spaß darf sein im zuletzt harten Trainingsalltag des TuS Fürstenfeldbruck, der sich bei der Wahl der Zerstreuungen für seine Protagonisten durchaus konkurrenzfähig zeigt mit Profihandballern wie den Rhein-Neckar-Löwen, die Bilder vom Sommerbiathlon, Crossgolf und Wasser-Handball am Pool in die digitale Welt hinaussenden.

Glanz in voller Hütte: Mit den Rhein-Neckar-Löwen, hier beim Pokalsieg vor einem Jahr, erwischten die Fürstenfeldbrucker das attraktivste Los.

(Foto: Axel Heimken/dpa)

An diesem Samstag treffen die ansonsten ungleichen Duellanten aufeinander - zum ersten Mal. Im Drittliga-Alltag messen sich Fürstenfeldbrucks Handballer seit Jahren mit der zweiten Mannschaft der Rhein-Neckar-Löwen, nun erwischten sie das wohl beste Los, das es für die Erstrundenbegegnung im DHB-Pokal zu verteilen gab: den Titelverteidiger und Champions-League-Teilnehmer aus Mannheim. "Mehr geht nicht", sagt TuS-Trainer Martin Wild: "Es ist das attraktivste Los, darauf haben wir alle gehofft." Kiel oder Flensburg schieden von vornherein aus, weil die potenziellen Pokalgegner in eine Nord- und eine Südgruppe eingeteilt waren. Die erste Pokalrunde wird an insgesamt 16 Standorten mit jeweils vier Teams ausgetragen, in Fürstenfeldbruck trifft der Gastgeber am Samstagabend (20 Uhr) auf die Rhein-Neckar-Löwen, das zweite Halbfinale bestreiten drei Stunden vorher die Zweitligisten TV Hüttenberg und HC Elbflorenz Dresden. Die Sieger beider Partien bestimmen am Sonntag um 15 Uhr im Finale, wer in die nächste Pokalrunde einziehen darf.

Der Rückkehrer soll gleich einige Löcher stopfen: Falk Kolodziej.

(Foto: Lukas Barth)

"Wir gehen als Favorit dahin und müssen diese Rolle auch annehmen", sagte Löwen-Kapitän Andy Schmid dieser Tage dem Regionalsender RON TV. Was also kann ein Drittligist dagegen ausrichten? "Wir wollen ein unangenehmer Gegner sein und uns gut präsentieren", formuliert Martin Wild. Die Wittelsbacher Halle in Fürstenfeldbruck ist am Samstag komplett ausverkauft, binnen weniger Tage waren alle knapp tausend Eintrittskarten weg. Nur für das Finale am Sonntag gibt es noch Tickets. Wegen des riesigen Interesses hatte man sogar Überlegungen angestellt, nach einem Ausweichquartier mit mehr Fassungsvermögen in München oder Augsburg zu suchen. Schließlich wurde die Idee als zu teuer oder schlichtweg als nicht durchführbar verworfen. Nun bleiben die Brucker an gewohnter Heimstatt, die sich ihrer mitreißenden Stimmung wegen in den vergangenen Drittligajahren einen Namen gemacht hat. Zudem gelten Abläufe und Organisation inklusive Verpflegung der Hallengäste als eingespielt. Genügend Aufwand bleibt für die Gastgeber trotzdem, bereits am Feiertag während der Woche begannen sie damit, die Halle für den Event zu präparieren.

16 Spieler darf Wild am Samstag einsetzen, das will er tun, damit möglichst viele in den Genuss der außergewöhnlichen Partie kommen. Neu beim TuS sind die Brüder Alex und Max Horner aus Haunstetten, Felix Augner (Friedberg), Benno Gnan (Gröbenzell), Valentin Hagitte (Dachau) sowie die Rückkehrer Frederik Hartz und Falk Kolodziej. Letzterer soll auch helfen, die Löcher im Rückraum zu schließen, die die noch andauernden Verletzungen der etablierten Kräfte Sebastian Meinzer, Korbinian Lex, Alex Leindl und Yannick Engelmann gerissen haben. Bei den Rhein-Neckal-Löwen sind Hendrik Pekeler und Harald Reinkind nach Kiel abgewandert und Kim Ekdahl Du Rietz, der schon vor einem Jahr aufgehört, dann wieder Lust auf Handball verspürt hatte, zu Paris St. Germain, wo auch Ex-Löwe Uwe Gensheimer spielt. Zum neuen Löwen-Team gehören unter anderem die Nationalspieler Jannik Kohlbacher (Wetzlar) und Steffen Fäth (Füchse Berlin). "Richtig ernst" wird es Wild zufolge erst mit dem Auftakt in die Drittligasaison eine Woche später, wo als erster Gegner Zweitligaabsteiger Konstanz kommt. Das Pokalspiel soll für seine Spieler vor allem eine Belohnung sein.