bedeckt München 14°
vgwortpixel

Handball:Einmal Derby extrabrisant

Handball 3. Liga Frauen

Rochade: Stefan Weidinger folgt beim ASV Dachau auf Trainer Thomas Lukauer (v.l.); nächste Saison übernimmt er den HCD Gröbenzell.

(Foto: Matthias Ferdinand Döring)

Der HCD Gröbenzell tritt zum Abstiegsduell der 3. Liga beim ASV Dachau an - und bei seinem künftigen Coach.

Aus sportlicher Sicht könnte das Handball-Derby der beiden Frauen-Drittligisten ASV Dachau und HCD Gröbenzell kaum brisanter sein. Beide Mannschaften stecken im Abstiegskampf, Aufsteiger und Gastgeber ASV ist mit 5:23 Punkten gar Zwölfter und Letzter. Gröbenzell steht als Neunter auf dem letzten Nichtabstiegsplatz, mit 9:19 Punkten beträgt der Abstand zur Abstiegszone nur einen mickrigen Punkt. Kurz zusammengefasst: Verlieren verboten.

Das ist die sportliche Situation, die durch diverse personelle Entscheidungen der jüngeren Vergangenheit nun zusätzlichen Zündstoff bekommen hat. Am vergangenen Montag nämlich wurde ASV-Trainer Thomas Lukauer von seinen Aufgaben entbunden, was ihn nach eigener Aussage "sehr irritiert". Ihm sei in einer Gesprächsrunde um die Weihnachtszeit noch versichert worden, dass man die Saison nach wie vor "als Abenteuer" einschätze, Ergebnisse also nicht über seine Zukunft entscheiden würden. Der Mannschaftsrat habe ihm in der Woche vor dem Rausschmiss außerdem gute Arbeit attestiert: "Ich kann es nicht verstehen und bin menschlich enttäuscht."

Nun werden die beiden Co-Trainer Stefan Weidinger und Sascha Holzer übernehmen. An sich der einzig logische Schritt, der allerdings ebenfalls nicht ganz unproblematisch erscheint: Weidinger wird in der kommenden Saison ausgerechnet beim Derby-Gegner Gröbenzell die Trainerstelle übernehmen, wie Lukauer der SZ nun erzählte. In besagter Runde sei dies bereits besprochen worden, außerdem habe er, Lukauer, damals auch sein Ausscheiden zum Saisonende vorzeitig angekündigt.

Dem ist der Verein nun zuvorgekommen. Nicole Oberrenner, Leiterin des Frauenhandballs beim ASV, hat Lukauer am vergangenen Montag darüber informiert. Man erhoffe sich einen Impuls in der Mannschaft, weiter will Oberrenner nicht ins Detail gehen: "Ich werde keine schmutzige Wäsche waschen." Dass Lukauer die Zukunftspläne des neuen Chefcoachs Weidinger nun ausgerechnet vor dem Derby ausplaudert, nimmt sie allerdings reichlich verärgert zur Kenntnis: "Das ist unsportlich für beide Klubs", zumal beide mitten im Abstiegskampf stecken. "Das geht gar nicht."

Beim Konkurrenten Gröbenzell gab es in der vergangenen Woche ebenfalls eine Trennung vom Trainer. Konstantin Schlosser hatte allerdings ob der schlechten Ergebnisse das Handtuch geworfen. In beiden Fällen waren dem Vernehmen nach auch atmosphärische Dissonanzen zwischen Trainer und Team ursächlich, was Weidinger im Fall des ASV indirekt bestätigt: "Es war eine Entscheidung der Mannschaft", er sei wie Lukauer erst von der Frauenleiterin Oberrenner informiert worden. Beim HCD kehrte Erfolgstrainer Hendrik Pleines an die Seitenlinie zurück, mit der Vorgabe, dass sein Engagement bis zum Saisonende befristet ist.

Im sportlichen Bereich, der letztlich den Ausschlag geben sollte, scheint der HCD die besseren Karten zu haben. Zwar holte der ASV im Hinspiel ein 19:19-Remis, allerdings waren da noch Cornelia Karg, Anna Watzlowik und Verena Kölzer dabei, die nun allesamt verletzt fehlen. Vor allem Karg, die sich beim jüngsten 29:35 bei der SG Kappelwindeck/Steinbach einen Kreuzbandriss zuzog, wird eine große Lücke hinterlassen. "Sie ist der Kopf der Mannschaft", sagt Weidinger, doch sein Kollektiv habe sich schon immer durch "Kampf und Leidenschaft" ausgezeichnet. Außerdem rechne er ob der Ereignisse mit einem positiven Effekt: "Wir sind noch näher zusammengerückt und haben einen besonders guten Teamgeist." Kollege Pleines, der in der kommenden Saison als Sportlicher Leiter beim HCD sein Chef sein wird, weiß um die Schwere der Aufgabe: "Wir befinden uns in einer brenzligen Situation und strotzen derzeit nicht vor Selbstvertrauen." Angst verspüre er indes keine, man fahre aber "mit sehr viel Respekt" nach Dachau.

© SZ vom 15.02.2020
Zur SZ-Startseite