Handball Ein Punkt für die Annalen

Mit Freude bei der Sache: In ihrer Außenseiterrolle kommen die Gröbenzellerinnen gegen die Gäste aus Herrenberg prima klar.

(Foto: Günther Reger)

Im siebten Anlauf feiern Gröbenzells Frauen den ersten Erfolg in Liga zwei: ein 27:27 gegen Herrenberg. "Darauf haben wir sechs, sieben Jahre hingearbeitet", sagt Trainer Hendrik Pleines.

Von Ralf Tögel, Gröbenzell

Ausgerechnet Saskia Putzke. Zweimal habe der HCD Gröbenzell versucht, "sie davon zu überzeugen, bei uns Handball zu spielen", erzählt Hendrik Pleines. Erfolglos. Dennoch war die frühere Ismaningerin am vergangenen Wochenende zu Gast in der Wildmooshalle, allerdings auf Seiten der Gäste von der SG H2Ku Herrenberg. Und Putzke rettete mit ihrem Tor der Handball-Spielgemeinschaft der drei Vereine TV Haslach, HSV Oberjesingen-Kuppingen und VfL Herrenberg, deren Namen der Einfachheit halber so verknappt wurde, das 27:27-Remis. Die Baden-Württembergerinnen sind seit Jahren fester Bestandteil der zweiten Bundesliga, waren daher als Favorit zum Aufsteiger gereist - und so gleich erster Zeuge eines historischen Ereignisses: "Das war ein Punkt für die Annalen", sagte der Trainer der HCD-Frauen in angemessen ergriffenem Tonfall, denn das Unentschieden bedeutete den ersten Zähler auf der Habenseite für Gröbenzell in der zweiten Liga.

"Darauf haben wir sechs, sieben Jahre hingearbeitet", erklärte Pleines, der natürlich weiß, dass der HCD schon einmal zweitklassig war. Doch mit dem Rückzug des damaligen Hauptsponsors im Jahre 1993 wurde der Klub in Handballclub Damen umbenannt und kehrte zu Saisonbeginn nach zwei knapp gescheiterten Anläufen in die Zweitklassigkeit zurück. Nun also der erste Pluspunkt dort und die Gewissheit, "dass wir, wenn wir unsere Leistung abrufen, mitspielen können", wie Pleines selbstbewusst sagte.

"Die besten 20 Minuten der Vereinsgeschichte": Vor allem der Nachwuchs begeistert den Coach

Der Trainer wollte gar die "besten 20 Minuten der Vereinsgeschichte" gesehen haben, damit meinte Pleines jene Spielphase, in der sein Team aus einem 4:7-Rückstand einen 16:10-Vorsprung baute, mit technisch versiertem, leidenschaftlichem, begeisterndem Handball, der in der Tat bundesligawürdig war.

Das Spiel erzählte viele Geschichten, etwa die der neuen Torhüterin Stefanie Brandl, die mit der aggressiv zupackenden Abwehr zu einem schier unüberwindlichen Bollwerk wurde. Die von Annalena Pelz: Der Zugang vom Ligakonkurrenten Beyeröhde ist nach Wochen der Eingewöhnung und Eisätzen in der zweiten Mannschaft nun angekommen. Fünfmal feuerte die 21-jährige Linkshänderin den Ball aufs gegnerische Tor, fünfmal mit Erfolg. Welches Potential die ehemalige Jugend-Nationalspielerin hat, zeigte sie mit einem Dreher von rechts außen, einem Trickwurf, der im Frauenhandball nicht unbedingt zum Standardrepertoire gehört. Oder die Geschichte von Verena Oßwald, Jahrgang 1999 und damit gerade der Jugend entwachsen, die Pleines in die Anfangsformation beorderte und die diesem Druck bravourös standhielt. Es waren die aufstrebenden Nachwuchskräfte, die Pleines besonders viel Freude bereiteten. Verena Obermeier am Kreis etwa, die fünfmal traf, oder Kirsten Walter, die auf halbrechts im Rückraum "eine Wahnsinnspartie spielte".

In diesen 20 Minuten vor der Pause dominierte der Tabellenletzte die Gäste, deren Anspruch sich an der Spitzengruppe orientiert, wie Pleines gerne erinnerte. Mit 16:11 wurden die Seiten gewechselt, doch im zweiten Durchgang kam die SG H2Ku Herrenberg, bei der Juniorennationalspielerin Lea Neubrandner (10) und die erstligaerfahrene Sulamith Klein (8) überragten, immer näher - um sogar mit 25:23 in Führung zu gehen. Nun waren vor allem die routinierten Spielerinnen wie Sina Fischer (3 Tore) und Top-Torschützin Vera Balk gefragt, die wuchtig dagegenhielten und sich in Zweikämpfen aufrieben. Mit Erfolg, Balk gelang mit ihrem neunten Treffer das 27:26 - doch dann kam Putzke.

"Wir hatten den letzten Angriff und 25 Sekunden Zeit", so Pleines, "eigentlich müssen wir es erfolgreich beenden." Dafür fehle es noch an Erfahrung, erklärte der Coach, der Ärger indes hielt sich in Grenzen. "Es war klar ein gewonnener Punkt", fand er, "der uns viel Selbstbewusstsein bringt." Und die Gewissheit, in der zweiten Liga doch mithalten zu können.