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Handball:Das zweite Spiel

Eine Viertelstunde lang fällt dem TuS Fürstendfeldbruck gegen Erlangen II überhaupt nichts ein, dann aber steigert sich der Drittligist und siegt souverän 30:19.

Martin Wild ist ein Freund des Kollektivs, er hebt nicht so gerne einzelne Spieler hervor, diesmal machte er eine Ausnahme. Er nannte: Michael Luderschmid, den minutenlang unüberwindbaren Torwart. Julian Prause, der sich am Kreis immer wieder gegen gleich zwei Gegenspieler durchsetzte. Felix Kerst, mit zehn Toren besten Werfer des TuS Fürstenfeldbruck. Und Falk Kolodziej, der das Spiel lenkte. Diese vier waren hauptverantwortlich dafür, dass sich die Partie gegen den HC Erlangen II nach 15 Minuten wendete und mit 30:19 gewonnen wurde.

Schwere Aufgaben stehen bevor: Erst wartet der Vierte Heilbronn, dann Verfolger Pfullingen

"Es war schon verrückt", fand Wild. Eine Viertelstunde lang fiel seinem Team, immerhin der seit nun sieben Partien ungeschlagene Tabellenführer, wenig ein. Erlangen verteidigte in einer abwartenden 6:0-Deckung, um die der TuS sekundenlang herumspielte, die er anfangs aber nur selten durchbrach. Wenn sich ein Fürstenfeldbrucker mal nicht gerade selbst auf den Fuß prellte, warf einer den Ball frei von jeder Inspiration in die Arme des Erlanger Mittelblocks. Wild musste eingestehen: "In den ersten 15 Minuten war unsere Fehlerquote im Angriff zu hoch." Dass der HC nur 9:6 führte, lag allein an dessen mangelhafter Chancenverwertung. Dann, nach exakt 15:50 Minuten, begann das zweite Spiel, wie es Wild nannte. Bis zur Halbzeit kassierte Luderschmid keinen Gegentreffer mehr, Kerst und Prause machten Tor um Tor - wobei sie oft von Kolodziejs Zuspielen profitierten. "Falk war ein ganz entscheidender Spieler heute", lobte Wild. Der Trainer hatte Kolodziej zunächst auf der Bank gelassen sein Regisseur hat seit dem zweiten Spieltag mit Ellenbogenproblemen zu tun, was ihn beim Werfen behindert. Aber Kolodziej braucht für Torgefahr keine Tore, ihm reichen seine Einfälle und Pässe. Vermutlich ist er der einzige Spieler der dritten Liga, über den man das sagen kann.

Zur Halbzeit führte der TuS bereits mit 14:9. "Wir haben versucht, die Schwachstellen von Fürstenfeldbruck zu bespielen", sagte HC-Trainer Tobias Wannenmacher, was der U23 des Erstligisten aber immer seltener gelang. Stattdessen provozierte die offensive Fürstenfeldbrucker Deckung Ballverluste und Fehlwürfe. Und obendrein verwandelte Kerst jeden seiner sechs Siebenmeter sicher. So etwas ist man in Fürstenfeldbruck nicht gewohnt, früher waren die Siebenmeter ja immer ein kleines Problem gewesen. Korrektur Wild: "Das Wort klein kann man streichen."

TuS FFB

Und plötzlich läuft es: Auch für den Fürstenfeldbrucker Rückraumspieler Sebastian Meinzer, der fast nach Belieben traf und so vier Treffer zum deutlichen Sieg gegen die erlanger Bundesliga-Reserve beisteuerte.

(Foto: Günther Reger)

In der zweiten Halbzeit trafen erst Yannick Engelmann (6 Tore) und später Sebastian Meinzer (4) wann immer sie wollten. "Von Minute zu Minute wurde das Spiel mehr zu einem Selbstläufer", sagte Wild, wobei er nicht genau wusste, warum. Eigentlich sei der Unterschied zwischen der schlechten und der guten Spielphase gar nicht so gravierend gewesen. Doch während den Franken langsam gewiss wurde, dass es hier nichts zu holen gibt, gelang dem TuS nach 44 Minuten fast alles.

Kerst warf einen Einwurf aus 30 Metern Entfernung direkt in das gerade verwaiste Erlanger Tor. Der für Luderschmid eingewechselte Markus Winkler hielt einen Siebenmeter, dann noch einen und später auch noch einen dritten. Wild schickte auch den 17-jährigen Kreisläufer Cedric Riesner für ein paar Minuten aufs Feld, und der leitete mit einer guten Abwehraktion den sehenswertesten Treffer des Spiels ein: Riesner bekam die Hand an einen Pass, warf den Ball vor zu Benedikt Hack, der noch in der Luft zu Gianni Huber weiterspielte.

Punktgleiche Rivalen | Dachaus Frauen verlieren, HCD gewinnt

Die Handballerinnen des HCD Gröbenzell haben nach dem Remis im Derby gegen den Lokalkonkurrenten ASV Dachau in der dritten Liga Süd einen weiteren Schritt nach vorne gemacht. Nach dem 33:29-Erfolg gegen das weiterhin punktlose Schlusslicht TV Möglingen, bei dem Beatrice Mazzucco, Lena Klingler und Christine Königsmann jeweils sieben Treffer erzielten, stieg das Team von Trainer Konstantin Schlosser nun auf den sechsten Tabellenplatz. Damit steht Gröbenzell im Klassement direkt hinter Aufsteiger ASV Dachau, der dem Vorletzten TG 88 Pforzheim mit der 27:28-Heimniederlage die ersten beiden Punkte ermöglichte. Vor allem die erfahrenen Rückraumwerferinnen Milica Vlahovic und Desire Kolasinac waren von der Dachauer Defensive schlicht nicht zu kontrollieren, beide haben bereits höherklassig gespielt und erzielten zusammen 16 Tore für die Gäste. Ralf Tögel

Es blieb die Frage, warum die Brucker zum dritten Mal nacheinander schlecht starteten. Schon bei der Reserve der Rhein-Neckar Löwen und gegen Plochingen war das passiert. "Ehrlich", sagte Wild, "ich habe dafür keine Erklärung". Aber mit der Gelassenheit eines Tabellenführers fügte er hinzu: "Solange die Spiele sich dann so verändern, ist mir das egal." Dass man sich darauf nicht immer verlassen kann, weiß er natürlich. Gegen Erlangen mag es noch gut gegangen sein, der Vorletzte ist derzeit aber auch kein Maßstab. Nach einem größeren Umbruch ist der HC noch immer weitgehend mit sich selbst beschäftigt.

An den nächsten beiden Wochenenden werden es die Brucker wahrscheinlich nicht so einfach haben: Erst muss der Primus nach Heilbronn zum Vierten und anschließend zum Tabellenzweiten und Verfolger VfL Pfullingen.