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Handball:Brucker Offensive

Handball, 3. Liga: TuS FFB - Balingen/Weilstetten II

Ab durch die Mitte: Wie hier Fürstenfeldbrucks Spielmacher Falk Kolodziej lässt sich der TuS momentan kaum bremsen.

(Foto: Matthias Ferdinand Döring)

Nach dem 37:31-Erfolg gegen Balingen II bauen die TuS-Handballer ihre Tabellenführung aus. Trainer Martin Wild spricht vom Aufstieg in die zweite Liga.

Und dann ist Martin Wild nicht mehr zu stoppen. Er redet und redet. Über die zweite Handball-Bundesliga. Da will er hin. "Wir werden uns jetzt nicht hinstellen und sagen: Platz fünf am Ende der Saison wäre schön. Natürlich wollen wir um die Meisterschaft mitspielen." Applaus brandet auf bei jenen Zuschauern, die noch dageblieben sind am Samstagabend in der Wittelsbacher Halle von Fürstenfeldbruck und sich die Trainerstatements anhören. Ein Tabellenführer, der um die Meisterschaft mitspielen möchte. Klingt eigentlich ganz normal. Doch der sportliche Erfolg seiner Handballer setzt den TuS Fürstenfeldbruck gehörig unter Druck. Für die zweite Liga fehlen etwa 250 000 Euro, hatte Wild dieser Tage in einem Interview mit dem Fernsehsender München TV gesagt. Auch hat er daran erinnert, dass man in der Spielzeit 2015/16 schon einmal auf die Teilnahme an der Aufstiegsrelegation verzichtet habe. Samstagabend legt er nach.

Euphorisiert vom 37:31-Sieg im Spitzenspiel der dritten Liga Süd über die zweite Mannschaft des Bundesligisten HBW Balingen-Weilstetten, fühlt Wild sich offenbar aufgerufen, Aufklärung zu leisten. Oder auch Druck auf die Verantwortlichen auszuüben - je nach Lesart. Im Laufe seiner Philippika wird ihm bewusst: "Ich sage viele Sachen, die ich jetzt noch nicht sagen wollte." Und tut es dennoch. Lediglich Johannes Stumpf und Falk Kolodziej hätten zuvor anderswo dritte Liga gespielt, und nun stehe man "an der Schwelle zur zweiten Liga". Wild weiß aber auch, dass es "momentan nicht gehen würde". Die durchschnittlichen Etats, mit denen Zweitligaklubs wirtschaften könnten, lägen bei eineinhalb Millionen Euro, bei Spitzenklubs darüber. Deshalb "müssen wir zusammenhelfen, um den finanziellen Rahmen hinzubekommen, und Lösungen finden, um den Handball in Fürstenfeldbruck auf ein neues Level zu heben".

Anfang der Neunzigerjahre hatten Fürstenfeldbrucks Handballer schon einmal einen einjährigen Ausflug in die zweite Liga unternommen und anschließend an den Schulden gelitten, die jene Saison hervorgerufen hatte und die sie jahrelang abtragen mussten. Seither haben sich die Teilnahmebedingungen noch einmal verschärft. Die zweite Bundesliga ist eingleisig, die Fahrten führen quer durch Deutschland bis nach Hamburg und Lübeck. In diesem Jahr dürfen die Drittligameister wegen einer Ligenreform nicht einmal direkt aufsteigen, sondern müssen sich über eine Relegation bewähren.

Am Samstag können auch die Gegner aus der baden-württembergischen Bundesligastadt Balingen die Brucker nicht vom 13. Sieg im 15. Saisonspiel abhalten. Beide Mannschaften starten mit unfassbarem Tempo in das Spiel, nach nicht einmal fünf Minuten hat jedes Team schon fünf Tore erzielt. In der Folgezeit führen die Brucker Panther, wie sie sich nennen, zumeist, doch nur knapp, beim 14:14 (20.) lassen sie sich ein einziges Mal einholen. Zur Halbzeit liegen sie mit 20:18 vorn.

Doch nach der Pause setzen sich die Gastgeber ab, Schritt für Schritt, Tor um Tor. Den Sechs-Tore-Vorsprung, der auch am Ende steht, schaffen sie beim 26:20 (40.) zum ersten Mal, auch dank der Treffer von Alexander Leindl. Der 21-jährige Linkshänder hämmert die Bälle mit großer Wucht und noch größerer Geschwindigkeit aus dem Rückraum ins gegnerische Tor, Leindl ist an diesem Abend mit zehn Treffern erfolgreichster Brucker Schütze und. Dann und wann zeigt er auch sehenswerte Anspiele - wie beim Pass auf Johannes Borschel am Kreis.

Und wenn nötig, hält Torhüter Michael Luderschmid einen Siebenmeter mit dem Kopf

Für Leindl gibt es Sonderlob vom Trainer. Szenenapplaus von den Rängen gibt es kurz nach dem Seitenwechsel, als Korbinian Lex Balingens wuchtigen Lars Röller im Zweikampf quasi niederringt. Sehenswert ist auch, wie Rechtsaußen Benedikt Hack geistesgegenwärtig den Ball aus des Gegners Händen fängt und sich ganz allein auf den Weg zum 22:19 macht (35.). Und Michael Luderschmid im Brucker Tor bringt nicht nur immer wieder die Fußspitze an den Ball, sondern einmal auch den Kopf. Unfreiwillig zwar, aber mit Folgen. Balingens Julian Thomann tritt zum Siebenmeter an und trifft Luderschmid am Kopf (56.). Der Siebenmeter ist pariert, 1000 Fans jubeln, und Luderschmid fällt geradewegs nach hinten um. Sofort eilt Physiotherapeut Peter Rietzschel zu ihm, kühlt die Stirn. Luderschmid kommt schnell wieder zu sich. Als er steht, kommt Thomann auf ihn zu, reicht ihm die Hand.

Nach der Partie feiern sich Protagonisten und Publikum minutenlang und beklatschen sich gegenseitig. Am kommenden Samstag gehen sie zusammen auf Reisen. Mehr als 200 Fans haben sich für die Auswärtsfahrt der TuS-Handballer nach Blaustein bei Ulm angemeldet. Vier Busse fahren sie zum Tabellenschlusslicht. Alles andere als eine große Fürstenfeldbrucker Handballparty dort wäre eine Überraschung.