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Handball:Blitzstart

Zu schnell für Helmlingen: Valentin Schell erzielt eines seiner zwölf Tore beim klaren 36:24-Triumph der Allacher Bundesliga-A-Junioren.

(Foto: Claus Schunk)

Allachs Bundesliga-A-Junioren überrennen die Gäste des TuS Helmlingen nach einem halben Jahr Spielpause und machen sich nach dem 36:24-Sieg berechtigte Hoffnungen auf das Viertelfinale

Von Johannes Müller, Allach

Die Fäuste geballt, die Arme weit von sich gestreckt und mit einem breiten Grinsen im Gesicht, lief Valentin Schell an den Kameras vorbei, die das Spiel der Allacher A-Junioren in die heimischen Zimmer der Anhängerschaft streamten. Es war eine bemerkenswerte Szene in der zweiten Hälfte des Heimspiels gegen den TuS Helmlingen. Kein anderer Handballer bejubelte an diesem Nachmittag ein eigenes Tor so überschwänglich wie der Allacher Rechtsaußen. Schell hatte auch allen Grund zur Freude, war er doch mit zwölf Treffern bester Werfer auf der Platte und hatte somit gewichtigen Anteil an einem letztlich überzeugenden 36:24 (16:15)-Sieg seiner Mannschaft.

Auch Allachs Trainer Andreas Krauß zeigte sich sehr zufrieden mit dem Auftritt seines Schützlings zum Auftakt in die Meisterrunde der Jugend-Bundesliga, wenngleich dieser "noch fünf Treffer mehr hätte machen müssen", wie Krauß ohne Groll feststellte. Der Außenspieler erntet nun die Früchte seines Trainingsfleißes. "Die Leistung war eine Belohnung für die konzentrierte Arbeit beispielsweise im Wurftraining, wo er sich im letzten halben Jahr sehr stark verbessert hat. Hoffentlich ist bei ihm der Knoten geplatzt."

Tempo und Dynamik: Im Allacher Spiel macht sich die intensive Vorbereitung bemerkbar

Dass Rechtsaußen Schell zu einem wesentlichen Erfolgsfaktor wurde, erklärt sich aus der Dynamik der Partie, die ganz dem Kraußschen Ideal des Tempospiels entsprach. Immer wieder konterten vor allem Allachs Außenspieler den Gegner mit Gegenstößen aus. Ein Gros der Treffer wurde nach diesem Muster erzielt und es hätten besonders in der ersten Halbzeit mehr sein können, da allein Schell und Linksaußen Raffael Rheude mehrmals bei freien Würfen nur Pfosten oder Latte trafen.

Nur selten ließen sich die Allacher bremsen, hier nimmt es Tizian Ott mit zwei Gegnern auf.

(Foto: Claus Schunk)

Dass sich diese Verschwendung nicht rächte, war dem Einsatz der Allacher Abwehr zu verdanken. Die war vom Anpfiff weg bissig und störte das Helmlinger Aufbauspiel teils weit vor der eigenen Neun-Meter Linie. Auf diese Weise forcierte sie zahlreiche schwache Abschlüsse aus dem Rückraum, die Allachs Torwart Louis Oberosler mit langen Pässen postwendend in schnelle Gegenangriffe umwandelte - nach zehn Minuten führte Allach erstmals mit vier Toren. So wie die Intensität der Allacher Defensive anschließend jedoch nachließ, wurde auch das Spiel im Lauf der ersten Hälfte ausgeglichener. Nach 23 Minuten glichen die Gäste erstmals aus und gingen anschließend sogar kurzzeitig in Führung.

In der Halbzeit erinnert Trainer Krauß seine Spieler daran, den Gegner ernst zu nehmen

Dass sich diese Verschwendung nicht rächte, war dem Einsatz der Allacher Abwehr zu verdanken. Die war vom Anpfiff weg bissig und störte das Helmlinger Aufbauspiel teils weit vor der eigenen Neun-Meter-Linie. Auf diese Weise forcierte sie zahlreiche schwache Abschlüsse aus dem Rückraum, die Allachs Torwart Louis Oberosler mit langen Pässen postwendend in schnelle Gegenangriffe umwandelte - nach zehn Minuten führte Allach erstmals mit vier Toren. So wie die Intensität der Allacher Defensive anschließend jedoch nachließ, wurde auch das Spiel im Lauf der ersten Hälfte ausgeglichener. Nach 23 Minuten glich der TuS erstmals aus und ging anschließend sogar kurzzeitig in Führung.

Krauß war mit der Schlussphase der ersten Hälfte gar nicht zufrieden, was er dem Team in der Kabine deutlich mitteilte. Fahrlässig habe man agiert, wohl in dem Glauben, die Dinge liefen von allein: "Wir haben die Jungs nochmals entsprechend instruiert, dass wir defensiv viel besser arbeiten müssen, so als würden wir gegen einen sehr starken Gegner spielen." Eine Erklärung für das phasenweise Zögerliche war aber auch die fehlende Wettkampfpraxis nach einem halben Jahr ohne Spiel, befand der Trainer. "Es war für alle ein Restart, für die Schiedsrichter wie die Spieler, und die Jungs mussten erst mal herausfinden, welche Härte zugelassen wird. In der zweiten Halbzeit hat man dann gesehen, dass es so gut wie kein Durchkommen mehr gab, wenn wir kompakt standen."

Das Spiel gegen Erlangen ist verschoben, die Mittelfranken sind in Quarantäne

In der Tat, die Allacher schalteten defensiv wieder einige Gänge hoch. Insbesondere der Innenblock um Severin Henrich und Florian Scheerer leistete Schwerstarbeit. Mit immenser Beinarbeit und hartem, zumeist fairem Zupacken wurden die Helmlinger Angriffe fast vollständig unterbunden. Insbesondere Henrich beeindruckte mit einer vor Kraft und Ausdauer strotzenden Darbietung. Das verdeutlichte die Fitness der Allacher, die nicht nachließen und durch weitere Tempogegenstöße Tor um Tor davonzogen. "Die Helmlinger konnten im Rückzugsverhalten das Tempo nicht mitgehen", konstatierte Krauß.

Gleichzeitig richtet sich der Blick des Trainers nach vorn auf den kommenden Gegner HC Erlangen. "Das ist eine andere Hausnummer, die können das Tempo mitgehen. Da wird dann entscheidend sein, wer die wenigsten Fehler macht. Diese Mannschaft wird auch das Spiel gewinnen." Die Partie in Erlangen sollte am kommenden Wochenende stattfinden, doch daraus wird nun nichts. In der Erlanger Mannschaft hat es positive Corona-Fälle gegeben, sie befindet sich für zwei Wochen in Quarantäne. Das Spiel gegen Allach wurde auf den 9. Mai verschoben. Da zeitlich nicht anders möglich, wird Erlangen zudem am Tag zuvor in Helmlingen antreten müssen. Ein Vorteil für die Allacher, wenn sie auf ein Erlanger Team treffen werden, das nach zweiwöchiger Quarantäne nur 24 Stunden zuvor auf der Platte stand.

Krauß und seine Spieler sind jedenfalls voller Vorfreude auf das Duell mit den Mittelfranken. Der Trainer erinnert nochmals an die denkbar knappe Niederlage in der abgebrochenen regulären Spielzeit, für die man sich revanchieren wolle. Wenn es denn einer Extraportion Motivation überhaupt bedarf, bei der Aussicht auf das Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft. Einen Leitspruch gibt Krauß jedenfalls schon mal aus: "Hoffen wir, dass es weitergeht und die Münchner Fahnen aufrecht gehalten werden!"

© SZ
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