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Handball:Aufbruchstimmung vorm Derby

Ausnahme im jungen Kader: Rückraumschütze Martin Dauhrer, 27, ist einer der wenigen verbliebenen Hachinger Leistungsträger.

(Foto: Claus Schunk)

Während Ismaning den Trainerwechsel gut wegsteckt, blicken Hachings Handballer euphorisch in die Zukunft.

Wenn man sich mit den Verantwortlichen unterhält, fällt immer wieder das Wort "Zukunft". Bei den Handballern des TSV Unterhaching legen sie nämlich genau darauf großen Wert: Nicht der kurzfristige Erfolg soll her, sondern eine nachhaltige Strategie, um nie wieder in eine Situation zu geraten wie vor anderthalb Jahren. Damals stand man vor Beginn der Bayernligasaison nur mit einer Rumpfmannschaft und ohne Trainer da. Zum Glück für die Hachinger erklärte sich der ehemaliger Übungsleiter Christian Sorger, der gerade erst von einem zweijährigen USA-Aufenthalt zurückgekehrt war, dazu bereit, seinen alten Posten wieder zu übernehmen. "Es war eigentlich ein Himmelfahrtskommando", sagt Sorger rückblickend. "Zum Glück sind wir mittlerweile komplett gesundet, aber das hätte auch schiefgehen können."

Wenn die Unterhachinger nun an diesem Freitag (20 Uhr, Hachinga Halle) den Rivalen TSV Ismaning zum Derby empfangen, gelten sie als Favorit. Was nicht nur daran liegt, dass man im Gegensatz zum Aufsteiger aus dem nördlichen Landkreis München der Bayernliga schon seit einem halben Jahrzehnt durchgehend angehört. Auch die Tabellensituation spricht für Haching, das sechs Punkte und ebensoviele Plätze vor den Ismaningern liegt. Beim Neuling mussten zuletzt einige Scherben zusammengekehrt werden: Die Mannschaft hatte in einer internen Sitzung Ende November die Ablösung von Trainer Thomas Eck beschlossen - unmittelbar vor einem anderen Derby, jenem gegen den SV Anzing. Ohne echten Coach, mit den beiden verletzten Spielern Jan Geserer und Florian Nortz als Interimstrainer, gewann Ismaning den folgenden Krimi mit 33:32 und holte sich auch im Kellerduell gegen Mitaufsteiger Ottobeuren (25:21) beide Punkte - diesmal bereits mit dem neuen Trainerduo Rudi Heiss und Christoph Ilg an der Seitenlinie. Wobei es sich um alte Bekannte im Verein handelt: Heiss hatte die Männer schon vor einigen Jahren betreut und koordiniert zudem den männlichen Jugendbereich; Ilg war früher selbst aktiv und hatte im Januar laut Vereinshomepage das Athletiktraining bei den TSV-Männern übernommen. Die jüngsten Siege haben jedenfalls neue Emotionen in der Mannschaft geweckt, wie man aus dem Vereinsumfeld hört. Der ein oder andere Spieler soll sich wieder mehr einbringen.

Die Jugendsparten von Haching und Taufkirchen haben fusioniert, folgen auch die Erwachsenen?

Während man bei den Ismaningern also noch ein bisschen auf der Suche nach Stabilität und Kontinuität ist, hat man diese in Unterhaching bereits erreicht. Mit zehn Mann war Christian Sorger in die Saison 2016/17 gegangen, mittlerweile umfasst der Kader 20 Spieler. "Wir haben drei, vier der besten Talente von anderen Vereinen aufgesaugt, drei, vier gute Spieler aus dem eigenen Nachwuchs hochgezogen und nochmal drei, vier Studenten von der HSG Isar-Loisach dazu geholt", erklärt der Coach. Ein gigantischer Umbruch, von den früheren Leistungsträgern ist kaum noch jemand dabei. Zu den wenigen Ausnahmen gehören Kreisläufer Johannes Borschel, 33, und Rückraumschütze Martin Dauhrer, 27. "Wir haben 16 Spieler unter 25 Jahren, davon sind acht sogar unter 20", sagt Trainer Sorger nicht ohne Stolz.

Und dieses Vertrauen in den Nachwuchs zahlt sich in dieser Saison bisher aus: Vor allem eine starke Serie im Herbst führte dazu, dass Haching nach gegenwärtigem Stand wohl mit dem Abstieg in dieser Saison nicht viel zu tun bekommen dürfte. "Wenn wir Ismaning schlagen, hätten wir ein super Polster, dann können wir das Thema Abstiegskampf bald abhaken", sagt der Coach. Von einer Niederlage gehen sie bei den Gastgebern nicht aus, das verdeutlicht auch Klaus Heydenreich, Mitglied der Abteilungsleitung: "Die Halle wird gut besucht sein, da sollte auf jeden Fall ein Sieg her. Zumal der Gegner nach dem Trainerwechsel offensichtlich in Schwierigkeiten steckt", so Heydenreich, der früher Torwart beim TSV war und nun gemeinsam mit Abteilungsleiter Gregor Christoforis sowie einem anderen ehemaligen Spieler, Alexander Birner, nicht nur die Geschicke der Handballsparte leitet, sondern auch sehr behutsam an einem anderen großen Projekt arbeitet: der Fusion mit dem anderen großen Handballverein aus dem Hachinger Tal, dem SV DJK Taufkirchen.

Vor einem knappen Jahr haben die beiden Klubs bereits ihre Jugendabteilungen zusammengelegt, man nennt sich HT München, wobei die Buchstabenkombination HT Hachinger Tal bedeutet, jedoch auch für Haching-Taufkirchen stehen kann. Die Unterhachinger Männermannschaft profitierte schon vergangene Saison von diesem Zusammenschluss: Als Trainer Sorger kaum Spieler für den Abstiegskampf in der Bayernliga zur Verfügung hatte, holte er Talente wie Noah Newel oder Basti Kopp aus der HT-A-Jugend - und diese konnten sich auf Männerniveau behaupten. Vielleicht schon ein kleiner Vorgeschmack auf die Handball-Zukunft im südlichen Landkreis München. Denn sollten auch die Seniorenteams der beiden Vereine, wie von den Abteilungsleitungen gewünscht, schon bald zusammenwachsen, dann kann hier womöglich eine neue Münchner Handball-Macht entstehen. "Die gemeinsamen Strukturen hierfür wären perfekt", sagt Trainer Sorger.