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Spielvereinigung Unterhaching:"Die breite Basis trägt"

SpVgg Unterhaching geht an die Börse

Die Spielvereinigung Unterhaching ist 2019 an die Börse gegangen.

(Foto: dpa)

Stabiler als Ajax, Juve und der BVB: Börsenprofi Claus Lemke erklärt, warum sich Hachings Aktie trotz Krise "ganz hervorragend" schlägt.

Die Zeiten sind hart, auch für Profi-Fußballvereine. Drittligist SpVgg Unterhaching etwa hat zuletzt die Botschaft vernehmen müssen, dass sein Hauptsponsor in Folge der Corona-Krise sein Engagement im Sommer beendet. Seit Juli 2019 ist der Klub an der Börse notiert. Claus Lemke, 55, Geschäftsführender Gesellschafter der Portfolio Control GmbH in Starnberg, hat den Börsengang der SpVgg begleitet und bewertet im Gespräch mit der SZ die aktuelle Entwicklung vor dem Hintergrund von Corona.

Herr Lemke, inwiefern sind Sie mit Ihrem Unternehmen in die Börsentätigkeiten der SpVgg involviert?

Claus Lemke: Wir haben die Strukturen vorbereitet und die Machbarkeit geprüft, um den Börsengang möglich zu machen. In der Platzierungsphase hat dann unsere Schwesterfirma Portfolio Financial Services die Begleitung übernommen. Und Portfolio Control wiederum steht Geschäftsführer Manfred Schwabl jetzt noch in der Nachbereitung mit Rat und Tat zur Seite.

Mal ganz abgesehen von Corona: Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Aktie vom vergangenen Juli bis März?

Claus Lemke, Geschäftsführender Gesellschafter, Portfolio Control GmbH

"Auch ich habe keine Glaskugel": Claus Lemke, 55, ist Geschäftsführender Gesellschafter der Portfolio Control GmbH. Das Unternehmen unterstützt Privatpersonen und Unternehmen bei Vermögensaufbau und -verwaltung.

(Foto: Privat)

Die gesamte Entwicklung war sehr positiv, das hat sich ja auch im Aktienkurs widergespiegelt. Das Papier lag immer oberhalb des Emissionskurses von 8,10 Euro, zwar nicht ganz so hoch wie kurz danach, als viele Investoren auf dem damals ausgetrockneten Markt noch mit etwas Verspätung eingestiegen sind und die Aktie sogar auf über elf Euro ging. Aber dann lag die Aktie stets zwischen 9,00 und 9,70 Euro, das kann man durchaus als Erfolg bezeichnen.

Wieso hat sich das Papier aus Ihrer Sicht so stabil entwickelt?

Weil der Aktienwert immer den Unternehmenswert abbildet. Und weil man bei der SpVgg die Mittel sorgfältig verwendet, etwa für Nachwuchsförderung.

Nun kam zuletzt der durch die Pandemie bedingte große Einbruch an den Börsen. Auch die Unterhaching-Aktie gab nach, aber im Verhältnis zu anderen Unternehmensbeteiligungen eher moderat: Am Freitagnachmittag stand sie bei 7,15 Euro.

Die Corona-Krise betrifft alle Branchen und so hat auch das Haching-Papier in vier Wochen etwa 17 Prozent seines Wertes eingebüßt. Im gleichen Zeitraum hat der Dax um 33 Prozent und der Dow Jones Index um 35 Prozent nachgegeben. Oder schauen wir auf andere börsennotierte Vereine: Borussia Dortmund minus 50 Prozent, Juventus minus 35 Prozent, Manchester United minus 28 Prozent. Und selbst bei Ajax und dem FC Porto, die mit einem hohen Eigenkapital arbeiten, sind es minus 22 Prozent. Im Verhältnis dazu hält sich Unterhaching ganz hervorragend.

Worauf führen Sie die geringen Verluste zurück?

Das liegt einerseits am breit gestreuten Aktionärsportfolio: Mittlerweile gibt es etwa 2300 verschiedene Aktionäre. Man erkennt also eine breite Basis außerhalb der großen strategischen Investoren, die das Konstrukt stabil trägt. Der deutliche Großteil der Aktionäre ist mit dem Zweck eingestiegen, strategisch zu investieren, also um mittel- bis langfristig dabei zu bleiben. Die Abgabebereitschaft ist gering, viele Anleger wollen ihre Aktien grundsätzlich nicht verkaufen.

Zuletzt wurden im Rahmen einer Kapitalerhöhung weitere Anteile verkauft, allerdings nur an Aktionäre, die schon in der ersten Runde zugegriffen hatten.

Ja, und man kann wirklich sehr zufrieden sein mit dieser Kapitalerhöhung. Es wurden 32 780 neue Aktien zu 8,35 Euro erfolgreich platziert. Durch die Platzierung der neuen Aktien fließen der Gesellschaft brutto etwa 273 000 Euro zu.

Und doch gibt es auch bei der SpVgg Unterhaching in diesen Tagen schlechte Nachrichten: Hauptsponsor Frostkrone steigt im Sommer aus, ein Jahr vor dem vereinbarten Vertragsende. Was bedeutet das für die Aktie?

Diese Nachricht ist nun schon zwei Wochen alt, damit kann man sagen, dass das Ereignis bereits eingepreist ist und sich nicht mehr zusätzlich auf den Aktienpreis auswirken wird.

Wie gravierend wären die Auswirkungen, würde die aktuelle Krise dazu führen, dass die Drittligasaison vorzeitig beendet werden muss und die SpVgg keine weiteren Einnahmen generieren könnte?

Da bitte ich um Verständnis: Wir wissen doch derzeit alle nicht, wie lange das alles noch anhält. Man kann hier seriös keine Prognosen treffen, auch ich habe keine Glaskugel.

Dann stellen wir uns doch den posi- tiven Fall vor: Die Saison wird zu Ende gespielt und Haching steigt in die zweite Liga auf.

Dann wären die Auswirkungen auf die Aktie früher als erwartet mehr als positiv. Das ist ja die Wachstumsstory, die dem Börsengang als Ziel zugrunde liegt: Der Unternehmenswert würde steigen und müsste neu bewertet werden. Und das hätte einen positiven Effekt auf den Aktienkurs, hauptsächlich wegen der Fernsehgelder, die in der laufenden Drittligasaison eine Million und in der zweiten Liga neun Millionen Euro betragen.

Vielleicht noch ein Hinweis vom Börsenprofi, was Inhaber von Aktien derzeit tun sollen? Verkaufen oder halten?

Ruhig Blut, blinder Aktionismus wäre falsch. Wie nach jeder Krise wird das wirtschaftliche Leben auch diesmal wieder erwachen und sich vieles relativieren. Die Zinsen dürften niedrig bleiben, deshalb gibt es auch nach Corona kaum Alternativen für Anleger als in Unternehmen zu investieren.

© SZ vom 06.04.2020

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