bedeckt München 21°

Golf:An der Zonengrenze

Der Titel bei den deutschen Amateur­meister­schaften war für Sarina Schmidt eine Bestätigung. Die 20-Jährige weiß aber auch, dass sie neue Herausforderungen erwarten, sobald es um Geld geht.

Im altehrwürdigen Hamburger Golfclub Falkenstein, einem der ältesten und prestigeträchtigsten Kurse in Deutschland, wird so viel Wert auf Tradition gelegt, dass man mit einem neudeutschen Ausdruck wie "in der Zone sein" vermutlich nicht allzu viel anfangen kann. In jener Zone befinden sich Sportler im Idealfall immer dann, wenn die Crunchtime - noch so ein eingebürgerter Begriff - ansteht, die Zeit, in der es um den Sieg geht. Ein paar Wochen ist es nun her, dass Sarina Schmidt in Falkenstein ebenjene Zone betreten hat. Auf den letzten vier Löchern der deutschen Amateurmeisterschaften, dem wichtigsten nationalen Turnier für Amateurgolfer, spielte Schmidt vier Birdies, sie katapultierte sich damit an die Spitze des Turniers. Und wo Schmidt schon mal in der Zone war, trug sie sich auch noch in die Annalen des Golfclubs ein und stellte mit 66 Schlägen einen neuen Platzrekord auf.

Die Zone hatte jedoch auch einen Nachteil: "Ich war so fokussiert, ich weiß, dass ich vier unter Par gespielt habe - aber ich kann mich an die einzelnen Löcher und Schläge gar nicht mehr erinnern", sagt die 20-Jährige. Sie muss dabei selbst schmunzeln. Die neue deutsche Amateurmeisterin erzählt verdientermaßen stolz von ihrer Leistung in Hamburg, sie habe ihre Ziele gut umgesetzt, die langen Schläge seien hervorragend gewesen, und "als dann in der letzten Runde auch noch die Putts reingegangen sind, wurde es eben richtig gut". Was nach einer einfachen Formel klingt, ist das Ergebnis harter Arbeit. Schmidt er-zählt, dass für sie, wie für so viele im Golfsport, der mentale Bereich die größte Herausforderung gewesen sei: "Ich habe sehr viel an meiner Herangehensweise gearbeitet. Ich denke jetzt viel konsequenter von Loch zu Loch und nicht immer über das große Ganze nach", sagt Schmidt. Das Ergebnis war nicht nur ein schöner Pokal, sondern auch unerwartetes Lob: "Nach der Schlussrunde ist ein Zuschauer zu mir gekommen und hat gefragt, ob ich denn gar nicht nervös gewesen sei. Er meinte, ich habe so ruhig gewirkt. Das war eine schöne Bestätigung."

Golf Sarina Schmidt, GC München Valley

„Ich denke jetzt viel konsequenter von Loch zu Loch und nicht immer über das große Ganze nach“: Sarina Schmidt.

(Foto: Stefan Blümer/DGV/oh)

Großen Anteil an der Verbesserung ihrer mentalen Herangehensweise hatte Schmidts Trainer Danny Wilde. Im Golfclub München Valley arbeiten beide zusammen, Schmidt ist Teil der Bundesliga-Mannschaft, die Wilde trainiert. "Danny und das Team sind für mich unheimlich wichtig", sagt Schmidt, die in Valley (Landkreis Miesbach) zu Hause ist, seit der Platz eröffnet hat: "Der Klub unterstützt mich sehr, seit ich mich entschlossen habe, Golf als Leistungssport zu betreiben." Nach dem Abitur im vergangenen Jahr entschloss sich Schmidt, ein Jahr lang nur Golf zu spielen. So ein "Gap Year" verbringen andere in ihrem Alter gerne am Strand in Australien, doch Schmidt hat große Ziele. Angefangen hat sie beim GC Schloss Egmating (Landkreis Ebersberg), dieses oder nächstes Jahr will sie Profi werden, was im Golfsport schwieriger ist, als es klingt: Der Schritt ins Profilager nämlich verändert die Grundsituation. Während man als Amateur Turniere spielt, um ein besseres Handicap zu bekommen und Pokale zu gewinnen, spielt man als Profi um Geld. Wenn es um Preisgeld, Sponsorenverträge und den Lebensunterhalt geht, ist jene mentale Freiheit, die man im Kopf braucht, um erfolgreich zu spielen, ein rares Gut.

Sarina Schmidt ist sich dessen durchaus bewusst: "Das kann total schön sein, wenn man sein Hobby zum Beruf machen kann, aber es kann sicher auch nerven." Dann fügt sie fast ein wenig trotzig an: "Aber mich reizt das total, ich will das unbedingt machen." Das Profidasein hat freilich auch Vorteile, gerade im Sponsoringbereich. Derzeit wird Schmidt vom GC Valley und vom Deutschen Golfverband unterstützt, vor allem bei den hohen Reisekosten, die der Sport mit sich bringt - Sponsoren darf sie als Amateurin keine haben: "In der Leichtathletik zum Beispiel darf man das, im Golf aus irgendwelchen Gründen nicht." Der Golfsport trennt nach wie vor strikt zwischen Amateur und Profi, Erstere bekommen auch kein Preisgeld, nicht einmal bei den großen Meisterschaften wie in Hamburg.

Die Münchnerin Sarina Schmidt über ihr Ziel, aus dem Hobby Golf einen Beruf zu machen

"Das kann total schön sein, das kann sicher auch nerven. Aber mich reizt das total. Ich will das unbedingt."

Allzu verständlich ist es daher, wenn Schmidt sagt, sie wolle so schnell wie möglich aufsteigen. Sinnvoll ist das allerdings erst, wenn sie sich für die Ladies European Tour qualifiziert, Europas größte Frauengolftour. Auch dort reichen die Preisgelder zwar nur knapp, der Unterschied in der Bezahlung zwischen Männern und Frauen ist weiterhin eklatant, aber immerhin spielt man auf einer recht großen Bühne, was für Sponsoren wichtig ist. Derzeit spielt Schmidt auf der Qualifikationstour: "Letztes Jahr hätte ich mich so fast qualifiziert, dann wäre ich jetzt schon Profi", sagt sie.

In dieser Saison tut sie sich auf der sogenannten "Access Tour" noch etwas schwer. Die Crunchtime allerdings beginnt ohnehin erst im Spätsommer, dann geht es bei den Finalturnieren in die heiße Phase. Eine gute Gelegenheit, um wieder in die Zone zu kommen.