Galopprennsport:Kein Publikum, viel Spannung

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Der Engländer William Buick gewinnt den Großen Dallmayr-Preis in Riem. Der veranstaltende Münchner Rennverein hofft beim nächsten Renntag Mitte September wieder auf Zuschauer.

William Buick hatte seinen Preis noch gar nicht entgegengenommen, da sagte Sarah Steinberg, die nur ein paar Meter daneben stand: "Nächstes Jahr gewinnen wir!" Buick hatte gerade mit dem Pferd Barney Roy den Großen Dallmayr-Preis gewonnen, das Gruppe-1-Rennen des Münchener Rennvereins (MRV). Es ist eines der wichtigsten Galopprennen in Deutschland. Das von Steinberg trainierte Pferd Quest de Moon wurde Zweiter, ganz knapp hinter Barney Roy. Ihr zweites Pferd, Wai Key Star, belegte Platz fünf. Steinberg hätte sich über den verpassten Sieg ärgern können, aber das tat sie nicht.

"Das war eine grandiose Leistung", sagte sie, "und auch wenn wir nur Zweiter geworden sind, ist das ein tolles Ergebnis". So ganz sicher war sich Steinberg nicht gewesen, ob ihre Pferde mithalten würden, die Galopprennsaison ist wegen der Corona-bedingten Absagen ja noch jung. Noch im Frühjahr hatte der MRV den Dallmayr-Preis absagen wollen, weil die bayerische Infektionsschutzverordnung keine Zuschauer zulässt. Nun aber hatte man überlegt: Rennen ohne Zuschauer sind immer noch besser als gar keine.

Galopprennsport: Um eine Nasenlänge voraus: William Buick auf Barney Roy gewinnt das Gruppe-1-Rennen auf der Galopprennbahn in Riem.

Um eine Nasenlänge voraus: William Buick auf Barney Roy gewinnt das Gruppe-1-Rennen auf der Galopprennbahn in Riem.

(Foto: Claus Schunk)

Auch Steinberg sah das so: "Das Rennen ist sehr, sehr wichtig für München - und für unsere Gruppe-1-Pferde." Denn für deren Entwicklung sind Wettkämpfe mit hochkarätigen Gegnern wichtig. Sie wusste also, dass es ein schweres Rennen werden würde. Sie hatte auch geahnt, dass es schnell werden würde.

Und so kam es auch. Das französische Pferd Spotify stürmte gleich am Start nach vorne. "Damit hatte ich im Vornherein gerechnet", sagte Sternberg. Nicht gerechnet hatte sie aber damit, dass ein zweites Pferd nach vorne laufen würde: Naida, der klare Außenseiter. Lange liefen die beiden mit mehr als einer Pferdelänge voran. Dahinter die restlichen fünf Pferde. Barney Roy immer neben Quest de Moon.

Hatte der Favorit aus England alles im Griff? "Die Deutschen Pferde waren schon sehr gut", sagte Jockey Buick hinterher. Er wusste, dass es tagsüber immer wieder geregnet hatte, was das Geläuf weich machte, sein Pferd Barney Roy mag aber lieber einen harten Boden.

Trotzdem blieb er der Favorit. Auf der Zielgeraden passierte, was zu erwarten war: Naida und Spotify brachen ein und fielen auf die letzten Plätze zurück. Quest de Moon stürmte nach vorne, Barney Roy hinterher. "Ich wusste, dass mich Quest de Moon in eine gute Position bringen würde", sagte Buick. Noch weit vor dem Ziel zog er aber vorbei. Sein Kontrahent blieb dran und kam knapp dahinter ins Ziel. Auf der Tribüne wurde es zum ersten Mal etwas lauter. Die wenigen Zuschauer, die da waren, schrien, weil ein Münchener Pferd Siegchancen hatten.

Galopprennsport: „Nächstes Jahr gewinnen wir“: Die Münchnerin Sarah Steinberg war auch mit dem zweiten Platz ihres Pferdes Quest de Moon sehr zufrieden.

„Nächstes Jahr gewinnen wir“: Die Münchnerin Sarah Steinberg war auch mit dem zweiten Platz ihres Pferdes Quest de Moon sehr zufrieden.

(Foto: Claus Schunk)

Ansonsten war es den ganzen Tag über leise gewesen. Kein Vergleich zu dem üblichen Trubel beim Dallmayr-Preis, der als "größte Kaffeeparty der Welt" beworben wird. Im Kiosk vor der Tribüne arbeitete nur eine junge Frau, die Pommes, Bratwürste und Getränke an die paar Besucher verkaufte. Normalweise sind es vier, fünf Verkäuferinnen und Verkäufer nur in diesem Kiosk. Aber diesmal kamen eben keine 15 000 Zuschauer.

Große Einnahmen erzielt man so natürlich nicht. Überhaupt war das Rennen erst möglich geworden, weil der MRV das Preisgeld von 155 000 Euro auf 77 500 halbieren durfte. Zudem hatte MRV-Präsident Dietrich von Boetticher angekündigt, im Notfall finanziell auszuhelfen. Ob sich diese Rennen ohne Zuschauer lohnen, muss sich dennoch erst noch zeigen. Insgeheim hofft der MRV, dass bald wenigstens ein paar Hundert Zuschauer auf die Rennbahn dürfen. Vielleicht schon zum nächsten Renntag Mitte September.

Sarah Steinberg beschäftigt sich damit eher nicht. "Bei uns geht es normal weiter." Ihren Pferde geht es da wie den menschlichen Athleten: Sie müssen sich so vorbereiten, als würde alles sicher stattfinden. Und gerade mit dem Zweiten des Dallmayr-Preises, Quest de Moon, hat Steinberg in diesem Jahr noch viel vor. Als nächstes wird er beim Großen Preis von Baden an den Start gehen, mit guten Chancen. Und sogar für den Prix de l'Arc in Frankreich hat sie eine Meldung. "Das ist ein hartes Rennen", gibt Sternberg zu, die noch nicht weiß, ob sie die Meldung auch wahrnimmt. "Aber wenn wir ein Pferd haben, dass da mitlaufen kann: Warum nicht?"

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