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Fußballprofi in Vietnam:"Man kann hier gut leben"

Fußball 25 Spieltag der Regionalliga Bayern im Hans Walter Wild Stadion in Bayreuth Saison 2017 201; dominik schmitt

„Wir wollen unter die ersten Fünf. Und ich soll dabei die Spielmacherrolle übernehmen“: Dominik Schmitt (re.), 2018 noch für Bayreuth gegen Unterföhrings Masaaki Takahara am Ball, hat künftig viel Verantwortung.

(Foto: Peter Kolb/imago)

Der von Bayernligisten Türkgücü nach Vietnam gewechselte Fußballer Dominik Schmitt spricht über Motorroller-Korsos und seine Ziele.

Interview von Stefan Galler

Es ist die wohl kurioseste Transfermeldung im diesjährigen Winterwechsel-Theater: Fußballer Dominik Schmitt, 26, ausgebildet beim 1. FC Nürnberg und Greuther Fürth, langjähriger Regionalligaspieler bei Frohnlach, Ingolstadt II, Bamberg und Bayreuth, ist vom Bayernliga-Spitzenreiter SV Türkgücü-Ataspor in die erste Liga Vietnams gewechselt, zu Da Nang, dem Neuntplatzierten der vergangenen Saison. Da drängen sich doch einige Fragen auf - die Antworten gibt es beim Anruf über Whatsapp, die deutsche Handynummer ist nämlich dort drüben nicht in Betrieb.

SZ: Herr Schmitt, wie kommt man als Amateurfußballer auf die Idee, nach Vietnam zu wechseln?

Dominik Schmitt: Ich hatte immer schon den Traum, einmal ins Ausland zu gehen. In Deutschland habe ich den Sprung in den Profibereich leider aus verschiedenen Gründen, auch wegen vieler Verletzungen, nie geschafft. Und dann habe ich mir gesagt: Warum nicht mal was Verrücktes machen! Ich dachte mir, je weiter weg, umso besser, andere Menschen, eine andere Kultur, einen anderen Fußball kennenlernen. Hauptsache ein cooles Land mit Strand und Sonne. Zuerst habe ich mit Türkgücü-Präsident Hasan Kivran eine Abmachung getroffen, dass ich gehen darf, wenn etwas Passendes kommen sollte. Und dann bin ich mit einem Berater in Kontakt getreten, der vor allem in Asien tätig ist.

Und der hat dann gleich mal diesen Transfer klargemacht?

Ganz so einfach war es nicht: Im Sommer stand ich schon kurz vor einem Wechsel nach Thailand, den unterschriftsreifen Vertrag hatte ich schon. Aber hier in Asien gilt die Drei-Ausländer-Regel, daran ist der Transfer letztlich gescheitert. Dann kam das sehr lukrative Angebot von Da Nang.

Sie haben es geprüft, alle nötigen Informationen eingeholt und sind dann rübergeflogen nach Vietnam?

Nein, ich habe nicht mal gewusst, wo ich wohnen werde. Wenn man sich auf so etwas einlässt, muss man sich auf alles einstellen. Nur nicht durchblicken lassen, dass du überzogene Erwartungen hast. Es wird erwartet, dass man sich anpasst. Und das finde ich auch gut.

Jetzt können Sie es ja verraten: Wurden Ihre Erwartungen erfüllt?

Ich hatte wirklich Glück: Da Nang ist eine echt coole Stadt direkt am Meer, da hätte ich es in Vietnam auch anders treffen können. Hier ist es immer warm, es sind viele Touristen da. Unter der Woche wohnen alle Spieler in einem großen Gebäude in der Nähe des Vereinsgeländes, da kann man gut leben. Hier kommt es ganz automatisch zum Kontakt mit den Kollegen. Ich bin jetzt seit fast sechs Wochen hier und verstehe mich mit allen gut. Vor allem mit einem Argentinier, der schon seit zehn Jahren hier spielt, und mit einem Franzosen.

Also plagt Sie bisher kein Heimweh?

Nein, gar nicht. Außerdem hat sich schon Besuch angekündigt: Meine Eltern planen eine Reise und auch meine Freundin wird bald kommen.

Wie sieht es denn sportlich aus? Welche Ambitionen hat der Klub?

Abgesehen vom Meister, dem Hauptstadtklub Hanoi, sind hier eigentlich alle Mannschaften auf einem Level. Wir wollen in der neuen Saison, die übrigens am 23. Februar beginnt, unter den ersten Fünf landen. Und ich soll dabei die Spielmacherrolle übernehmen.

Welchen Stellenwert hat Fußball in Vietnam? Zuletzt ist die Nationalmannschaft ja bei der Asien-Meisterschaft erstmals bis ins Viertelfinale gekommen.

Ja, und seither herrscht eine echte Fußball-Euphorie hier. Schon als sie ins Achtelfinale eingezogen sind, gab es Motorroller-Korsos in der Stadt. Und wie die alle vor Freude geschrien haben - echt irre. In der Einkaufs-Mall standen in einem Elektroladen gefühlt 1000 Leute vor den Fernsehern, um die Übertragungen zu sehen. Die Erfolge des Nationalteams haben viele Leute zum Fußball gebracht. Und einer aus unserem Team war auch mit im Kader.

Haben Sie sich eigentlich zeitlich ein Limit für dieses Abenteuer gesetzt?

Nein. Vorerst gilt der Vertrag ein Jahr, aber am liebsten würde ich so lange wie möglich hier bleiben.

© SZ vom 13.02.2019
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